E-Bike von Rehau Elektrisiert in einen boomenden Markt

Nuvelos-Chef Alexander Oelschlegel links und Rehau-Technologiechef Christian Fabian präsentieren eines der neuen E-Bikes des Konzerns. Foto: Andreas Harbach

BAYREUTH/ REHAU. Rund 20.000 Mitarbeiter hat der Kunststoff-Spezialist Rehau, gut 8000 davon in Deutschland. Acht davon bringen jetzt das erste Produkt auf den Markt, das der bislang vor allem als Entwicklungspartner und Zulieferer bekannte Familien-Konzern direkt an den Endverbraucher vertreibt. Unter dem Namen Nuvelos steigt das Unternehmen mit Partnern in Produktion und Verkauf von E-Bikes ein, und zwar mit einer in diesem Bereich bislang einzigartigen Technologie. Ein erster Flagship-Store, also eine Vorzeige-Filiale, wurde jetzt in Bayreuth eröffnet.

Am Anfang stand ein Förderprojekt des Bundes mit dem sperrigen Namen: „Tragrahmenstrukturen aus faserverstärkten Kunststoffen für ein- und mehrspurige Fahrzeuge.“ An dem ein Team von Rehau zusammen mit Materialwissenschaftlern der TU Dresden teilnahm. Jetzt, sechs Jahre später, ist daraus ein E-Bike mit einem sehr innovativen Ansatz geworden. Es ist das erste seiner Art mit einem im Spritzgussverfahren hergestellten Rahmen aus faserverstärktem Kunststoff, sagt Alexander Oelschlegel, der bei Nuvelos für die technische Seite verantwortlich ist.

Start-up innerhalb des Konzerns

Gegründet wurde quasi ein Start-up innerhalb des Konzerns, sagt Christian Fabian, Technologiechef des Gesamt-Konzerns. Es passe damit sehr gut in die Rehau-Strategie, noch innovativer zu werden und stets mindestens zehn Prozent des Umsatzes von deutlich über drei Milliarden Euro mit Produkten zu erwirtschaften, die jünger als drei Jahre sind.

Boomender Markt

Ob und wann die E-Bikes dazu einen nennenswerten Beitrag leisten können, muss sich erst noch zeigen. Klar ist: Rehau stößt in einen boomenden Markt vor. Laut Zweirad-Industrie-Verband wurden 2018 allein in Deutschland knapp eine Million neue E-Bikes verkauft – eine Steigerung von gut einem Drittel gegenüber dem Vorjahr. Da sollte es für Nuvelos doch möglich sein, mittelfristig fünfstellige Verkaufszahlen zu erreichen. Denn die sind nötig, weil sich das Spritzgussverfahren erst bei solchen Stückzahlen lohnt, so Oelschlegel.

Rahmen aus zwei Kunstsoff-Halbschalen

Momentan werden die Rahmen, die aus zwei Halbschalen bestehen, noch bei einem Partner im Altmühltal gespritzt, der auch das Spritzwerkzeug hergestellt hat. Zusammengeklebt werden die beiden Hälften dann am Rehau-Standort Feuchtwangen. Die Endmontage vor allem mit Komponenten sowie E-Motoren des bekannten japanischen Herstellers Shimano übernimmt die Sachsenring Bike Manufaktur in Sangerhausen im Harz, der Nachfolger der Mitteldeutschen Fahrradwerke.

Sollten sich die Verkaufszahlen wie geplant entwickeln, sei später auch denkbar, die Produktion komplett an einem Rehau-Standort zu konzentrieren, sagen Fabian und Oelschlegel.

Design polarisiert

Sie gehen davon aus, dass das Design des Rades kaufentscheidend sein wird. Obwohl: „Es polarisiert. Entweder, es gefällt einem oder nicht“, sagt Oelschlegel. Jedenfalls ist der massive Rahmen mit seinem asymmetrischen Hinterbau ungewöhnlich. Aber mindestens genauso stabil wie ein hochwertiger Alu-Rahmen, betont Oelschlegel. Das sei von Anfang das Entwicklungsziel gewesen. Die Räder, 22 bis 26 Kilo schwer, seien für ein Gesamtgewicht inklusive Fahrer von bis zu 150 Kilo zugelassen.

Ab 3000 Euro

Mit diesem einen Rahmen bietet Nuvelos das E-Bike in mehreren Varianten an. Als eher für die Stadt geeignetes Rad ebenso wie als Touren- und Trekkingrad, jeweils in zwei Größen und mehreren möglichen Ausstattungsniveaus, mit Ketten- oder automatischer Nabenschaltung und der Wahl unter zwei unterschiedlich starken Motoren. Der in den Rahmen integrierte Akku reicht für bis zu 100 Kilometer. Los geht’s bei knapp 3000 Euro, Schluss ist momentan bei rund 4800 Euro.

Kein Massenprodukt

Der Verkauf soll über das Internet, aber auch über stationäre Händler laufen, zunächst mit Schwerpunkt Süddeutschland. Neben dem kleinen Flagship-Store in der Kanalstraße sind erste Shop-in-Shop-Lösungen unter dem Dach von E-Bike-Spezialhändlern schon umgesetzt. Bei großen Händlern wie etwa der Zweirad-Einkaufs-Gesellschaft (ZEG) werde man die Räder dagegen nicht finden. „Dort wären wir ja nur einer von Vielen. Wir setzen schon auf Exklusivität“, sagt Oelschlegel und kündigt an, dass in einem nächsten Schritt die Entwicklung eines Mountainbikes angedacht sei.

 

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