Auch in Kronach stürmt es „Ylenia“ fegt durch den Landkreis

Julia Knauer

Das Sturmtief hält in der Nacht auf Donnerstag die Einsatzkräfte auf Trab. Meist sind es Bäume, die auf Straßen fallen. Im Norden ist einiges los, im Süden bleibt es recht ruhig.

Landkreis Kronach - Das Sturmtief „Ylenia“ hat am Donnerstag auch vor dem Landkreis Kronach keinen Halt gemacht. Insbesondere in den frühen Morgenstunden wurden Polizei und Feuerwehren immer wieder zu Einsätzen gerufen. Besonders stark betroffen war der mittlere bis nördliche Landkreis. Immerhin: Zumeist waren es nur Bäume, die auf Straßen gestürzt sind. Größere Katastrophen oder gar Verletzte blieben aus.

„Die Einsätze gingen im Prinzip quer durch den Landkreis, aber im Norden sind wir wesentlich öfter alarmiert worden“, berichtet Kreisbrandrat Joachim Ranzenberger. Den ersten Einsatz habe es um 1 Uhr nachts auf der B 173 bei Schnaid gegeben. Kurz vor 2 Uhr seien die Kameraden in Wilhelmsthal alarmiert worden. „Dann war es kurzzeitig ruhig, um 4 Uhr ging’s dann richtig dick los“, erzählt er. Bis zum frühen Nachmittag seien es weit mehr als 60 Einsätze im ganzen Landkreis gewesen – wobei die Häufigkeit vom späteren Vormittag an merklich abgenommen habe.

Hauptsächlich umgestürzte Bäume

Fast immer habe es sich um umgestürzte Bäume gehandelt, eher vereinzelt seien auch Dächer zu Schaden gekommen. Etwas wirklich Dramatisches sei aber zum Glück nicht passiert. „Aber Bäume hatten wir wirklich massiv, einige Strecken waren deshalb zeitweise komplett gesperrt, zum Beispiel zwischen Rothenkirchen und Buchbach, zwischen Brauersdorf und Marienroth und im Bereich Tschirn-Hubertushöhe-Birnbaum“, sagt Joachim Ranzenberger. Gleich früh habe er an alle Feuerwehren durchgegeben, bei allem, was sie tun, vor allem auf die Eigensicherung zu achten. „Es bringt ja nichts, wenn sie im Wald herum sägen, solange der Sturm noch haust“, findet er. Einen verletzten Kameraden habe es bei der Buchbacher Wehr trotzdem gegeben: Er habe sich den Fuß verknackst. „Nichts Schlimmes“, beruhigt Ranzenberger.

In Wilhelmsthal hat es gehaust

Auch Gerhard Anders, Pressesprecher der Kronacher Polizei, hat einige Einsätze auf seiner Liste. „Wobei gar nicht alles bei uns ankommt – vieles arbeiten die Feuerwehren ja alleine ab und wir werden gar nicht erst verständigt“, schränkt er ein. Beispielsweise sei auf der B 173 bei Wallenfels ein Baum quer über der Fahrbahn gelegen, das gleiche auf der KC 6 bei Gössersdorf. „Im Bereich Hesselbach/Wilhelmsthal waren wir des Öfteren tätig, da hat es ganz schön gehaust“, erzählt er. Er selbst wohne in Wilhelmsthal und sei nachts vom Sturm aus dem Schlaf gerissen worden: „Ich hab’ gedacht, das Dach hebt’s ab.“ Aber letztlich seien es auch da vor allem Bäume gewesen, die auf die Fahrbahn oder auf Leitplanken gekracht seien.

Trampolin auf Straße geweht

Auf der KC 3 zwischen Steinberg und Gifting sei ein Auto in einen auf der Straße liegenden Baum gefahren. „Das Fahrzeug wurde dabei leicht beschädigt, der Fahrer blieb unverletzt“, informiert Gerhard Anders. In Mitwitz im Bereich der Sonneberger Straße sei plötzlich ein Trampolin auf die Straße geweht worden. „Das kam vermutlich aus einem Garten. Aber auch da ist nichts passiert“, ist er erleichtert. Auf Höhe des Kronacher Schützenhauses sei ein Bauzaun auf die Straße gefallen, in Johannisthal sei die Ampel bei der Aral-Tankstelle vorübergehend ausgefallen. Eine Mauer sei in Friesen beschädigt worden. Ansonsten habe es noch weitere umgefallene Bäume verteilt im gesamten Zuständigkeitsgebiet der Kronacher Polizei gegeben.

Großangebot an Feuerwehrleuten

Ganz ähnliches berichtet Alexander Müller von der Polizeiinspektion Ludwigsstadt. „Zum überwiegenden Teil hatten wir Verkehrsbehinderungen durch Bäume auf sämtlichen Straßen im Dienstbereich“, fasst er zusammen. Teilweise habe man die Straßen komplett sperren müssen. Ein Großaufgebot an Feuerwehrleuten sei an den jeweiligen Örtlichkeiten zugegen gewesen. „Wir hatten auch den einen oder anderen Unfall, bei dem Bäume auf Autos gefallen sind. Zum Glück ohne Personenschäden“, berichtet er weiter. Der erste Einsatz sei um 2 Uhr nachts gewesen, am späteren Vormittag sei dann aber auch im Norden das Gröbste vorbei gewesen.

Kein Vergleich zu „Kyrill“

Eine der Feuerwehren, die am Donnerstag wohl mit die meisten Einsätze hatte, ist die aus Steinbach am Wald. Von 5.30 Uhr an sei sie immer wieder alarmiert worden, berichtet Kommandant Markus Schulz. Schwerpunkte seien die ST 2209 auf dem Rennsteig sowie die B 85 zwischen Steinbach und Ludwigsstadt gewesen – auch hier meistens umgestürzte Bäume. „Wir haben dann das Feuerwehrhaus besetzt um die Einsätze besser koordinieren und immer ausreichend Nachschubkräfte bereithalten zu können“, sagt er. Darüber hinaus habe man bereits im Voraus Absprachen getroffen „um alles fluffiger zu gestalten“ – der Sturm sei ja lange genug angekündigt gewesen. Auch einige der Ortsteilfeuerwehren seien im Einsatz gewesen. In Summe habe es bis zum Donnerstagmittag sieben Einsätze im Gemeindegebiet gegeben. „Größeren Schäden hatten wir aber nicht, das ist gar kein Vergleich zu damals bei ‚Kyrill’“, berichtet er.

Cabrio in Baum gefahren

Am Donnerstagmorgen ist es auf der KC 12 zwischen Vogtendorf und Fischbach zu einem Unfall durch einen umgestürzten Baum gekommen, wie Frank Wich, Kommandant der Fischbacher Feuerwehr informiert. Ein Cabrio-Fahrer habe auf der Strecke einem kurz zuvor umgestürzten Baum nicht mehr ausweichen können. „Der Fahrer blieb dabei glücklicherweise unverletzt“, sagt er. Die Feuerwehr habe das Fahrzeug schließlich aus dem Baum befreit und die Fahrbahn geräumt. Das Auto habe anschließend abgeschleppt werden müssen, die Straße sei für circa eine Stunde gesperrt gewesen. Auch die Polizei sei vor Ort gewesen.

Recht ruhig war es unterdessen bei der größten Feuerwehr des Landkreises in Kronach. „Seit nachts um 2 Uhr ist gefühlt alle fünf Minuten irgendeine Feuerwehr alarmiert worden – Kronach Stadt allerdings das erste Mal etwa um 10.45 Uhr“, berichtet Vorsitzender Stefan Wicklein. Generell sei im Süden nicht viel los gewesen.

Böen bis zu 102 km/h
Der Gleitschirmverein Rennsteig e.V. betreibt auf der Radspitze bei Marktrodach eine Wetterstation. Im Internet kann man unter https://holfuy.com/de/weather/1038 in Echtzeit die dort gemessenen Daten zum Sturm abrufen. Die stärkste Böe wurde dort demnach am Donnerstagmorgen um 5 Uhr mit einer Spitzengeschwindigkeit von 102 Kilometern pro Stunde gemessen. Die durchschnittliche Windgeschwindigkeit betrug 33,8 Kilometer pro Stunde.
 

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