Unser Sohn (31) ist erwachsen und wohnt nicht mehr bei uns. Aber wir machen uns Sorgen. Er ist fast nur am Zocken, hat auch schon Schulden gemacht. Wie können wir ihn zu einer Therapie bewegen?

Um eine Therapie zu starten, müsste Ihr Sohn für sich entscheiden, nicht mehr zu spielen, sondern sich in seinem Leben andere Ziele setzen. Außerdem müsste er bei der Entwöhnung vom Spiel Hilfe zulassen.

Können wir denn gar nichts tun, damit er mit dem Glücksspiel aufhört?

Das Einzige, was Sie machen können: Nutzen Sie eine ruhige Stunde und schildern Sie ihm ganz sachlich, was Sie beobachten. Bleiben Sie dabei möglichst in der Ich-Form. Sie können ihm auch sagen, dass Sie Angst haben, dass er sein Leben ruiniert und ihn bitten, sich Hilfe zu suchen. Aber was er dann tut, können Sie nicht beeinflussen. Er ist ein erwachsener Mann und hat ein Recht auf eigene Entscheidungen. Ist die ganze Situation 
für Sie sehr bedrückend, sollten Sie für sich selbst Hilfe holen. Die finden Sie bei Familienberatungsstellen, zu finden zum Beispiel unter www.dajeb.de, oder bei 
einer Angehörigenberatung, die viele Suchtberatungsstellen anbieten. Diese Adressen stehen unter www.check-dein-spiel.de

Mein Partner spielt jeden Abend am Computer. Wir machen kaum noch etwas gemeinsam. Das frustriert mich total. Meine Bitte, das Zocken zu lassen, ignoriert er völlig. Was kann ich tun?

Es scheint, dass ihm das Spiel mehr wert ist als die Partnerschaft. Ihnen bleibt da nur zu entscheiden, wie Sie mit dieser Tatsache leben wollen. Reicht es, klare Grenzen zu ziehen oder sollte man überlegen, wie lange der Kontakt unter diesen Umständen noch aufrechterhalten werden kann? Wenn Sie darüber mit Fachleuten sprechen möchten, wären Familien- und Lebensberatungsstellen die richtigen Ansprechpartner. Eine Auflistung nach Postleitzahlen finden Sie unter www.dajeb.de. Wenn Sie die Beratung nutzen, dann teilen Sie das Ihrem Freund ruhig mit. Vielleicht bewegt sich dann etwas in seinem Kopf.

Ich fürchte, mein Bruder (27) ist spielsüchtig. Er daddelt nur noch am Computer und ist schon hoch verschuldet. Als ich ihn zur Rede stellte, hat er den Kontakt abgebrochen. Was nun?

Häufig wehren die Betroffenen die Möglichkeit, spielsüchtig zu sein, vehement ab. Mitunter kommt man weiter, wenn man die Betroffenen fragt, wie es ihnen geht und wie sie selbst ihr Glücksspiel erleben. Es ist ein langer Weg bis zu der Erkenntnis, dass man dem Glücksspiel verfallen ist. Sie können Ihren Bruder auch bitten, sich professionelle Hilfe zu holen.

Jahrelang hatte ich zu einem Kollegen eine sehr gute Beziehung. In letzter Zeit war er nur noch im Casino, obwohl er schon viel Geld verloren hat. Woher kommt dieser Drang?

Wenn sich die Rädchen am Automaten drehen und die Lichter blinken, wenn die Frage steht: Gewonnen oder verloren? – In dem Augenblick höchster Spannung schüttet das Gehirn Glückshormone aus. Danach kann man süchtig werden. Man will es immer wieder, sehnt sich danach. Doch so, wie man stoffliche Süchte, wie die Sucht nach Alkohol oder nach Nikotin, überwinden kann, lässt sich auch etwas gegen die Glücksspielsucht tun. Aber von allein passiert da nichts. Es ist richtig Arbeit, eine Sucht zu überwinden und ohne die Hilfe von Experten ist es kaum möglich.⋌ red


Telefonberatung zur Glücksspielsucht: 08 00/1 37 27 00 (Montag bis Donnerstag 10 bis 22 Uhr, Freitag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr).

Infos unter im Internet unter www.check-dein-spiel.dewww.spielen-mit-verantwortung.dewww.bzga.de/infomaterialien.

Bei der Suchtberatungsstelle der Diakonie Bayreuth gibt es eine spezielle Fachstelle Glücksspielsucht, die Betroffene und Angehörige berät.

Beratung derzeit nur telefonisch montags 8 bis 9 Uhr unter 09 21/78 51 77 30 und online www.evangelische-beratung.info/gluecksspiel/bayreuth