Eine Institution tritt ab 33 Jahre Bildung: Wolfgang Stahl hört auf

Abgang nach 33 Jahren: Wolfgang Stahl übergibt die Leitung der Katholischen Erwachsenenbildung an Anna Stößel. ⋌Foto: Andreas Harbach

BAYREUTH. Nach 33 Jahren verabschiedet sich eine Bayreuther Institution in den Ruhestand: Noch wenige Tage, dann hat Wolfgang Stahl sein Büro im Erdgeschoss des ehrwürdigen Gebäudes an der Schulstraße geräumt. Von dort hat der 65-jährige Diplom-Theologe mehr als drei Jahrzehnte die Katholische Erwachsenenbildung (KEB) – erst in Bayreuth, später auch in Hof und Kulmbach – geleitet. Oder besser: geprägt.

War es göttliche Fügung, war es Zufall? Dass der in einem kleinen Dorf in der Nähe von Regensburg aufgewachsene Stahl 1981 die Geschäftsführung der bis dahin ehrenamtlich geleiteten Erwachsenenbildung in Bayreuth übernimmt, war in seiner Lebensplanung erst mal nicht vorgesehen. Stahl hatte nämlich die Absicht, beruflich einen ganz anderen Weg einzuschlagen. Eine Richtung, die natürlich mit seinem katholischen Glauben zusammenhängt.

Auch dies ungewöhnlich, kommt er doch nach eigener Aussage aus einem liberalen Elternhaus. „In meiner Familie wurde der Glaube nicht anders wie in vielen anderen Familien gelebt: Wir haben am Sonntag den Gottesdienst besucht“, sagt Stahl. Bigott sei in seiner Familie niemand gewesen. Im Gegenteil: Sein Vater, der politisch eher der Sozialdemokratie nahestand, habe seinen drei Kindern versucht zu vermitteln, sich keiner Partei oder Organisation anzuschließen. „Das war wohl seine Erkenntnis aus den Erfahrungen, die er in den Jahren ab 1933 gemacht hat“, fährt Stahl fort.

Trotzdem entscheidet sich sein Sohn dafür, den Weg in Richtung Priesteramt einzuschlagen. „Ich bin wohl von einer romantischen Vorstellung ausgegangen“, begründet Stahl im Nachhinein seinen Eintritt in ein Kloster. Zwei Jahre lang bleibt er dort. Doch mit zunehmenden Zweifeln mit ihm klar: „Das ist nicht meins.“

Richtig tolle Priester

Stahl verlässt das Kloster, um in Eichstätt Katholische Theologie zu studieren. „Unter den Studienkollegen waren viele, die hätten richtig tolle Priester werden können“, sagt der Diplom-Theologe. Auch Stahl hätte bestimmt in dieser vom Aufbruch gekennzeichneten Nach-68-Phase einen guten Priester abgegeben. Doch die verknöcherten Strukturen in der katholischen Kirche ließen ihn hadern mit der Entscheidung, in den Dienst der Kirche einzutreten. Gänzlich vom Weg abgebracht hat ihn aber die Liebe zu seiner späteren Ehefrau. Hätte es das Zölibat nicht gegeben – Stahl wäre Priester geworden. Stattdessen hat er sich sich für die Ehe entschieden mit der angehenden Religionspädagogin. Sie ziehen nach Nürnberg, wo beide Religionsunterricht geben.

Zwei Stunden lang befragt

Dann kommt ihm seine Vergangenheit zu gute. Auf die ausgeschriebene Stelle des KEB-Geschäftsführers in Bayreuth hingewiesen, bewirbt sich Stahl um die Stelle und erhält sie. „Der in Bamberg zuständige Prälat hat mich in sein Privatanwesen in Ebermannstadt eingeladen und zwei Stunden lang befragt. Dass ich als junger Mann in meiner Heimat stark in der Jugendarbeit engagiert war, scheint ihn besonders beeindruckt zu haben.“ Stahl übernimmt als erster hauptamtlicher Geschäftsführer die Stelle in Bayreuth.

Eine Entscheidung, die er nie bereut hat. „Ich war immer mein eigener Herr, dem niemand reingeredet hat. Selbst meine Urlaubsanträge konnte ich mir selbst genehmigen“, sagt Stahl. Und was ihn noch mehr begeistert: „Ich konnte durch die Veranstaltungen viele interessante und bekannte Menschen kennenlernen.“ Wenn sich in den vielen Jahren seiner Tätigkeit etwas geändert hätte, dann sei es das Interesse an theologischer Erwachsenenbildung gewesen. „Früher war der Raum im Schlossturm bei diesen Veranstaltungen immer voll.“ Erst seine Hinwendung zu kulturellen und aktuellen Themen hätte die Zahl der Teilnehmer wieder erhöht.

In Bamberg Erfahrungen gesammelt

Gänzlich verabschieden wird sich Stahl von dem, was lange Jahre seine berufliche Erfüllung war, nicht. Er werde in den nächsten Monaten seiner Nachfolgerin Anna Stößel in ihrer Einarbeitungsphase mit seiner Erfahrung zur Seite stehen. Vorausgesetzt, die 27-Jährige, die nach dem Studium in Bamberg eben dort erste Erfahrungen in der Erwachsenenbildung sammelte, benötige seine Unterstützung.

Stahl freut sich auf die neue Lebensphase, in die er nun eintritt. Und die eine ganz neue Erfahrung bringen wird: Mit Beginn des nächsten Jahres wird ihn ein Hund begleiten.

 

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