Zwei Jahre lang dürfen sich die Familie Alca und Öztürk Özdemir nicht besuchen. Das steht so in einem deutschen Gesetz. Damit es nicht zu emotionalen Verwicklungen kommt. Und auch, damit nicht plötzlich Geld ins Spiel kommt. Manchmal brauchen Patienten wie Eren noch eine zweite Spende. Knochenmarkblut soll nicht zur Handelsware werden.
"Gleiches Blut zieht sich an."
Zwei Jahre lang warten die Alcas darauf, den Mann kennenzulernen, der ihren Sohn gerettet hat. Und sie können längst wieder scherzen: „Eren war nach der Klinik so fit, so aufgeweckt. Ich war mir sicher: Der Spender ist ein Marathonläufer“, lacht Adem Alca. Ist er nicht, wohl aber ein gestandener Mann. Der eigentlich nicht so gerne über Gefühle spricht, aber eben doch nicht drum herumkommt.
Als er in diesen Tagen in Bayreuth ankommt, als er der Einladung der Alcas folgt und Éren zum allerersten Mal sieht, hat Öztürk Özdemir sofort einen Draht zu dem Jungen: „Ich sehe mich in ihm.“ Özdemir hat selbst einen kleinen Sohn. „Ich kann das so gut nachempfinden. Wenn mein Sohn krank ist, leide ich selbst ein wenig.“ Wie müssen sich Zeynep und Adem Alca in aller Zeit gefühlt haben? In der Türkei gibt es ein Sprichwort: Gleiches Blut zieht sich an. „Und das stimmt“, sagt Adem Alca. „Es ist, als würden wir uns schon ewig kennen.“ Jetzt gehört Öztürk Özdemir zur Familie. Man wird sich wiedersehen.
Für die Alcas ist die Geschichte noch lange nicht zu Ende, auch wenn ihr Sohn gesund ist, in den Kindergarten geht und all das tut, was Vierjährige tun. Sie wissen, wie wichtig es ist, dass sich noch mehr Menschen in die Deutsche Knochenmarkspendedatei aufnehmen lassen. Vor allem noch mehr Menschen, die selbst oder deren Familien aus dem Mittelmeerraum kommen. Denn bei ihnen ist die Wahrscheinlichkeit viel höher, dass sie Spender für Kinder sein können, die an der Mittelmeerkrankheit leiden. Für Kinder wie den kleinen Eren.
Info: Wer sich als Spender registrieren lassen will, findet weitere Informationen auf der Homepage der Deutschen Knochenmarkspendedatei.