40 Jahre Caritas An der Seite der Armen und Schwachen

Es hat sich kaum etwas verändert in den 40 Jahren seit Gründung des Caritas-Kreisverbandes, sagen der erste Geschäftsführer Hans Mahler und Bozena Schiepert, die 2018 die Leitung übernahm.⋌Foto: Gunter Becker

BAYREUTH. Sie helfen Frauen, die häuslicher Gewalt ausgesetzt waren, beraten in finanziellen Notlagen und kümmern sich um Menschen mit Migrationshintergrund: Die 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Caritas-Kreisverbandes Bayreuth-Stadt und Land eint bei ihrer täglichen Arbeit vor allem eines: Menschen, die Hilfe benötigen, Hilfe zu geben. In diesem Jahr eint sie aber auch ein freudiger Anlass: Ihr Kreisverband feiert sein 40-jähriges Bestehen.

Er nennt sich selbst den Vater des Caritas-Kreisverbandes: Hans Mahler begann am 1. April 1967 seine Tätigkeit als Leiter der Kreis-Caritasstelle in einem Gebäude am Harmoniehof. Die Hauptaufgabe des Einzelkämpfers: Soziale Beratung hilfsbedürftiger Menschen. Seine Vorgesetzten saßen in Bamberg, von dort kamen die Vorgaben. 1970 wurde die erste Familienpflegestation gegründet mit bis zu vier Mitarbeiterinnen. Im selben Jahr entstand die allgemeine Soziale Beratung für Stadt und Land.

Die Arbeitsumfang des Caritasstelle Bayreuth nahm in den Folgejahren zu. Doch erst die Gründung der ersten Sozialstation führte zu einer Änderung der Organisationsform: Aus der Einrichtung wurde der Kreisverband der Caritas für Bayreuth Stadt und Land. Offizieller Start war der 6. November 1979, erste Vorsitzende Renate Hartmann. Der heute knapp 84-jährige Mahler fungierte bis zum Ausscheiden 1998 als erster Geschäftsführer.

1980 übernimmt der Kreisverband die Betreuung von 40 vietnamesischen Bootsflüchtlingen, Ein Jahr später folgt eine Flüchtlingswelle aus dem Libanon. Wieder ein Jahr später gründet der Kreisverband eine Beratungsstelle für ausländische Mitbürger. Im Juni 1986 nimmt das Frauenhaus seine wichtige Arbeit auf.

Zuschüsse vom Staat

Heute beschäftigt der Kreisverband der Caritas 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die unterstützt werden von 200 ehrenamtlichen Mitarbeiter. Das Jahresbudget beträgt rund sieben Millionen Euro, sagt Bozena Schiepert, die vor einem Jahr die Geschäftsführung von Hermann Hinterstößer übernahm.

An den Aufgaben hat sich in den 40 Jahren nichts geändert. In erster Linie, sagt die 54-Jährige, übernehme der Wohlfahrtsverband Caritas Aufgaben, die eigentlich Sache des Staates seien, er aber nicht leisten kann oder will. Stattdessen bezuschusse er die Leistungen, was den Verband aber immer wieder vor Probleme stellt.

„Der Staat bezuschusst die vielfältigen Leistungen mit 80 Prozent. Nach einer eingehenden Überprüfung fließen weitere zehn Prozent, sodass letztendlich zehn Prozent der Kosten bei der Caritas verbleiben“, sagt Schiepert. Kosten, die durch Kirchensteuergelder und Spenden gedeckt werden müssen. Keine leichte Aufgabe in Zeiten vieler Kirchenaustritte.

Getreu dem Motto der Caritas „Not sehen und helfen“ stehen auch neue Projekte auf der Agenda. Dazu gehöre das Projekt „Second Stage“, sagt Schiepert. In Zusammenarbeit mit der Stadt und finanziert vom Sozialministerium sollen für Frauen, die im Frauenhaus Zuflucht gesucht haben, Wohnungen gefunden werden. Zweites Projekt: am 1. Dezember bietet die Caritas in Betzenstein eine Tagespflege an. Ein Angebot, das in Zukunft noch auf weitere Kommune erweitert werden soll.

Ändern würde Schiepert gern die Arbeitsbedingungen in der Pflege. Vorstellen könne sie sich eine 30-Stunden-Woche ohne finanzielle Einbußen, um die Gesundheit der Mitarbeiter zu schonen.

Die Aufgaben werden dem Kreisverband auch in Zukunft nicht ausgehen. Denn, sind sich Schiepert und Mahler einig: „In 40 Jahren hat sich nicht viel geändert. Auch heute gibt es noch immer viel Not in dieser Gesellschaft.“


Das Programm

Ab September finden zahlreiche Veranstaltungen anlässlich des 40-jährigen Bestehens statt:

Samstag, 21. September, von 11 bis 17 Uhr: Kinderfest auf dem Stadtparkett mit Beteiligung des Jugendmigrationsdienstes und des Vormundschaftsvereines für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge; Samstag, 19. September, von 13 bis 17 Uhr: Der Tag für Freiwillige: „Engagiert in Bayreuth-Freiwilligen Messe“ im Schlossturmsaal der Schlosskirche;

Montag, 14. Oktober, ab 15 Uhr Vortrag und Informationsveranstaltung zum Thema Demenz im Caritasverband Bayreuth mit Beteiligung des Betreuungsvereines und der Fachstelle für pflegenden Angehörige;

Montag, 25. November, von 12 bis 20 Uhr am Marktplatz: Veranstaltung des Frauenhauses „Gabel: Messer: Löffelglück. Von hier von dort von uns: Kalender schmackhaft machen-wärmende Gespräche am Suppentopf“ anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen;

Sonntag, 27. Oktober, um 11 Uhr Festgottesdienst in der Schlosskirche. Danach Festveranstaltung mit Tag der offenen Tür in der Geschäftsstelle (Bürgerreuther Straße 9).

 

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