Zwei neue Exponate Geschenke als Versöhnung

Dagny Beidler (rechts), Urenkelin Richard Wagners, überlasst der Stadt zwei Exponate für das Franz-Liszt- und das Richard-Wagner-Museum. Foto: Ralf Münch

BAYREUTH. Es ist eine Schenkung, die die Stadt stolz macht: Dagny Beidler (77) ist die Enkelin von Isolde Beidler, der ältesten Tochter Richard Wagners, und hat der Stadt zwei bedeutsame Exponate geschenkt. Diese sollen in zwei Museen ausgestellt werden.

Das Zimmer ist eng, die Stühle und der große Tisch nehmen viel Platz ein. Dagny Beidler schlängelt sich um den Tisch, geht freundlich auf die zahlreichen Reporter zu, hat einen festen Händedruck. Wenn sie spricht, hört man leicht ihren Schweizer Akzent.

Beidler ist eine kleine, zierliche Dame mit einem umso größeren Erbe. Ihr Leben ist unweigerlich mit der Stadt Bayreuth verbunden. Sie ist die Enkelin von Isolde Beidler, der ältesten Tochter Richard Wagners. Ihren Vater Franz Wilhelm Beidler handelte man im Jahr 1946 kurzzeitig als Kandidat für die Festspielnachfolge.

In Bayreuth lebte er bis er neun Jahre alt war, nach einer kurzen Zeit in Berlin zog er in die Schweiz. „Ich war in der Zwickmühle“, sagte Beidler gleich zu Beginn. „Mein Vater hatte immer Vorbehalte gegen Bayreuth, konnte nicht vergessen.“ Die Festspiele hatte er seit Kriegsende nie mehr besucht, prangerte die Mitverantwortung Bayreuths für den Nationalsozialismus an. „Nun findet durch mich eine Versöhnung mit Bayreuth statt“, sagt Dagny Beidler. Winifred Wagner hatte sie 1964 zu den Festspielen eingeladen. „Da sagte mein Vater nach einiger Bedenkzeit: Du bist eine neue Generation. Du gehst jetzt dorthin.“

Aus der Entfernung wirken die beiden Stücke recht unscheinbar: Ein großes Bild von Jesus am Kreuz und ein handschriftliches Gedicht. Das Besondere: Franz Liszt schenkte das Bild „Jesu am Kreuz“ einst Fürstin Marie zu Hohenlohe-Schillingsfürst. Es ist mit den Initialen „F.L.“ signiert. Und das Gedicht hatte Richard Wagner selbst geschrieben. Vor allem das Gedicht ist wertvoll. „Schon immer lautete die Frage: War Isolde die Tochter von Richard Wagner? In dieser Handschrift bekennt er sich dazu“, sagt Beidler. Sowohl das Gedicht als auch das Jesu-Bild galten als verschollen. „Ich habe beides im letzten Jahr auf einer Auktion erstanden.“ Wer die Objekte zur Auktion eingegeben hatte, wisse sie aber nicht.

„Ich freue mich sehr, dass Frau Beidler uns den Nachlass weitergibt.“ Das Jesu-Bild solle im Franz-Liszt-Museum ausgestellt werden, das Gedicht im Richard-Wagner-Museum. „Die Stücke sind sehr bedeutsam für die Museen.“

„Frau Beidler hat mich erst vor kurzem wegen der Schenkung angerufen“, sagt Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe anschließend im Kurier-Gespräch. „Sie ist wegen eines Projekts für ein paar Tage in der Stadt.“

Beidler ist nämlich zusammen mit der Musikwissenschaftlerin Eva Rieger angereist. „Wir arbeiten im Stadtarchiv an einem Buch über Isolde Beidler“, erzählt Rieger, die eine Biografie über Friedelind Wagner geschrieben hat.

 

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