Ein Ehepaar fühlt sich von musizierenden Kunden belästigt Nachbarn klagen wegen Musikhaus

Ein Ehepaar stört sich am Musikhaus Thomann in Treppendorf: Es sei zu laut dort - sowohl wegen der Musik als auch wegen des Verkehrs. Symbolbild: dpa Foto: red

Trompeten, Schlagzeuge, Gitarren. Ein Ehepaar aus Burgebrach hat die Musik, die täglich aus dem Musikhaus Thomann dringt, satt. Deswegen hat es den Freistaat verklagt, weil das Landratsamt für sämtliche Genehmigungen zuständig ist. Das Ehepaar beschwert sich über den Lärm der Instrumente und über den Verkehrslärm beim Musikhaus. In ihren Augen ist der kleine Ort Treppendorf nicht für den großen Handel geeignet.

Schallschutzfenster sollen die Nachbarn des Musikhauses Thomann in Treppendorf schützen. Vor Musik. Musik, die Lärm wird. Dann nämlich, wenn jeden Tag Kunden Instrumente ausprobieren. "Wenn die Fenster offen sind, ist das unzumutbar", sagt Veit Schell, der Anwalt des klagenden Ehepaares.

Jahrelanger Streit

Der Streit dauert bereits seit Jahren. Das klagende Ehepaar ist mittlerweile weggezogen und hat die Wohnungen in seinem Haus vermietet. "Die Mieter beschweren sich laufend über Lärm", sagt der Kläger. Im Jahr 2006 hat ein Vertreter des Bamberger Landratsamtes sich ein Bild von der Situation gemacht. "Der Lärm war zu vernachlässigen, solang die Fenster geschlossen waren", sagt der Ingenieur vor Gericht. Immer, wenn er beim Musikhaus gewesen sei, seien die Fenster zu gewesen. Der Beamte hatte die Kläger damals gebeten, ein Lärmprotokoll zu führen und aufzuschreiben, wann Musik bei offenem Fenster wahrnehmbar ist. Zwischen vier und 27 Minuten ab Tag sei das der Fall, steht im Lärmprotokoll.

Die Kläger behaupten: "Die Fenster stehen regelmäßig offen." Der Inhaber des Musikhauses Hans Thomann sagt: "Die Angestellten sind angewiesen, die Fenster geschlossen zu halten." Es gebe sogar Aufkleber an den Fenstern, die darauf hinweisen. Außerdem sagt der Inhaber des Musikhauses, dass der Lärm ohnehin weniger würde, weil immer mehr Kunden sich Instrumente schicken lassen, statt ins Geschäft zu kommen.

Auch die Werkstatt stört

Das Ehepaar klagt zusätzlich gegen die Baugenehmigung der neuen Werkstatt. Vor allem wegen des damit verbundenen Verkehrslärms. Maximal 15 Kunden nutzen den Service am Tag, sagt Inhaber Thomann. "Den Klägern geht es scheinbar auch darum, ob das Dorf zu einem großen Gewerbegebiet umkippt", sagt Richter Otto Schröppel. Diese Auffassung könne er aber nicht teilen. "Der Bebauungsplan sieht eine solche Bebauung vor", sagt der Richter.

Beim Musikhaus soll auch noch eine Kantine entstehen. Das klagende Ehepaar befürchtet, dass immer mehr Gebäude immer mehr Verkehr bedeuten. "Irgendwann kommt der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt", sagt Veit Schell, der Anwalt der Kläger. Ungeklärt ist die Frage, ob die Straße hin zum Betrieb als öffentliche Straße oder als Betriebsweg gilt. Davon hängt ab, wie laut es auf der Straße sein darf. Um diese Frage zu klären, muss ein neues Gutachten erstellt werden. Darauf haben die Beteiligten sich am Donnerstag geeinigt.

Inhaber: "Affentheater"

Das Gericht schlug vor, dass das Landratsamt und die Kläger den Rechtsstreit wegen des Musiklärms beenden. Der Kompromiss: Das Landratsamt prüft die Sache erneut. Damit landet diese Auseinandersetzung wieder in der Verwaltung statt vor Gericht. Trotzdem werden Kläger, Inhaber und Landratsamt sich wohl vor Gericht wieder sehen - das nächste Mal streiten sie um die neue Kantine und in diesem Zusammenhang auch nochmal über die Werkstatt, dann auf Grundlage des neuen Gutachtens. Hans Thomann ist sauer. "Dieses Affentheater mache ich nicht mehr lang mit. Wenn das so weiter geht, investiere ich keinen Cent mehr in Treppendorf und gehe mit meinem Geschäft anderswo hin."

 

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