Dortmunds Berater Matthias Sammer trauert um den am Sonntag gestorbenen Franz Beckenbauer. „Franz war und ist mein großes Idol. Bei uns zu Hause hängt ein übergroßes Porträt von ihm mit dem Champions-League-Pokal in der Hand“, sagte Europas Fußballer des Jahres 1996, der von 2012 bis 2016 Sportvorstand beim FC Bayern war. „Wir hatten wunderbare Begegnungen, Zeit mit ihm zu verbringen war großartig. Deutschland hat am Sonntag seine wichtigste und größte Fußballpersönlichkeit verloren. Ein sehr, sehr trauriger Tag.“
Auch DFB-Vize Hans-Joachim Watzke verabschiedete sich von „einem der tollsten Menschen, die ich je kennengelernt habe“. Ein Erlebnis ist dem Vorsitzenden der Geschäftsführung von Borussia Dortmund in besonderer Erinnerung geblieben. „Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich eine Ganzkörper-Gänsehaut hatte, als er mir nach unserer deutschen Meisterschaft 2010/2011 das Du angeboten hat.“ Man könne sich wirklich „nur verneigen vor dem, was Franz Beckenbauer für Deutschland und den deutschen Fußball geleistet hat“.
Auch abseits des Fußballs löste die Nachricht große Bestürzung aus
Den Gedanken, Beckenbauer nie mehr zu sehen, machte auch Wolfgang Overath „fertig“. Es sei „nicht vorstellbar, dass er nicht mehr da ist“, sagte er dem SID. Gemeinsam hatten sie 1974 durch ein 2:1 im Finale gegen die Niederlande in München den WM-Titel gewonnen. „Er hat alle überragt, er war so groß - und doch so am Boden geblieben, ein feiner Kerl.“
Auch Overath bekam mit, dass es dem „Kaiser“ in den vergangenen Monaten nicht mehr gut ging. „Zu meinem Geburtstag hat er mich vor drei Monaten mit aller Kraft angerufen, die er noch hatte. Nie hätte ich damit gerechnet, dass es so schnell zu Ende gehen könnte“, sagte der 80-Jährige. Berti Vogts fehlten im SID-Gespräch fast die Worte: „Das stimmt mich sehr traurig, dass man sich so früh schon trennen muss. Wir haben zusammen in der U18 gespielt, in der Nationalmannschaft, waren zusammen bei den Weltmeisterschaften.“
Rudi Völler reagierte „unendlich traurig, die Nachricht seines Todes nimmt mich sehr mit. Ich betrachte es als eines der großen Privilegien meines Lebens, Franz Beckenbauer gekannt und erlebt zu haben“, sagte der Direktor der Nationalmannschaft.
Bundestrainer Julian Nagelsmann schwärmte vom Fußballer Beckenbauer. „Seine Interpretation der Rolle des Liberos hat das Spiel verändert, diese Rolle und seine Freundschaft mit dem Ball haben ihn zum freien Mann werden lassen. Franz Beckenbauer konnte über den Rasen schweben, als Fußballer und später auch als Trainer war er erhaben, er stand über den Dingen“, stellte der Bundestrainer fest.
Nagelsmann betonte auch die Wirkung, die Beckenbauer auf seine Umgebung hatte. „Wenn Franz Beckenbauer einen Raum betrat, hat der Raum geleuchtet, den Titel Lichtgestalt des deutschen Fußballs trug er zurecht. Bis zuletzt umgab ihn eine Aura, an der auch die gesundheitlichen Probleme und Schicksalsschläge, die er zu verkraften hatte, nicht rütteln konnten.“
Auch abseits des Fußballs löste die Nachricht große Bestürzung aus. IOC-Präsident Thomas Bach reagierte mit „großer Bestürzung“ auf Franz Beckenbauers Tod. „Er war eine Legende des Sports weit über den Fußball hinaus. Für mich persönlich ist er über mehr als vier Jahrzehnte hinweg ein guter und treuer Freund gewesen, auf den man sich immer verlassen konnte“, sagte Bach am Montag.
Der 70-Jährige stellte Beckenbauers „Nahbarkeit und seine Bescheidenheit im Umgang mit allen Menschen sowie sein von Herzen kommendes, großes karitatives Engagement“ heraus: „Durch diese Charaktereigenschaften und seine einzigartigen sportlichen Erfolge als Spieler, Bundestrainer und Präsident des Organisationskomitees der Fußball-WM 2006 in Deutschland hat er sich um den Sport in Deutschland wie kaum ein anderer verdient gemacht“, sagte Bach.
Die „Begegnungen und Gespräche“ mit Beckenbauer, der am Sonntag im Alter von 78 Jahren verstorben war, werde er „schmerzlich vermissen. Das IOC wird ihn in ehrenvoller und dankbarer Erinnerung behalten. Meine Gedanken sind bei seiner lieben Frau Heidi, die ihn in der schweren Zeit seiner Krankheit so liebevoll betreut hat, seinen Kindern und seiner Familie.“
Thomas Weikert, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes., sagte: „Franz Beckenbauer hat als Spieler, Trainer und Persönlichkeit die Fans rund um den Globus begeistert und beeindruckt. Der deutsche Sport verneigt sich zum Abschied vor dem Kaiser“.
Söder würdigt Beckenbauer als Botschafter Bayerns in der Welt
Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat Beckenbauer als Botschafter Bayerns in der Welt gewürdigt. „Auch als Weltstar hat er seine Herkunft nie vergessen und ist immer bescheiden geblieben“, schrieb Söder am Montagabend auf der Plattform X (früher Twitter). „Bayern wird diesem großen Sohn des Landes für immer ein ehrendes Andenken bewahren.“
Bereits kurz nach der Nachricht vom Tode Beckenbauers kamen aus Politik und Gesellschaft zahlreiche Reaktionen. Bayerns Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) würdigte Beckenbauer als „Jahrhundertidol“. „Auf dem Rasen ein eleganter Libero und ein Mann der Fairness“, schrieb Aigner. Auch zahlreiche weitere bayerische Politiker äußerten sich.
„Die Lücke, die er hinterlässt, kann niemand schließen; aber die schönen Momente, die er allen Fußballfans geschenkt hat, werden für immer bleiben“, erklärte Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischem Kultusgemeinde München und Oberbayern.