Bezirkstagspräsident Denzler spricht von "Illoyalität" Streit um Pflege am BKH

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Die Pflege im Bezirkskrankenhaus soll schlechter geworden sein, seit das Krankenhaus zusammen mit den Kliniken in Rehau, Hochstadt und Obermain als Kommunalunternehmen geführt wird. Das behauptet der Gesamtpersonalrat des Unternehmens. Der Bezirkstagspräsident Günther Denzler widerspricht massiv. Unser Foto zeigt Krankenschwester Lisa Bergmann auf der Psychatrisch-Neurologischen Intensivstation. Foto: Wittek Foto: red

Nach Meinung des Gesamtpersonalrats des oberfränkischen Kommunalunternehmens Kliniken und Heime, steht es schlecht um die Pflege im Bezirkskrankenhaus Bayreuth (BKH). Grund soll eine Richtlinie sein, nach der die Beschäftigten seit 2005 außertariflich bezahlt werden. Seitdem liefen dem Bezirkskrankenhaus die Pflegekräfte weg.

Auf einen offenen Brief aus dem Jahr 2011, der allen Fraktionen des Bezirkstages zugegangen sein soll, habe es nur wenig Ressonanz gegeben. Der Vorsitzende des Verwaltungsrats und Bezirkstagspräsident, Günther Denzler, soll das Schreiben bagatellisiert, der Forchheimer Landrat und Bezirksrat Reinhardt Glauber sogar als Unverschämtheit abgetan haben, lauten die Vorwürfe.

Zwei-Klassen-Gesellschaft

"Die Bezirksräte lassen uns im Stich, vor allem der Präsident", klagt BKH-Personalrat und Kreisvorstand der Arbeiterwohlfahrt, Jürgen Masel. Seit 2005 gebe es im Bezirkskrankenhaus und den Bezirkskliniken Rehau, Obermain und Hochstadt, die zum Kommunalunternehmen zusammengeschlossen sind, eine Zwei-Klassen-Gesellschaft.

Während rund 540, meist ältere Kollegen, noch nach dem Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst (TVÖD) bezahlt würden, gibt es für 450, seit 2005 Eingestellte, deutlich weniger Geld. Der Personalrat spricht von durchschnittlich 120 Euro weniger, einer 40- statt 38,5-Stunden-Woche und geringeren Sonderzahlungen.

Für Pfleger immer unattraktiver

Aufgrund der schlechteren Bezahlung sei der Job aber für immer weniger Pfleger attraktiv. Derzeit seien rund 30 Pflegestellen im BKH unbesetzt. Ausbildungsplätze könnten nur noch schwer mit geeigneten Kandidaten besetzt werden. Oft blieben am Ende des Bewerbungsverfahrens von anfänglich mehreren hundert Interessenten nur eine Hand voll übrig, die die schlechtere Bezahlung wegen des guten Rufes der Psychiatrie in Kauf nähmen.

Daher sei man bereits vor zwei Jahren mit einem offenen Brief an alle Fraktionen des Bezirkstages herangetreten. Reaktionen habe es aber kaum gegeben. Der Bezirksrat und Forchheimer Landrat Reinhardt Glauber habe sich daraufhin sogar beim Gesamtpersonalrat beschwert und darum gebeten, ihn künftig von derlei Briefen zu verschonen. Glauber wollte sich gestern zu den Vorwürfen nicht äußern, ließ aber ausrichten, er sei schließlich nicht Mitglied des Sozialausschusses.

Denzler: "Pflegesituation hat sich nicht verschlechtert"

Der Bezirkstagspräsident und Bamberger Landrat, Günther Denzler, dagegen widerspricht der Darstellung des Personalrats massiv: Dass der Austritt aus dem Tarifgefüge die Pflegesituation verschlechtert habe, könne er nicht bestätigen. "Mir ist nicht bekannt, dass es am BKH ein Problem im medizinischen Bereich gibt." Und auch in allen anderen Vorwürfen, die der Gesamtpersonalrat erhebt, wehrt sich der Präsident. Offene Stellen gebe es nicht.

Im Gegenteil: Im vergangenen Jahr habe man 50 neue Pflegekräfte eingestellt. In jüngerer Vergangenheit habe es zudem keinerlei Terminanfragen gegeben. Und dass der offene Brief vom Januar 2011 unbeachtet geblieben sei, entspreche ebenfalls nicht der Wahrheit. Das Anliegen sei sowohl in den Gremien des Bezirkstages, in den Fraktionen wie auch im Aufsichtsrat des Unternehmens diskutiert worden. Man sei aber zu der Erkenntnis gelangt, dass man nicht zur Tarifbindung zurückkehren wolle. Das Verhalten des Gesamtpersonalrats bezeichnet Denzler als "Illoyalität".


Einen ausführlichen Bericht lesen Sie in der Samstagsausgabe (16. Februar) des Nordbayerischen Kurier.

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