AfD Rechter Dozent lehrt an der Uni

Der Islamwissenschaftler, Publizist und Politiker, Hans-Thomas Tillschneider (AfD), sprach 2016 bei einer Kundgebung der islamfeindlichen Pegida-Bewegung in Dresden (Sachsen). Foto: Archiv/Arno Burgi/dpa

BAYREUTH. Hans-Thomas Tillschneider, AfD-Landtagsabgeordneter in Sachsen-Anhalt, ist Privatdozent an der Uni Bayreuth. Dort regt sich Widerstand gegen den Islamwissenschaftler. Denn er gehört zum äußersten rechten Rand der AfD. Er selbst sagt, er trenne Lehre und Politik.

Im Sommersemester wird Tillschneider eine Einführung in das islamische Recht geben. Er hat sich an der Universität Bayreuth habilitiert. Damit hat er die Lehrbefugnis erhalten. „Er hat als Privatdozent das Recht und die Pflicht, Lehrveranstaltungen durchzuführen“, sagt Universitätspräsident Prof. Stefan Leible, zwei Semesterwochenstunden pro Studienjahr. Die Uni könne ein Lehrangebot Tillschneiders nicht unterbinden. Allerdings dürfe er „das Gebot der politischen Neutralität“ nicht verletzten und sei zur Verfassungstreue verpflichtet. Leible unterstreicht: „Das Parteiprogramm der AfD steht unserem Leitbild diametral entgegen.“ 

Vor allem an der Fakultät für Sprach- und Literaturwissenschaft, wo die Islamwissenschaft und die Afrikanistik angesiedelt sind, wird die Personalie Tillschneider kontrovers diskutiert. Es heißt, Tillschneider stehe in der AfD „sehr weit rechts" und habe Kontakt zu "menschenverachtenden Gruppierungen“. Er habe auch öffentlich seine eigene Fakultät diffamiert. Bei seiner Bewerbungsrede für einen AfD-Listenplatz bei der Europawahl sagte er, die Uni betreibe statt Wissenschaft „eher Karnevalsumzüge wie Gender Studies oder kritische Weißseins-Forschung“ .

Dem 41-Jährigen, der von 2010 bis 2016 als Akademischer Rat auf Zeit an der Uni Bayreuth beschäftigt war, wird eine Verbindung zur rechtsextremen Identitären Bewegung nachgesagt. Kontakte dahin habe er keine mehr, schreibt Tillschneider in einer Mail an den Kurier. Seit 2013 gehört Tillschneider der AfD an, seit 2016 ist er Landtagsabgeordneter in Sachsen-Anhalt.

Nicht ausgeschlossen, dass ein Teil der Studenten protestieren wird. Wie der Vorsitzende des Studierendenparlaments, Dominik Möst, sagt, setze sich dieses für einen „weltoffenen Campus, frei von Rassismus und Diskriminierung“ ein. Die Uni lebe von Toleranz und Internationalität.

Fachlich ist offenbar nichts an Tillschneiders Arbeiten auszusetzen. Prof. Rainer Oßwald, sein Vorgänger als Lehrstuhlinhaber für Islamwissenschaft, habe die Habilitation betreut, betont Prof. Rüdiger Seesemann. Die Schrift berühre keine aktuellen politischen Fragen.

Tillschneider selbst hält mit seiner politischen Haltung nicht hinter dem Berg: „Ja, ich bin rechts, aber eben nicht rechtsextrem. Wo es eine Linke gibt, muss es auch eine Rechte geben. Hier sind die Verhältnisse in den letzten Jahrzehnten etwas aus dem Gleichgewicht geraten.“


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