Der Stellplatz am Schwedensteg in Kulmbach ist in den Pfingstferien eine beliebte Anlaufstelle für Urlauber Wohnmobilisten ticken anders als Camper

Der Campingplatz an der Kieswäsch, der immer mal wieder auf der politischen Bühne auftaucht, wird derzeit nicht weiterverfolgt. Dafür boomt der Wohnmobilstellplatz am Schwedensteg. Mitten in der Stadt Kulmbach.

Gekonnt bugsiert Dietrich Kahlich (74) das riesige Frankia-Wohnmobil rückwärts in die freie Parklücke auf dem Wohnmobilstellplatz am Schwedensteg. Er parkt es so, dass er freien Blick zur Plassenburg hat. „Das Wohnmobil ist nicht unser eigenes, bei unserem werden zur Zeit Teile ausgetauscht. Aber unseres ist ganz ähnlich“, sagt Dietrich Kahlich und wird so lange in Kulmbach bleiben bis das eigene Wohmobil wieder pico-bello ist. Sonst haben sie ihren Mini Cooper auf dem Anhänger dabei, diesmal sind es zwei Elektrofahrräder.

Als Camper fühlen sie sich nicht. "Ein Campingplatz wäre nicht unsere Welt. Wir finden den Stellplatz hier gut, weil er mitten in der Stadt ist“, sagt Kahlich. Und seine Frau sieht die Lage genauso. „Wir sind von Kulmbach angenehm überrascht, nur eines ist schwach: Es gibt keine richtige Fußgängerzone“, findet das Ehepaar. Die Kahlichs mögen es bei ihren Wohnmobilreisen gerne ein bisschen luxuriös. Deswegen zapfen sie auch Strom – für die Klimaanlage. Und die sorgt auch bei den brütendsten Temperaturen für angenehmes Klima im Inneren ihres mit hellem Leder ausgestatteten Luxusgefährtes. Stil muss ein.

Angelika (59) und Klaus (65) Pape kommen aus Sylt und entfliehen jeden Sommer dem Touristenansturm. Auch sie würden nie auf einen Campingplatz longieren. „Wir sind lieber mobil. Wir sind keine Camper“, sagt Angelika Pape, die eigentlich Astrologin ist. Sie hat sich das Wohnmobil mit Tiffanylampe und indischen Gottheiten eingerichtet. Wasser, Entsorgungseinrichtungen und Strom – alles ist vorhanden, das ist das wichtigste für die Sylterin im Wohnmobilurlaub. Ihr Mann Klaus macht unterdessen die Wäsche. Er kennt eine Reinigung in Kulmbach, wo man selbst waschen kann. Gewaschen, frisch duftend und sogar gemangt, bringt er die Bettwäsche wieder mit ins Wohnmobil.

Auch für den Nachbarwohnwagen - mit Kirchhainer Kennzeichen (das liegt bei Marburg) käme nie ein Stellplatz außerhalb der Stadt in Frage. „Wir wollen einen Platz mitten in der Stadt. Wir wollen alles zu Fuß erreichen können“, sagt Renate Mengel (73). In Kulmbach hat das Ehepaar Rainer und Renate Mengel gemeinsam mit Husky Akida schon die Plassenburg gesehen. „Wir waren auch in Lichtenfels auf einem Campingplatz, aber was soll das, die Stellplätze sind praktisch und preiswert“, findet Rainer Mengel.

Tatsächlich scheint die Idee, an der Kieswäsch in Kulmbach einen Campingplatz einzurichten, die immer mal wieder politisch aufs Tablett gehoben wird, in Kulmbach längst vom Tisch. Derzeit wird solch ein Vorhaben nicht weiter verfolgt, teilt die Pressesprecherin der Stadt Kulmbach Andrea Mandl auf Nachfrage mit. „Das Gebiet liegt im Überschwemmungsgebiet. Man müsste viel Infrastruktur schaffen, bräuchte sanitäre Anlagen und so“, erklärt Pressesprecherin Andrea Mandl im Namen von Oberbürgermeister Henry Schramm. Stattdessen ist die Stadt Kulmbach froh, dass der Wohnmobilstellplatz am Schwedensteg so gut angenommen wird. Die genauen Zahlen der Wohnmobile, die dort stehen, wird nicht registriert. Doch die Verbräuche steigen von Jahr zu Jahr.

 

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