Aktion Blaue Stunde Feuerwehren leiden unter Lockdown

Auch die Ständige Wache der Stadt Bayreuth beteiligte sich an der Aktion „Bluelightfirestation“ und fuhr am Mittwochabend ihre Fahrzeuge mit eingeschaltetem Blaulicht aus dem Gebäude. Foto: Ralf Münch

In vielen Gemeinden waren in den vergangenen Tagen die Feuerwehrhäuser in blaues Licht getaucht: Mit der Aktion „Bluelightfirestation“ demonstrieren Feuerwehren, dass sie auch im Lockdown für die Menschen da sind. Auch wenn das Vereinsleben am Boden liegt.

Bayreuth - Wenn vor dem Feuerwehrhaus die gesamte Flotte mit eingeschaltetem Blaulicht steht, muss es sich noch lange nicht um einen Einsatz handeln. Vielmehr um eine landesweite Aktion, die mittlerweile auch in Stadt und Landkreis Bayreuth angekommen ist. Mit „Bluelightfirestation“, so der Name der Aktion, wollen die Feuerwehren darauf aufmerksam machen, dass sie für uns da sind, schreiben sie. Auch in diesen Zeiten, in denen das Leben vom Lockdown bestimmt wird und die Vereinsaktivitäten inklusive Leistungsübungen der aktiven Feuerwehrmitglieder nicht mehr stattfinden.

Erschwerte Bedingungen

Die Feuerwehr des Stadtteils Altstadt hat es getan, die Brannaburger Feuerwehr und die Ständige Wache, Meyernberg, Oberpreuschwitz und Wolfsbach: Sie haben in der Dunkelheit die Blaulichter ihrer Fahrzeuge eingeschaltet und das Szenario als Video oder Foto auf Facebook gepostet.

„Wir wollen damit die Bevölkerung darauf aufmerksam machen, dass die Feuerwehren auch im Lockdown immer zur Verfügung stehen“, sagt Bayreuths Stadtbrandrat Ralph Herrmann. Leicht haben sie es nicht in diesen Corona-Zeiten. Einsätze können sie nur unter erschwerten, den Hygieneregeln entsprechenden Bedingungen leisten.

„Die Kollegen sind mit FFP-2-Masken ausgerüstet, wenn sie ausrücken“, sagt Herrmann. Wenn sie Kontakt mit Patienten haben, die an Corona erkrankt sind, tragen sie sichere Anzüge, die sonst bei Chemieunfällen zum Einsatz kommen.

Was aber besonders schmerzt, ist, dass die Ausbildung zurückgefahren werden musste, sagt Herrmann. Es gebe keine praktische Ausbildung mehr, weil man vermeiden müsse, dass sich Aktive gegenseitig anstecken und damit vielleicht die Schlagkraft lahm legen.

Im Landkreis sei es schon passiert, sagt der Stadtbrandrat, dass eine Feuerwehr wegen eines Corona-Ausbruchs unter aktiven Mitgliedern nicht mehr ausrücken konnte. Die Feuerwehren würden jetzt vermehrt dazu übergehen, theoretische Schulungen digital durchzuführen. Das kameradschaftliche Miteinander und das gesellige Vereinsleben seien hingegen vollständig eingestellt. „Das fehlt schon sehr“, bedauert Herrmann.

Auch in der Ständigen Wache müsse man mit großer Vorsicht die personelle Einteilung vornehmen. Pro Schicht würden nur noch acht Mitarbeiter eingeteilt, die Mindestausrückstärke, sagt Herrmann. Die Schichtreserve müsse sich Zuhause bereithalten.

Dutzende Feuerwehren haben sich auch im Landkreis bereits an der Aktion „Bluelightfirestation“ beteiligt. Wer von einer befreundeten Feuerwehr zur Teilnahme aufgefordert wird, muss selbst wieder drei Feuerwehren benennen, die mitmachen sollen.

Auf der Teilnehmerliste steht auch die Bindlacher Feuerwehr. Deren Kommandant Marco Neugebauer bestätigt im Gespräch mit dem Kurier, dass besonders die Ausbildung und die Nachwuchsarbeit unter dem Lockdown leiden würden. „Wir können seit dem Frühjahr des vergangenen Jahres keine praktischen Übungen mehr durchführen. Dabei ist es wichtig, die Geräte anzufassen und in der Hand zu spüren“, sagt Neugebauer. In der theoretischen Ausbildung versuche man es nun digital, was aber den Nachteil habe, dass man nicht alle Mitglieder erreichen könne.

Noch mehr Sorgen bereite ihm aber die Nachwuchsarbeit. Er befürchte, sagt der Kommandant, dass sich die Jungen und Mädchen abwenden und nicht mehr zurückkommen, was für die personelle Zukunft der Feuerwehr ein großes Problem werden könne. Die Grundausbildung sei nicht einfach mal nebenher zu absolvieren. Immerhin müssten 90 Unterrichtseinheiten besucht werden. Wer jetzt von Bord gehe, komme höchstwahrscheinlich nicht mehr zurück. Doch noch sei er guten Mutes, dass der Nachwuchs, auch wenn der Lockdown noch länger dauere, an Bord bleibe.

Lange Teilnehmerliste

Auch wenn alles still stehe, das kulturelle Vereinsleben nicht stattfinde, Sitzungen und Ausbildung allenfalls digital abgehalten würden, bleibt Neugebauer optimistisch. Und darauf soll das blaue Licht der Einsatzfahrzeuge auch deutlich hinweisen: „Wir sind trotz allem für euch da.“

 

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