Corona-Demos in Bayreuth Zwei Welten treffen aufeinander

In Bayreuth haben am Montagabend wieder viele Kritiker der Corona-Politik für Frieden, Dialog und gegen die Impfpflicht demonstriert. Laut Polizei waren es 1500 Menschen, wieder mehr als montags zuvor. Im Ehrenhof gab es erstmals eine Gegendemo mit 150 Leuten – sie stand unter dem Motto: „Querdenken ist Quatsch – Fakten statt Verschwörungsmythen.“

Bayreuth - Die Anti-Corona-Proteste werden seit Monaten von einem losen Zusammenschluss von Skeptikern organisiert – sich und ihre stetig mehr werdenden Zuhörer nennen sie: „Bayreuth steht auf.“ Als Anmelder der Demos tritt Martin Freudenberg auf. 80 Ordner habe er für diese Montagsdemo eingeteilt. Mitstreiter wie Julian, der als Moderator auftritt, beschwören die Menge: Keine Gewalt, keine Provokationen gegenüber den Gegendemonstranten am Ehrenhof. Sowohl Freudenberg als auch Julian betonen: Mit Nazis vom Dritten Weg habe man nichts am Hut, man wolle Dialog und auch andere wissenschaftliche Meinungen in den Diskurs über Corona einbringen. Die 1500 Kritiker zogen vom Opernplatz durch die Stadt und kurz vor 20 Uhr an den Gegendemonstranten vorbei.

René Liebermann, Kreissprecher der Linken und Organisator der Gegendemonstration, war zufrieden. „Es ist wichtig, dass endlich auch die Mehrheit zu Wort kommt, auch wenn wir heute Abend in der Minderheit sind“, sagte er.

„Keine Abgrenzung“

Es gab Wortbeiträge von Aila Banach und Bastian Raithel von den Grünen; Linken-Bundestagskandidat Sven Schröder las einen Text des Weidener Chirurgen und Impfarztes Josef Meyer vor; Sebastian Lützow vom Orga-Team und stellvertretender Verdi-Bezirksgeschäftsführer Paul Lehmann kamen zu Wort. Immer wieder hieß es, dass sich die sogenannten „Spaziergänger“ weder gegen rechts noch gegen Verschwörungstheoretiker abgrenzen.

Unter den Teilnehmern der Gegendemo waren Antifa-Anhänger, die das auch lautstark kundtaten. Aber auch viele normale Bürger wie Ilona und Justus Schönemann, denen die „Corona-Kasperl auf die Nerven gehen“. Bernd Herzig und seine Frau hatten Plakate mit der Aufschrift „Impfgegner sind Staatsfeinde“ dabei, „weil das Verhalten der Impfgegner und Coronaleugner Staat und Gesellschaft Milliarden kostet.“ An eindringlichsten war der Beitrag von Sabine. Ihr Vater sei an Corona gestorben, dennoch leugneten ihre Brüder die Krankheit. Trotzdem wolle sie mit „den anderen“ ins Gespräch kommen.

Gegenseitige Sprechchöre

Beim Vorbeimarsch gab es Sprechchöre. Dem „Friede, Freiheit, keine Diktatur“ der Marschierer schallte vom Ehrenhof „Nazis raus“ und „Wir schützen euch alle“ entgegen.

Der Einsatzleiter der Polizei, Benjamin Böhm, sagte, das Konzept, die Demonstrationen zu trennen, sei aufgegangen. Offen rechte Teilnehmer an der Kritiker-Demo habe man nicht gesichtet. Böhm lobte die Versammlungsleiter, beide Seiten seien sehr kooperativ gewesen. Dementsprechend blieb es friedlich.

Auch in Waischenfeld fand erneut ein sogenannter Spaziergang statt. Gut 40 Teilnehmer standen rund um das Rathaus II am Nausea-Platz und hatten auch wieder Grablichter auf dem Podest zur Wiesent abgestellt.

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