Behindertenbeirat Bayreuth Auch das Internet ist voller Barrieren

Das Blindenleitsystem in der Bayreuther Innenstadt wurde im Sommer durch das internationale Blindensymbol sichtbarer gemacht, um zu verhindern, dass Gegenstände darauf abgestellt werden. Foto: Andreas Harbach

Es sind nicht nur fehlende Blindenampeln, hohe Bordsteine oder zu wenige Behindertentoiletten. Menschen mit Behinderung werden auch im Internet ausgegrenzt. Noch gibt es zu wenig Barrierefreiheit im Netz, kritisiert der Behindertenbeirat.

Bayreuth - Stadt, Land, Leben heißt das neue Veranstaltungsportal für Stadt und Region Bayreuth, das im August an den Start ging. Die Freude war groß bei der Vorstellung des Portals in der Wilhelminenaue. Menschen mit einer Sehbehinderung werden sich weniger an der Seite erfreuen. Denn: Sie ist nicht barrierefrei.

Wegweiser entspricht den Vorgaben

Axel Höhmann ist nicht nur der neue stellvertretende Vorsitzende des Behindertenbeirates der Stadt Bayreuth. Er ist auch ein Fachmann in Sachen digitale Barrierefreiheit. Wer sich von seinem Fachwissen überzeugen will, sollte die Rubrik „Wegweiser für Menschen mit Behinderung“ des Behindertenbeirates aufrufen, die auf der Seite der Stadt Bayreuth zu finden ist. Höhmann stellte den Wegweiser am Dienstag in der Sitzung des Behindertenbeirates vor. Ihr Vorteil: Sie ist barrierefrei. Was man, so Höhmann, vom Veranstaltungsportal Stadt, Land, Leben eben nicht behaupten könne. Sie sei nicht für Menschen mit Handicap gemacht. Das treffe aber auch auf die zehn Webseiten der Stadt Bayreuth zu, die dringend überarbeitet werden müssen, betonte er. Schließlich müssen Webseiten seit 2020 barrierefrei sein, seit diesem Jahr auch Apps.

Interaktive Karte

In seinem Vortrag verwies Höhmann auf die Inhalte des Wegweisers. Was er besonders hervorhob: Eine Karte, auf der alle Behindertenparkplätze in der Stadt, selbst auf dem Uni-Gelände, eingezeichnet sind. Da es sich um eine interaktive Karte handelt, kann sich der Nutzer sogar den Weg von seinem aktuellen Standort zum Behindertenparkplatz aufzeigen lassen. Ein Leitfaden für körperlich beeinträchtigte Personen zeigt auf, welche Kulturstätten und Museen, welche gastronomischen Betriebe und welche Hotels barrierefrei sind, über Behinderten-WCs verfügen oder eben nicht. In Zukunft soll das Angebot erweitert werden um eine zweite interaktive Karte, auf der öffentlich zugängliche Behindertentoiletten vermerkt sind.

Und noch ein weiteres Angebot wird der Behindertenbeirat unterbreiten: Der Corona-bedingte Lockdown habe gezeigt, wie wichtig die Nutzung digitaler Geräte sei. Der Behindertenbeirat werde deshalb digitale Schulungen anbieten für Menschen mit Behinderung.

Assistenzhunde willkommen

Es gab aber auch zahlreiche Maßnahmen, die auf Anregung des Behindertenbeirats im vergangenen und in diesem Jahr umgesetzt wurden. Unter anderem führte Margit Lebershausen, Mitarbeiterin der Fachstelle Inklusion, das Blindenleitsystem auf, dessen Sichtbarkeit mit dem internationalen Blindensymbol verstärkt worden sei. Denn noch immer würden Gegenstände auf diese Leitspur gestellt. In einer Aktion vor dem Rathaus sei darüber informiert worden, dass Assistenzhunde willkommen seien, so der Name der Aktion. Seit Juli bestehe nämlich ein Rechtsanspruch darauf, seinen Hund mitnehmen zu dürfen in Behörden, Geschäfte und Gaststätten. Noch in der Planung ist die Überprüfung der Bushaltestellen in der Stadt. Man habe, sagte Lebershausen, eine Checkliste erstellt. Freiwillige, die die Haltestellen ihrer Umgebung beurteilen möchten, seien herzlich willkommen.

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