Chasing Lines - Kletterfotos anderer Art

André Verhülsdonk ist von Beruf Fotograf – und er ist leidenschaftlicher Kletterer. Für sein Hobby ist er vor zweieinhalb Jahren aus Nordrhein-Westfalen zuerst nach Bayreuth gezogen, dann nach Obernsees. „Ich habe nie darüber nachgedacht, Kletterfotos zu machen“, sagt der 32-Jährige. Erst gegen Ende seines Fotografie-Studiums hat er damit angefangen. Seine Ausstellung "Chasing Lines", die er ab dem 7. April in der Baensch-Galerie zeigt, bilden Kletterer im Einklang mit einer mystisch inszenierten Natur ab.

Manchmal ist nur die Silhouette eines Kletterers zu erkennen. Oder der Athlet hängt in weiter Entfernung von der Kamera am Felsen, sodass man ihn kaum wahrnimmt in der künstlich und künstlerisch ausgeleuchteten Umgebung farbig schimmernder Felsen. Nur selten geht André Verhülsdonk näher aber nie ganz nah ran an seine Protagonisten. Selten erkennt man Details der drahtig angespannten Körper, die sich mit unmenschlich anmutender Kraft am Fels halten.

Werke von der Natur aus gedacht

„Ich fand Kletterfotos immer langweilig“, sagt Verhülsdonk. Es gehe fast immer darum, eine Leistung zu dokumentieren. „Mich persönlich interessiert das nicht wirklich.“ Diese andere Herangehensweise sieht man seinen Fotografien an. Es sind nicht die gewohnt spektakulären Perspektiven, die Menschen in schwindelerregenden Höhen und kraftvollen Posen zeigen. Verhülsdonk denkt seine Werke nicht vom Kletterer aus, sondern von der Natur, die den Sportler umgibt. Der 32-Jährige zeigt Felsen, die der Kletterer nicht zu bezwingen versucht, sondern mit denen dieser eins wird.

André Verhülsdonk nennt seine Ausstellung „Chasing Lines“. Sinngemäß heißt das, eine Linie oder Route am Fels verfolgen. Jeder Kletterer kenne das, wenn man den Fels nicht mehr als großen Steinbrocken wahrnehme, sondern als ein Geflecht aus Linien und Routen, denen man hinterher steigt und in denen man Wege sucht. „Ich mache aus diesen Linien eine Bühne“, sagt der Fotograf.

Keine Schnappschüsse, sondern detailliert inszeniert

Verhülsdonk erzählt von Kletterern, die für eine einzige Route, die sie unbedingt knacken wollen, alles aufgeben. Die ihr Leben danach ausrichten, dieses eine Projekt zu schaffen. „Mich interessiert, was eine eigentlich so belanglose Struktur im Fels mit einem Menschen macht“, sagt er. Und dabei inszeniert er weniger den Kletterer als vielmehr die Natur als Bühne für ein Theaterstück.

Die Bilder sind keine Schnappschüsse, sondern inszeniert. Aber nichts ist nachträglich manipuliert. Der Wahl-Obernseeser arbeitet ausschließlich mit fotografischen Techniken und einer Beleuchtung, die Felsen, Bäume, Sträucher, Wiesen und Schnee in ein geheimnisvolles, manchmal surreales Licht tauchen. Die Kletterer, die er ablichtet, sind teils Profis, teils introvertierte Individualisten, die sich am liebsten kaum bekannte Felsen suchen, um ihrer Leidenschaft in völliger Abgeschiedenheit nachzugehen. Und in dieser Abgeschiedenheit bewegen sich auch die Fotografien.

Eine Ausstellung, die nicht nur Kletterer ansprechen wird

Die Werke der Ausstellung sind an Kletterfelsen in der Fränkischen Schweiz entstanden. Einige Aufnahmen hat Verhülsdonk auch auf Gran Canaria, auf dem spanischen Festland und in den Alpen gemacht. Anfangs habe er die Kletterer in ihren eigenen Projekten fotografiert. „Dann habe ich das Ganze mehr und mehr inszeniert und die Linien ausgesucht“, sagt er.

So entstand „Chasing Lines“, eine Ausstellung, die nicht nur Kletterer ansprechen wird. Zuerst die Natur, deren Ursprünglichkeit durch die Inszenierung mehr unterstrichen als überdeckt wird, dann der Mensch – diese Reihenfolge zieht sich durch die Fotografien.


Info: Die Ausstellung „Chasing Lines“ ist bis zum 16. Juni in der Baensch-Galerie in der Imhofstraße 6 in Bayreuth zu sehen. Parallel sind die Bilder in einem Sammelband erschienen. Die Vernissage findet am 7. April um 15 Uhr statt. Die Öffnungszeiten der Ausstellung sind dann jeweils Donnerstag von 18 bis 20 Uhr und Samstag von 11 bis 15 Uhr. Weitere Termine für einen Fotoworkshop, ein Seminar für Kletterer und eine Veranstaltung für Kinder gibt es im Internet unter www.baensch-studio.de.

 

 

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