Aus der DEL Phantomtorschütze Travis Ewanyk zu den Bayreuth Tigers

Redaktion
Kein Glück in der DEL: Travis Ewanyk (Mitte, im Trikot der Iserlohn Roosters) kam in 135 Einsätzen in der höchsten deutschen Spielklasse auf vier Tore und 13 Assists. Foto: / Thomas Hahn/Imago Images

Travis Ewanyk? – da war doch was: Wer erinnert sich nicht an das Phantomtor, das der damals in Diensten der Eispiraten Crimmitschau stehende Stürmer am 22. März des vergangenen Jahres im DEL2-Spiel gegen Bayreuth erzielte. Die Scheibe ging zwar klar über das Tor, doch die Schiedsrichter identifizierten eine Schlägerspitze im Tornetz fälschlicherweise als Puck. Es war das 2:0, die Gastgeber gewannen letztlich mit 3:0. Und eben jener Travis Ewanyk wird in den kommenden beiden Spielzeiten für die Tigers auflaufen.

„Natürlich wird man diese Szene nie vergessen, aber wir blicken nach vorne – so schnell wird uns so was wohl nicht mehr ereilen“, blickt Tigers-Geschäftsführer Matthias Wendel in der Vereinsmitteilung mit einem Schmunzeln zurück. Und auch Ewanyk lacht, darauf angesprochen: „Ich habe es eben noch mal gecheckt, es steht immer noch in der Statistik. Im Ernst: Es war ein sehr verrückter Moment, es gab jede Menge Verwirrung auf dem Eis. Ich glaube nicht, dass ich mich jemals wieder in einer solchen Situation wiederfinden werde.“

Somit stehen für den 29-jährigen Deutsch-Kanadier in seiner bisher einzigen DEL2-Saison in 41 Spielen 18 Tore und 15 Assists zu Buche. Anschließend zog es Ewanyk zurück in die DEL, aus der er nach zwei Spielzeiten für den künftigen Bayreuther Ligarivalen Krefeld Pinguine (drei Tore und zehn Assists in 84 Spielen) gekommen war. Doch auch bei den Iserlohn Roosters blieb ihm der große Durchbruch verwehrt. In 51 Partien für den Tabellenzwölften gelangen dem Linksschützen lediglich ein Treffer und drei Vorlagen.

Vor aufregenden Zeiten

„Nach der letzten Saison habe ich ein Team gesucht, zu dem ich passe und das auch zu mir passt“, sagt Ewanyk. „Nach Gesprächen mit Matthias Wendel und den Trainern sehe ich eine gute Gelegenheit zu einem Team zu kommen, das aufregende Zeiten vor sich hat.“ Er sei „wirklich aufgeregt, in dem Team zu spielen, das gerade auf dem Eis zusammengestellt wird“. Aus Gesprächen mit einigen letztjährigen Tigers-Spielern wisse er zudem, dass Bayreuth eine tolle Stadt sei und es sehr treue Fans gebe. „Spieler und Verantwortliche haben hohe Erwartungen an die neue Saison, und ich freue mich darauf, meinen Teil zum Erreichen unserer Ziele beizutragen.“

Dieser Teil soll laut Co-Trainer Marc Vorderbrüggen zum einen Ewanyks Erfahrung in der DEL und der DEL2 sein. Diese werde „unserem Team definitiv weiterhelfen. Es ist toll, dass ein Kaliber wie er sich für uns und den neuen Weg in Bayreuth entschieden hat.“ Zudem sei Ewanyk „ein großer, robuster Stürmer, der mit seiner Spielweise für jeden Gegner unangenehm ist. Er geht hart zum Tor und scheut keinen Zweikampf“, sagt Vorderbrüggen und wird vom 186 Zentimeter großen und 90 Kilogramm schweren Neuzugang bestätigt: „Mein Spiel wurde schon immer von meiner Arbeitsmoral und Leidenschaft angetrieben. Ich bin ein Spieler, der jeden Abend alles für das Team gibt“, sagt Ewanyk, der nach eigener Aussage sowohl in der Mitte als auch als Außenstürmer spielen kann. „Ich habe ein gutes Bullyspiel und checke aggressiv vor. Dabei kann ich sowohl eine eher defensive als auch eine offensivere Rolle einnehmen, je nachdem, was das Team braucht.“

Von den Edmonton Oilers gedraftet

In St. Albert vor den Toren Edmontons geboren, kam Ewanyk über die dortigen Nachwuchsteams zu den Edmonton Oil Kings, mit denen er 2012 den Titel in der WHL holen konnte. 2011 nahm er mit der kanadischen U 18-Nationalmannschaft an der Junioren-Weltmeisterschaft teil und wurde von den Edmonton Oilers in der dritten Runde des NHL-Drafts an insgesamt 74. Stelle ausgewählt, machte aber kein Spiel für die Kanadier. Stattdessen ging er von 2013 bis 2018 in der AHL (jeweils 15 Tore und Assists in 207 Spielen) und ECHL (34 Tore und 46 Assists in 146 Spielen) aufs Eis, bevor er aus Nordamerika nach Europa kam. „Ich habe zu Beginn definitiv eine Eingewöhnungsphase gebraucht mit der größeren Eisfläche“, blickt Ewanyk auf seine Anfangszeit in Krefeld zurück, „aber inzwischen fühle ich mich damit sehr wohl. Ich habe sehr viel gelernt, besonders was verschiedene Taktiken – besonders in den Special Teams – angeht.“ Eine erfreuliche Überraschung sei die Leidenschaft der deutschen Fans gewesen, auf die er sich jede Saison freue.

Info: Der Kader der Tigers für die kommende Saison umfasst folgende Spieler: Tor: Olafr Schmidt (EV Landshut), Lukas Steinhauer; Abwehr: Niklas Gabriel, Lubor Pokovic, Lukas Slavetinsky (Selber Wölfe), Jakub Kania (Lausitzer Füchse), Patrick Kurz (EHC Freiburg), Petteri Nikkilä (KooKoo), Dennis Dietmann (Augsburger EV, DNL), Garret Pruden; Angriff: Christian Kretschmann, Sami Blomqvist (ESV Kaufbeuren), Ville Järveläinen, Jan-Luca Schumacher, Dani Bindels, Mike Mieszkowski (Hannover Indians), Philippe Cornet (HPK Hämeenlinna), Frederik Cabana, Paul Fabian (Augsburger EV, DNL), Travis Ewanyk (Iserlohn Roosters).
 

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