Mechthild Habiger, Freundin und langjährige Sammlerin: "Seit 25 Jahren kenne ich Claus Tittmann und schätze ihn sehr.  Er hat einen unglaublichen Werdegang hinter sich: Von der Gebrauchskeramik über Gefäße und Figuren hin zur Plastik. Diese Vielfalt der Formen und Techniken zeichnet ihn aus. Im Holzbrand wie aus Feuer geboren, schöne, natürliche Materialien und unerschöpflich vielseitige Glasuren begeistern mich. Es gibt immer wieder neue, kreative Verwandlungen wie die Bronzeplastiken. Seine Themen sind zum Beispiel Mensch und Tier, Literatur und Mythologie, womit er Bezüge zur Geistesgeschichte des Menschen herstellt. Er schafft eine Verbindung zur kollektiven, kulturellen Vergangenheit von uns allen und das ist für mich ein Merkmal eines großen Künstlers. Seine Arbeiten sind modern und emotional, Tittmann entwickelt sich eigenständig und bleibt sich trotzdem treu, er besitzt eine geistige Inspiriertheit und lebendige Kreativtät. In Rödental sind wirklich einige Spitzenstücke von ihm zu sehen. Obwohl es sicherlich schwer fiel, eine Auswahl zu treffen, sind sehr gelunge Stücke darunter."

Hella Soldan, Ideengeberin für den Jean-Paul-Kopf: "Ich hatte den Einfall, als die Rollwenzelei umgebaut wurde, dort eine Jean Paul Büste für seine Leser aufstellen zu lassen. Mit Claus Tittmann habe ich mich lange über die Erzähltechniken Jean Pauls unterhalten und er begann selbst, ganz viel von ihm zu lesen. Ich wusste, dass er einer war, der das wirklich stringent durchhalten würde und so war es dann auch. Der Jean Paul Kopf war so gebaut, dass er aufklappbar war und man darin lesen konnte. Das beweist, dass Claus Tittmann auch ein literarisch-sensibler Mensch ist. Er beschäftigte sich längere Zeit mit dem Thema Jean Paul, wobei einige Reliefs zu literarischen Motiven entstanden. Eine weitere Büste steht jetzt in einem Hofer Gymnasium, ehemalige Schüler sammelten Geld für den Ankauf. Als ich selbst noch Lehrerin war, hat mir Claus Tittmann bei einer Theateraufführunge geholfen. Das Stück hieß die platonische Kuh - er hat uns dafür eine Kuh auf einer Stele gebaut."

Brief an die Galeristin Marina Grützmacher in Frankfurt am Main, Ur-Ur-Enkelin von Carl Maria von Weber: "Als Motivation steht am Anfang der Einfall, die Erfindung und Realisierung einer Figur im Dialog mit dem Material. Formale Ansätze für den Arbeitsprozess – und das ist immer die Suche nach der gemäßen Form – können spontan und irrational sein. Daraus resultieren Frische und Lebendigkeit des Werks. Die freie (nicht naturalistische) Formulierung einer Arbeit sollte immer mit der freien Handhabung der gewählten Mittel übereinstimmen. Das Konstruktive des Aufbauens mit den verwendeten Tonplatten wird mit dem Organischen des Zugriffs verbunden.

Noch eine Anmerkung zur Oberfläche der Plastik: Sie entsteht beim Arbeitsprozess von selbst und ist eine Hinterlassenschaft der künstlerischen Verhaltensweise. Dies sehe ich bereits in den alten Kulturen des Mittelmeerraumes (Zypern, Kykladen, Etrusker), aber auch bei den Chinesen (Tang) und in Alt-Mexiko in hervorragenden Weise verwirklicht. Jede separate Oberflächenbehandlung aus Effekthascherei, ohne dass damit eine formale Absicht verbunden wäre, ist spürbar.

Und nun noch etwas zum Schluss, worüber wir wohl einer Meinung sind: Das sich selbst genügende Kunstwerk bedarf keiner Erklärung. Es ist, was es ist und nicht, was es zu sein vorgibt."

Info: Europäisches Museum für Modernes Glas, Rödental, Telefon 09563/1606. Zur regionalen Museumsnacht am 7. Mai wird Claus Tittmann um 20 und 21 Uhr selbst durch die Sonderausstellung führen. Dauer bis 18. September. Vom 4. bis 26. Juni zeigt das Keramikmuseum Berlin ebenfalls eine Ausstellung zu Ehren Claus Tittmanns.