Die Muskelmacher Start-up bringt Sportlernahrung nach Maß

Zwei selbstbewusste Männer: Benjamin Brandl (rechts) und René Seppeur. Foto: red

NÜRNBERG/BAYREUTH/HASSFURT. Benjamin Brandl und René Seppeur wollen die Fitness-Branche revolutionieren - und zwar mit einem Shake. Aber wie soll das funktionieren? Das Duo hat große Pläne.  

Ein Mann. Eine Küche. Und viel, viel Arbeit. Was sich nach einem verzweifelten Kochversuch eines Laien anhört, ist in Wirklichkeit etwas ganz anderes. Benjamin Brandl will nichts kochen. Er ist auch nicht verzweifelt. Er war nur ein bisschen genervt. Genervt, weil ihm als Fitness-Liebhaber das Leben lange Zeit so schwer gemacht wurde.

Brandl geht regelmäßig trainieren – fast jeden Tag. Für ihn besteht eine Trainingseinheit aber nicht nur aus Gewichten und einem Laufband. Nein, das Drumherum ist für Brandl ebenso wichtig. Hier kommt der gebürtige Haßfurter auf Fitness-Shakes zu sprechen. Die stellt er nun selbst her. Warum? „Ich habe für mich nie die perfekte Sportnahrung gefunden. Entweder war ich mit den Inhaltsstoffen nicht zufrieden oder das Produkt hat nicht zu meinen Bedürfnissen gepasst.“ Aus diesem Grund kaufte sich Brandl eines Tages Rohstoffe, stellte sich in die Küche und experimentierte drauf los. 

Hilfe aus Bayreuth

Heute ist er ein Fachmann. Wilde Mischereien gibt es in seiner Küche jetzt nicht mehr. Brandl macht gerade Schlagzeilen – mit seinem Start-up. Nach eigener Aussage ist der Franke weltweit der Erste, der für jedermann einen individuellen Muskelaufbau-Shake zusammenstellt. Brandl Nutrition (deutsch: Ernährung) nennt er seine junge Firma. Seit ein paar Wochen ist sie auf dem Markt, ihr Sitz ist in Nürnberg.

Für Dick und Dünn, für Groß und Klein, für Fitness-Freak und Hobby-Sportler – so lautet das Motto. Brandl ist dabei nicht allein. Er hat Hilfe aus Oberfranken. Der Bayreuther René Seppeur ist Mitgründer und Co-Geschäftsführer von Brandl Nutrition.

Warum das Duo im Bereich der Sportnahrung ein heißes Betätigungsfeld sieht? „Menschen wollen länger und gesünder leben. Sport hilft ihnen dabei, sich gut zu fühlen“, sagt Brandl, der mit seiner Firma vor allem die Leute ansprechen will, die einen definierteren Körper formen wollen. „Die meisten Leute trainieren zwar, schöpfen ihr natürliches Potenzial aber nicht voll aus. Das wollen wir ändern.“

Und all das soll ganz einfach funktionieren. Brandl und Seppeur haben einen Fragebogen entwickelt. Vorname, Geschlecht, Gewicht, Dauer des Trainings, Häufigkeit des Trainings, Veganer oder Allesesser – solche Dinge wollen die Gründer von Brandl Nutrition vom Kunden wissen. Zehn Fragen später ist der individuelle Fitness-Shake für den Muskelaufbau bestellbar. Das Ganze soll gerade einmal 60 Sekunden dauern. Auf Einfachheit und Transparenz kommt es dabei an.

Fragen mit wissenschaftlichem Hintergrund

Ein Selbstversuch zeigt: Tatsächlich dauert die Bearbeitung des Fragebogens gerade mal eine Minute. Das Ergebnis ist dann umso ausführlicher – und das hat einen Grund: Brandl und Seppeur mischen nicht einfach wild drauflos, sie bauen auf Hunderte von Studien als Basis für die Auswertung der Fragebögen. „Jede Frage hat einen wissenschaftlichen Hintergrund, daher ist auch jede Frage relevant“, betont Brandl, der ehemals als Geschäftsführer für einen Hersteller von Nahrungsergänzungmitteln gearbeitet hat.  

Wie viel Kreatin braucht mein Körper nach dem Training? Wie viel Magnesium? Braucht er vielleicht Ananas-Enzym? Brandl Nutrition arbeitet mit zirka 50 Inhaltsstoffen, mit Superfoods, Probiotika, Gewürzen, natürlichen Aromen.

Aber: Beileibe nicht alle Stoffe werden von jedem Athleten gebraucht. Und: Nicht jeder Körper braucht gleich viel. An dieser Stelle erkennt Brandl den größten Vorteil seines Unternehmens: „Bei den anderen werden immer pauschale Verzehrempfehlungen angegeben, da wird nicht auf den Einzelnen geschaut. Da werden Mittelwerte gesucht, die am Ende für niemanden optimal sind.“

Nun ist Brandl im Rennen. Er glaubt an seine Idee – was er direkt untermauert: „Ich habe kein anderes Einkommen. Dieses Baby muss möglichst schnell wachsen.“ Er und Seppeur haben vier Kapitalgeber im Rücken, derzeit verbringt das Geschäftsführer-Duo praktisch den ganzen Tag im Büro. Da wartet Arbeit, Arbeit, Arbeit. Schließlich stehen die beiden mit dem Start-up noch am Anfang. Nur auf ihre tägliche Trainingseinheit wollen sie nicht verzichten. Meistens geht es spätabends noch für ein Stündchen ins Fitness-Center. „Wir arbeiten entweder an unserem Start-up oder an unserem Körper. Etwas anderes gibt es nicht“, betont Brandl ein wenig überspitzt. Er grinst.

Schnell wird es wieder ernst. Ein unbedingtes Ziel haben die Gründer von Brandl Nutrition nämlich. „Wir wollen in Deutschland der Hauptanbieter für individuelle Fitness-Shakes werden“, sagt Seppeur. Das klingt schon sehr ehrgeizig. Doch der Bayreuther schiebt sogar noch einen Satz hinterher: „Erst einmal kümmern wir uns nur um den Bereich Muskelaufbau, im nächsten Jahr sollen auch noch die Bereiche Ausdauer und Abnehmen dazukommen.“ In einer Finanzierungsrunde wollen die Brandl-Gründer außerdem zusätzliches Kapital generieren. „Wir müssen in diesem Markt schnell wachsen – sonst wird es nichts“, sagt Seppeur. 

Immenser Arbeitsaufwand

Es sind große Pläne. Pläne, die wohldurchdacht sind. „Wir erleben einen Fitness-Boom“, sagt Seppeur. Als Trend will er das nicht mehr bezeichnen. „Für mich ist das etwas, was über mehrere Jahrzehnte andauern wird.“ Insofern sieht der 28-Jährige durchaus ein lukratives Geschäft. Und deshalb geht es für die Verantwortlichen von Brandl Nutrition jetzt umso mehr darum, die Bekanntheit der Marke zu steigern. Das geschieht einerseits online. Andererseits wollen Brandl und Seppeur aber auch in den Fitnessstudios präsent sein – etwa durch einen Automaten, mit dem man sich seinen individuellen Shake konfigurieren kann. 

Qualitative Inhaltsstoffe, individuell gemischt, wissenschaftlich fundiert – diese Dinge hören sich erst einmal gut an. Sie bedeuten aber auch eines: einen immensen Arbeitsaufwand. Da sollte jemand sein, der die Shakes mischt. Und da sollte auch jemand sein, der aktuelle Studien mitverfolgt. Das Mischen übernimmt eine Firma, die in Bayern ansässig ist und mit dem Herstellen von Fitness-Shakes nach Aussage von Brandl „jahrzehntelange Erfahrung besitzt“. Was die Studien angeht, halten Brandl und Seppeur selbst Augen und Ohren offen. „Man muss sehr wachsam sein“, sagt Brandl.

Der 36-Jährige verkörpert gesunden Lifestyle. Er liebt Smoothies, Fleisch kauft er dagegen schon seit einem Jahr nicht mehr. Benjamin Brandl ist nicht nur Fitness-Freak, er ist auch Food-Freak. Seinen Körper betrachtet er als eine Art heiligen Tempel. Ob sich der Haßfurter auch mal etwas gönnt? „Ja, das muss man“, sagt er. Diszipliniert ist er zweifellos. Bei der Ernährung beweist er das schon – nun gilt es, das „Baby“ Brandl Nutrition auf Kurs zu bringen.

 

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