Energiebilanz Mehr grüner Strom als der Landkreis verbraucht

Stefan (links) und Jonas Murrmann, Landwirte aus Fernreuth bei Hollfeld, stehen in einem Feld mit Silphie – ein Energieträger und damit eine der wichtigsten Ersatzpflanzen für Mais. Foto: Archiv/Otto Lapp

BAYREUTH. Schon in den 1990er-Jahren stand ein kleines Windrad am Hof der Familie Murrmann in Fernreuth bei Hollfeld. Edwin Murrmann sagte damals im Kurier-Gespräch über Nutzung der Windkraft: „Wir sind keine Fantasten.“ Der inzwischen 73-Jährige saß in einem bequemen Sessel im Wohnzimmer. Das Fenster hinter ihm gab den Blick frei auf den sich flott drehenden Rotor. 20 Jahre später schossen die Windräder überall wie Pilze aus dem Boden. Doch damit ist jetzt wegen der 10H-Regel Schluss. In der Region werden keine Windkraftanlagen mehr errichtet.

Der Landwirt Edwin Murrmann sah die Chancen der Windkraft vor fast 30 Jahren völlig realistisch. Im Landkreis Bayreuth stehen inzwischen 49 Anlagen. Mehr wären möglich. Erstmals erzeugten die Wind-, Solar,- Wasserkraft- und Biogasanlagen im Landkreis mehr grünen Strom als verbraucht wurde, teilt das Landratsamt mit. „Der Landkreis liegt damit deutlich über dem bayerischen Durchschnitt und erreicht sein Klimaziel früher als geplant“, sagt der Klima-Manager Bernd Rothammel. In anderen Bereichen, wie bei den Verkehrsemissionen oder dem Gesamtenergieverbrauch, sei die Entwicklung aus Sicht des Klimaschutzes jedoch weniger positiv, teilt Rothammel mit.

Bayerischer Durchschnitt weit übertroffen

Wie er sagt, habe die Windenergie unter den regenerativen Energien im Jahr 2017 weiter zugelegt. Mit 55 Prozent nehme sie die Spitzenposition ein, gefolgt von Strom aus Photovoltaik- und Biomasseanlagen. Mit 107 Prozent ist der Anteil an Strom aus erneuerbaren Quellen am Stromverbrauch im Landkreis mehr als doppelt so hoch wie im bayerischen Durchschnitt mit 48 Prozent. Mittlerweile erzeugen bereits 13 von 33 Gemeinden im Landkreis Bayreuth mehr Strom aus erneuerbaren Energien als sie verbrauchen. Darunter finden sich neben Pegnitz, Speichersdorf, Eckersdorf, Gefrees, Heinersreuth und Creußen auch kleinere Gemeinden mit geringem Energieverbrauch, die aber über größere Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien verfügen. Spitzenreiter ist die Gemeinde Prebitz, welche mehr als das Vierfache des eigenen Stromverbrauchs erzeugt. Die Gemeinden am unteren Ende der Skala haben in der Regel weniger geeignete Flächen für die Erzeugung erneuerbarer Energie zur Verfügung, betont Rothammel ausdrücklich.

Pegnitz und Gefrees Spitzenreiter

Wenn man die absoluten Mengen an Strom aus erneuerbaren Energien betrachte, so sind 2017 die gemeindefreien Gebiete mit den Windparks sowie die Städte Pegnitz und Gefrees die Spitzenreiter. Insgesamt seien 2017 im Landkreis 425 Gigawattstunden Strom aus erneuerbaren Energien ins Stromnetz eingespeist worden. Das sind 27 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Damit könne bilanziell der Strombedarf von 118 000 Drei-Personen-Haushalten gedeckt werden, rechnet Rothammel vor. Dazu komme noch jener Anteil, der nicht ins Stromnetz eingespeist, sondern von den Erzeugern selbst genutzt wurde.