Zurück in die Schule Soziales Jahr als Bundesfreiwilligendienstleistende

PEGNITZ. Das Konzept des Bundesfreiwilligendienstes (Bufdi) ist nichts Neues. Als Reaktion auf die Aussetzung der Wehrpflicht und des Zivildienstes wurde damit ein Ausgleich geschaffen und ergänzt bestehende Freiwilligendienste, wie zum Beispiel das soziale Jahr. Auch Simon Neugebauer und Paula Eckert haben sich dazu entschlossen und arbeiten seit Anfang September als Bufdis.

Als eine ungemein große Hilfe bezeichnet Thorsten Herzing, der Schulleiter der Christian-Sammet-Mittelschule, seinen Bundesfreiwilligendienstleistenden Simon Neugebauer. Herzing selbst habe diese Stelle an der Mittelschule geschaffen und ist sich sicher: „Es ist Gold wert.“ Über einen Kollegen habe er damals davon erfahren und ist sich sicher, dass die Schule davon profitiert. Simon Neugebauer ist 18 Jahre jung, kommt aus Neuhaus/Pegnitz und hat im vergangenen Schuljahr sein Abitur am Gymnasium in Pegnitz gemacht.

Über den Klassenchat habe er von der Stellenausschreibung erfahren. „Ich war noch unentschlossen, ob ich studieren möchte oder eine Ausbildung anfange“, sagt er, „und bevor ich etwas anfange und dann wieder abbreche, weil es mir nicht gefällt, starte ich lieber als Bufdi und engagiere mich sozial.“

Den nötigen Einblick

Die Entscheidung sei ihm nicht schwergefallen, denn bereits in der achten Klasse war er in der Hausaufgabenbetreuung im Hort aktiv. Zudem entschied er sich ab der zehnten Klasse für den sozialen Zweig und absolvierte einige Praktika in diesem Bereich.

Paula Eckert hat sich bewusst für die Grundschule Pegnitz entschieden und das schon lange vor den Stellenausschreibungen. „Über Bekannte habe ich von der Stelle erfahren, da war sie noch nicht mal ausgeschrieben“, erzählt die 18-jährige Abiturientin, „ich habe dann eine Initiativbewerbung weggeschickt.“ Sie erhielt letztendlich die Stelle. Zum Glück. Denn um Studienplätze oder eine Ausbildung hat sie sich gar nicht erst bemüht. „Mich interessiert Grundschullehramt schon sehr, aber ich bin mir unsicher, ob das lange Studium sich rentiert. Hier an der Grundschule erhalte ich den nötigen Einblick“, erklärt Paula Eckert.

Vielfältige Aufgaben

Die Arbeit eines Bufdis sei vielfältig, sagt die Leiterin der Grundschule Tanja Engelbrecht. Paula Eckert helfe den Lehrern, die Hausaufgaben der Schüler zu überprüfen oder beaufsichtigt ganze Klassen. Außerdem erhalten Bufdis einen Einblick in die Verwaltung und erledigen „alles, was so anfällt“. Und auch Simon Neugebauer wird an der Christian-Sammet-Mittelschule vielseitig eingesetzt. So startet er jeden Tag mit dem Verkauf der Essensmarken, mit denen die Schüler in der Mittagspause ihr Essen kaufen können. Diese Woche prüfe er in den Klassenzimmern die Computer und Laptops, ob diese ersetzt werden müssen. Ab nächster Woche soll Simon Neugebauer dann während einiger Unterrichtsstunden und auch bei der Hausaufgaben-Betreuung unterstützend wirken, plant Schulleiter Herzing. „Die Schüler haben bereits einen gewissen Respekt vor mir. Sie wissen, dass – sollten sie sich danebenbenehmen – darauf Konsequenzen folgen“, berichtet Simon Neugebauer. Er wisse genau, auf wen er achten muss und kennt die „Rabauken“. An der Grundschule darf Paula Eckert sogar Auszeiten verteilen, falls sich ein Kind danebenbenimmt.

Vielleicht doch ein Studium

Wie es in einem Jahr weitergeht, das wissen beide noch nicht. Simon Neugebauer hat bis vor Kurzem noch über eine Ausbildung zum Industriekaufmann nachgedacht. Doch bereits nach zwei Wochen als Bufdi ließ er von dieser Idee ab. „Vielleicht wird es ja doch ein Lehramtsstudium“, witzelt er und fühlt sich durch seine Eltern bestärkt: „Meine Mutter sagt schon länger, dass ich Lehrer werden sollte.“

Und auch Schulleiter Herzing hält das für eine gute Idee: „Durch das Jahr gewinnt er eine Menge Erfahrungen, die selbst ein Lehramt-Student in seinen fünf Jahren Studium nicht erhält.“ Als Aufwandsentschädigung bekommen die zwei Bufdis je rund 300 Euro pro Monat. „Ich bin echt froh, dass ich an der Christian-Sammet-Mittelschule angefangen habe. Die Kollegen sind super nett und als Schüler war mir nie so bewusst, dass Lehrer so cool sein können.“

 

0 Kommentare

Kommentieren

Wenn Sie einen Kommentar verfassen, so wird dieser unter Ihrem Klarnamen, also dem von Ihnen angegebenen Vor- und Nachnamen veröffentlicht. Sollte Ihr Kommentar nicht sofort erscheinen, bitten wir Sie um etwas Geduld. Wir behalten uns vor, Kommentare vor der Veröffentlichung zu prüfen. Bitte beachten Sie hierzu auch unsere Netiquette.

loading