Fränkische Schweiz Poser: 15 Autos aus dem Verkehr gezogen

Sehen und gesehen werden: Schauplatz für aufgemotzte Fahrzeuge sind meist Tuningtreffen. Das Foto zeigt ein Treffen, das vor wenigen Jahren in Speichersdorf über die Bühne ging. Foto: Foto/Archiv: Udo Fürst

Beamte stellte beim Autotunertreffen in Pottenstein zahlreiche Mängel an den aufgemotzten Fahrzeugen fest

Pegnitz/Pottenstein - Die Fränkische Schweiz und Pegnitz waren am Wochenende Ziel von einer Spezies, die man nicht unbedingt in den Ortschaften haben möchte. Laut Polizei präsentierten circa 250 sogenannte Autotuner beziehungsweise Autoposer ihre teils mächtig aufgemotzten fahrbaren Untersätze. Von BMW über Opel bis zu VW waren zahlreiche Automarken zu bestaunen, die aber nicht immer den Bestimmungen und Sicherheitsvorschriften im Straßenverkehr entsprachen.

Es röhrte, brummte und knatterte vor allem am Samstag in Pottenstein, wo die meist jungen Fans ihre Sportwagen zur Schau stellten und sich und ihre „Kunst“ gegenseitig bewunderten. Die Suche nach Aufmerksamkeit kann dabei auch schon mal extreme Züge annehmen und dazu führen, dass sich Mitmenschen belästigt fühlen. Dies ist immer wieder der Fall, wenn die Autoposer in den Innenstädten unterwegs sind. In Pottenstein war das zwar nicht der Fall, dennoch hatte die Polizei die Szene genau im Blick. „Es gab zwar keine Beschwerden von Anwohnern, aber zahlreiche diverse Mängel an den Fahrzeugen“, bestätigte Kriminalhauptkommissarin Verena Wörlein, die Leiterin der zuständigen Polizeidienststelle Pegnitz, dem Nordbayerischen Kurier auf Anfrage.

Mehrere Einsatzkräfte aus Pegnitz und umliegenden Polizeidienststellen hätten die Einhaltung der Corona-Hygieneregeln kontrolliert, die Autos intensiv auf ihre Verkehrssicherheit überprüft und wegen unerlaubter Um- oder Anbauten an Ort und Stelle 15 Fahrzeuge stillgelegt. „Wenn wir nicht eingetragene Umbauten oder Motormanipulationen feststellen, ist die Betriebserlaubnis erloschen.“ Die Polizei habe die Tunerszene und ihre Zusammenkünfte bezüglich Ruhestörung und Verkehrssicherheit ohnehin stets im Blick, betonte Wörlein. Während der Corona-Ausgangsbeschränkungen sei die Szene in den vergangenen Monaten recht ruhig gewesen, doch jetzt müsse man wieder mit vermehrten Aktivitäten der Autoposer rechnen.

Mehr los hinsichtlich der Autotuner war in den vergangenen Monaten in der Oberpfalz. Dort fielen zuletzt Teile der „Tuning- und Poserszene“ durch Verhaltensverstöße und durch teils rücksichtslose Fahrweise mit einhergehenden Störungen und Gefahrenmomenten auf. Teilweise wurden deutliche Geschwindigkeitsverstöße oder Zuwiderhandlungen gegen Bau- und Ausrüstungsvorschriften festgestellt. Hinzu kamen Lärmbelästigungen für Anwohner.

Die Polizei Oberpfalz intensiviert deshalb weiter die Kontrollen, unter anderem durch den Einsatz von fachkundigen Beamten. Auch in den vergangenen Tagen kam es in der Oberpfalz vereinzelt zu Autoposer-Treffen. Neben lärmenden Fahrzeugen feierten einige der Anwesenden lautstark, konsumierten Alkohol und hielten die Infektionsschutzbestimmungen nicht ein. Teilweise finden auf öffentlichem Verkehrsgrund gefährliche Fahrmanöver mit Beschleunigungsstarts und großer Lärmentwicklung oder auch Ampelrennen statt.

Recht skeptisch sieht man das Tunertreffen auch bei der Stadt Pottenstein. „So was ist vor allem wegen der Parkplatzsituation bei uns sehr schwierig, noch dazu am Wochenende mit den ohnehin zahlreichen Tagestouristen und wenn es unangemeldet geschieht“, sagte Bürgermeister Stefan Frühbeißer. „Da können wir als Stadt kaum reagieren.“ Durch das rechtzeitige Eingreifen habe die Polizei das Ganze aber gut unter Kontrolle gebracht. So habe es seines Wissens nach auch keine Beschwerden von Anwohnern oder größere Probleme mit den Tunern gegeben.

Wie die Pressestelle des Landratsamtes mitteilte, sei das Treffen nicht angemeldet gewesen. Dies sei aber auch nicht unbedingt erforderlich, wenn die Maßgaben nach dem Infektionsschutzgesetz (13. BayIfSMV) Mindestabstand, Mund-Naseschutz, kein Körperkontakt) eingehalten würden.

Verursachen Autoposer unnötigen Lärm bei der Nutzung ihres Fahrzeugs, müssen sie zehn Euro zahlen. Fahren sie innerorts hin und her und belästigen dabei andere Personen, werden 20 Euro fällig. Sind sie trotz erloschener Betriebserlaubnis unterwegs, kassieren sie ein Bußgeld von 90 Euro und einen Punkt in Flensburg.

Es kann aber auch härter kommen. Illegale Autorennen oder starkes Beschleunigen auf hohe Geschwindigkeiten können den Straftatbestand des „Verbotenen Kraftfahrzeugrennens“ gemäß Paragraf 315 StGb erfüllen. Auch die Flucht vor der Polizeikontrolle mit stark überhöhter Geschwindigkeit und rücksichtslosem Verhalten kann darunterfallen. Es drohen Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren. Daneben kann auch das Fahrzeug als Beweismittel und als Einziehungsgegenstand beschlagnahmt werden. Je nach Fall wird das Fahrzeug auch nicht mehr ausgehändigt. uf

 

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