Benefiz-Turnier Fußballplatz sicherer Ort vor dem Krieg

Das Fußball-Benefizturnier der Frauen zur Integration aus der Ukraine Geflüchteter war eine runde Sache. Auch weil die ukrainische Erstliga-Mannschaft des WFC Ladomyr am Samstag aus ihrem Trainingslager in Bischofsgrün auch noch zum Sportgelände der Bayreuther Uni gekommen war - mit einer Nationalspielerin.

Organisator Pascal Hanisch jedenfalls war sehr zufrieden. Weil am Ende trotz einiger Schwierigkeiten doch alles geklappt hatte, weil sich keine der Fußballerinnen verletzt hatte und weil es am Ende neben vielen strahlenden Spielerinnen-Gesichtern auch noch 700 Euro für den guten Zweck gab. Allein 500 Euro davon hatten die Fußballerinnen des FC Augsburg mitgebracht. „Eine noble Geste“, freute sich Hanisch.

Krieg allgegenwärtig

Dass der schreckliche Krieg in ihrer Heimat den Ukrainern in jeder Sekunde extrem nahegeht, das war auch bei diesem Turnier zu spüren. Beispiel Igor Salahan. Er kam vor rund 25 Jahren nach Bayreuth, stellte sich spontan als Übersetzer zur Verfügung, als er von dem Turnier gehört hatte. Spricht man ihn auf die alte Heimat an, dann atmet er tief durch und schluckt erst ein paar Mal, ehe es aus ihm heraussprudelt. Kein Wunder, schließlich hat er noch viel Familie dort.

Professionell sein

Oleg Bortnik versucht im Gespräch professionell zu sein. Der Trainer der Fußballerinnen aus Ladomyr erzählt von den sportlichen Problemen, die er hat und die natürlich trotzdem vor allem mit dem russischen Angriff auf sein Land zu tun haben. Zehn Stammspielerinnen habe er verloren, alle spielen jetzt im Ausland. Deshalb hat er sein Team mit teils sehr jungem Nachwuchs aus der eigenen Akademie aufgefüllt.

Und die scheinen wirklich Spaß zu haben an dem Treffen mit den anderen Teams von Carl-Zeiss Jena, der SpVgg Bayreuth, des FC Augsburg, der SpVgg Greuther Fürth und der U23 des 1. FC Nürnberg. „Es ist sehr gut für die Mädchen, dass sie sich hier in Deutschland für eine Zeitlang sicher fühlen können, dass sie nicht ständig Angst vor Luftalarm haben müssen“, sagt Trainer Bortnik, ergänzt aber: „Natürlich versuchen sie so oft wie möglich Kontakt in die Heimat zu bekommen, um zu erfahren, wie es ihren Angehörigen geht.“ Ladomyr liegt in der West-Ukraine, nur gut zehn Kilometer von Polen, aber auch nur rund 100 Kilometer von Belarus entfernt.

Nationalspielerin an Bord

Sogar eine Nationalspielerin bekamen die Zuschauer zu sehen, allein schon deshalb hätten es etwas mehr sein dürfen. Victoria Hiryn war zuletzt bei Deportivo La Coruna in Spanien aktiv und ist nun erst mal zu ihrem alten Team Ladomyr zurückgekehrt. Doch sie sucht einen neuen Verein. Manfred Neumeister, Vorsitzender des Fußballkreises Bamberg/Bayreuth/Kulmbach will dabei möglichst ein paar Kontakte herstellen und helfen.

Und auch ein paar Ausflüge will er organisieren für die ukrainischen Fußballerinnen und das männliche U13-Team des Vereins, das ebenfalls noch bis Ende des Monats in Bischofsgrün trainiert.

Hilfe vom Verband

Geholfen haben er und einige Verbands-Mitstreiter auch bei der Turnierorganisation. Denn natürlich muss alles seine Ordnung haben, muss so ein Turnier beim Bayerischen Fußball-Verband angemeldet sein. Ein Aspekt, den er etwas unterschätzt habe, räumt Pascal Hanisch ein. „Ich habe gedacht, wir kicken hier halt ein bisschen.“ Doch es gehe letztlich auch um Versicherungsfragen oder offizielle Schiedsrichter. Es sei gut, dass Neumeister und Co. da kurzfristig hätten helfen können.

Bei den teilnehmenden Mannschaften waren die Reaktionen durchweg positiv. Steffen Beck, Trainer der gerade in die 2. Bundesliga abgestiegenen Jenaerinnen, sagte: „Wir sind wirklich gern gekommen. So ein Turnier auch gegen unterklassige Teams ist in unserer frühen Phase der Vorbereitung sehr gut. Und wenn man dann auch noch etwas für den guten Zweck tun kann.“ Sechsmal in der Woche trainieren Becks Spielerinnen, wollen in der 2. Liga oben mitspielen und eventuell auch gleich wieder aufsteigen. Da war der Turniersieg beim Jeder-gegen-Jeden in Bayreuth ja vielleicht ein guter Anfang.

Gegen tolle Teams

Nick D’Adonna ist Trainer der SpVgg Bayreuth. Dass seine Mannschaft das Turnier als Letzter beendet hat, ist für ihn zweitrangig. Für ihn und seine Spielerinnen zählt, „dass es echt eine coole Sache ist, dass wir mal gegen so tolle Teams spielen können“.

Obwohl es zum Schluss Urkunden und Bälle für die Mannschaften gab, waren die Platzierungen an diesem Nachmittag wohl eher zweitrangig. Jedenfalls hörte man immer wieder, wie schön es gewesen sei, bei den Ukrainerinnen für eine Ablenkung zu sorgen. Und das war auf jeden Fall gelungen.

Der Endstand: 1. Carl Zeiss Jena 13:1 Tore/11 Punkte; 2. WFC Ladomyr 7:4/10; 3. SpVgg Greuther Fürth 4:1/9; 4. 1. FC Nürnberg 5:2/8; 5. FC Augsburg 3:11/3; 6. SpVgg Bayreuth 0:13/0.

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