Gasthaus bei Bayreuth „Als Koch muss man in die Welt hinaus“

Ein geselliger Treffpunkt für Jung und Alt war das Gasthaus Zum edlen Hirsch in Seybothenreuth im Landkreis Bayreuth schon immer. In einer Senke des Dorfes mit rund 1200 Einwohnern steht das denkmalgeschützte Sandsteinhaus der Familie Maurer, das seit vielen Jahrzehnten ein Sammelpunkt für familiäre und unvergessene Feste ist.

Seybothenreuth - Andrea Storkenmaier, Köchin und gleichzeitig Wirtstochter des Gasthauses, ist seit ihrer Jugend auf der Suche nach neuen Inspirationen, um die eigene Kochkunst aufzuwerten und damit die Gäste des edlen Hirsch zu verwöhnen. Dafür zog es sie anfangs fort von der Heimat, bevor sie vor über 20 Jahren wieder in den Familienbetrieb zurückkehrte.

Andrea Storkenmaier und ihr Mann Thomas sind seit fast 25 Jahren die Chefs in der Küche des Gasthauses Zum edlen Hirsch und zaubern dort traditionelles Essen aus der Region – ganz nach alten Rezepten der Familie.

Es ist wichtig Erfahrungen zu sammeln

Im 1830 erbauten Gasthaus lebte ununterbrochen eine Generation nach der anderen – stets im Familienbesitz, wurde dort, neben der Landwirtschaft und anderen Aufgaben, gekocht, bewirtet und gelebt. Da die Nachfahren, die das Gasthaus übernahmen, immer weiblich waren, änderte sich lediglich der Nachname der Familie.

Von Familie Böhner über Porsch bis hin zu Maurer prägte der Familienkreis die Ortschaft Seybothenreuth mit. Selten hieß es in der kleinen Ortschaft „Komm, wir gehen zum Edlen Hirschen“, erinnert sich Andrea Storkenmaier. „Da wurden eher die Familiennamen genannt. Komm, wir gehen zum Böhner.“ Die Namensänderungen wurden jeweils immer übernommen.

Bereits in ihrer Jugend half die Wirtstochter im Familienbetrieb aus. Damals war das auch noch unentgeltlich üblich, erzählt sie und besinnt sich zurück auf diese Zeit. Damals stand bereits fest, dass sie eher ungerne im Familienbetrieb weiterarbeiten wollte. Jede Woche Sauer-, Rahm- oder Schweinebraten kochen? Das war Andrea Storkenmaier zu wenig.

„Als Koch muss man in die Welt hinausgehen und Eindrücke sammeln“, ist sie sich sicher. „Kochen ist nicht eine Schiene oder eine Einbahnstraße. Es gibt unendlich viele Variationen, die man ausprobieren kann. Man muss andere Länder sehen und anderes Essen kennenlernen.“ Genau deshalb blieb die junge Köchin zu Beginn auch selten an einem Fleck. Erfahrungen sammeln hieß das Motto.

Die Bandbreite ist entscheidend

Ihre Lehre machte sie in Bad Berneck im Markplatzstüberl. Direkt darauf kochte sie bereits für den Sternekoch Wolfgang Hauenstein im Cuvèe in Bayreuth. „Ich bin so froh, dass ich dort war. Ich habe wahnsinnig viel gelernt.“

Jedoch auch dort verweilte sie nicht lange. Jeweils eine Saison verbrachte sie in einer anderen Küche, um weiter dazulernen zu können. Im Restaurant Hoyerberg Schlössle in Lindau lernte sie dann ihren Mann Thomas kennen. Ab da waren die beiden unzertrennlich und reisten von einer Stadt zur anderen – stets gemeinsam. „Man lebt jahrelang aus einem Koffer. Aufwendig umziehen wollte keiner, deshalb hatte man nur wenige persönliche Sachen. Man hat ja eh ständig gearbeitet“, erzählt Andrea Storkenmaier.

„Irgendwann hatten wir das satt, und da mein Opa uns immer wieder in den Familienbetrieb zurücklockte, entschieden wir uns 1997 für eine Rückkehr in meine Heimat.“ Eine große Umstellung für die beiden, doch eines war von Anfang an klar: Es wird nicht nur klassisch-gutbürgerliche Küche gekocht.

„Man hat als Koch schon eine wahnsinnige Bandbreite“, erklärt Thomas Storkenmaier, der desgleichen von einer Küche zur nächsten wechselte und unter anderem in der Karibik oder der Schweiz kochte. „Allein, wie man das Essen in anderen Ländern anfasst oder zubereitet, macht einen großen Unterschied beim Kochen aus“, ergänzt seine Frau das Gesagte. „In der asiatischen Küche schnitzen die Köche so schnell. Da kann man als Europäer nur staunen.“

Diese Eindrücke und Kochkünste wollten die beiden unbedingt in Andreas Heimat mitbringen und überdies weiter dazulernen.

Selbstgekochtes muss nicht immer gleich schmecken 

Deshalb starteten die beiden verschiedene Koch-Events, um sich auch im edlen Hirsch entfalten zu können. Neben Candle-Light-Dinnern und Steak-Abenden fällt den Köchen immer wieder etwas Neues ein und das Interesse ist groß.

Die Corona-Pandemie machte dem Ganzen erst mal einen Strich durch die Rechnung. Seitdem es Lockerungen gibt, denkt die Familie zwar wieder darüber nach, doch man möchte es langsam angehen lassen.

Zunächst öffnet das Gasthaus nur am Wochenende. Samstags von 11.30 Uhr bis 14 Uhr und von 18 Uhr bis 20.30 Uhr sowie sonntags von 11.30 Uhr bis 14.30 Uhr. Des Weiteren bietet der Familienbetrieb an, für bestimmte feierliche Anlässe auf Bestellung zu kochen. Doch mehr ginge aktuell nicht.

Die Familie rund um Andrea Storkenmaier hofft nun in erster Linie auf bessere Zeiten. Denn weitere Kochideen haben die beiden ständig. „Früher haben wir immer unsere Kinder damit genervt, im Urlaub über die ausländische Küche zu reden. Wir haben das Essen quasi seziert“, witzeln die beiden.

Andrea und Thomas Storkenmaier bestellten nie dasselbe, sondern sprachen sich dabei ab, wer welches Essen bestellt, damit beide vom anderen probieren konnten. „Unser Sohn mahnte uns einmal in Dänemark an: Wenn einer von euch mein Essen probieren will oder darüber redet, gehe ich sofort ins Auto“, erzählt sie lachend. Doch nur so erhält das Paar neue Eindrücke für die eigene Küche, die sie dann gerne weitergeben.

Neben der eigenen Küche arbeitet Andrea Storkenmaier auch als Referentin für Hauswirtschaft und Ernährung. Für den Bauernverband oder die Volkshochschule unterrichtet sie unter der Woche interessierte Hobby-Köche. „Kochen kann jeder, da bin ich mir sicher. Viele müssen nur die Angst vorm Kochen verlieren und nicht immer nur das Rezept abarbeiten. Die Geschmäcker sind ja auch unterschiedlich. Da sollte das Selbstgekochte nicht immer gleich schmecken. Mehr Mut zum Ausprobieren“, appelliert sie und freut sich auf die Zeit, wenn etwas mehr Normalität einkehrt und wieder exotisch sowie kreativ im Edlen Hirsch gekocht werden kann.

Die Sache mit dem Hirsch

Das Gasthaus Zum edlen Hirsch hat einen recht eigensinnigen Namen, mögen einige behaupten. Das stimmt auch. Schuld war ein Tippfehler. Vor knapp 30 Jahren bestellte die Familie einen sogenannten Ausleger für das Gasthaus. Ein großes Werbeschild, das an der Fassade angebracht wird.

Doch nicht irgendein Plastikwerbeschild, sondern ein massives Gerüst aus Stahl und Gold, das ewig halten soll. Damals kostete eine solche Spezialanfertigung über 30.000 Mark. Sehr viel Geld für ein regionales Gasthaus.

Doch, was sich die Familie in den Kopf setzt, das wird auch umgesetzt, und so wurde der Ausleger bei einer Firma, die sich darauf spezialisiert hat, bestellt. Zu diesem Zeitpunkt hieß das Gasthaus seit über hundert Jahren „Zum edlen Hirschen“.

Die ganze Straße musste damals gesperrt werden, erinnert sich die Wirtin Hannelore Maurer, die Mutter von Andrea Storkenmaier. Das schwere Schild wurde in Schwerstarbeit an der Front des Gasthauses angebracht und thront dort seit nunmehr drei Jahrzehnten.

Zunächst bemerkte keiner den Fehler, doch dann kam der große Schock. Anstatt „Zum edlen Hirschen“ stand auf der schweren Tafel „Zum edlen Hirsch“. Ein Tippfehler der Firma hing nun an der Außenseite des denkmalgeschützten Hauses.

Die Familie rund um Andrea Storkenmaier ist jedoch für schnelle Entscheidungen bekannt und eine Lösung war schnell gefunden. „Wir haben den Namen übernommen und behalten. Es war einfacher, den Briefkopf unserer Rechnungen zu ändern, als das Schild wieder abmontieren zu lassen“, erzählt Rolf Dieter Maurer, ihr Ehemann, laut lachend. Seither heißt das Gasthaus „Zum edlen Hirsch“.


Rezept: Riesengarnelen auf pikanten Gemüse-Spaghetti

Das brauchen Sie dazu: 4 – 5 Esslöffel Olivenöl, 1 halbe Zwiebel, 1 Zucchini, 1 Karotte, 1 Prise Chili, Salz, Pfeffer, 100 Milliliter Brühe (gut gewürzt), 1 Teelöffel Knoblauchöl, 100 Gramm Spaghetti (Nummer 7, nicht zu dünn), 1 – 2 Esslöffel Blattpetersilie, 3 Riesengarnelen mit Kopf (Seawater 5/6).

Und so wird’s gemacht: Einen Topf mit Salzwasser aufstellen, um die Spaghetti zu kochen.

In der Zwischenzeit werden die Riesengarnelen geputzt, also gewaschen; dann die Schuppenglieder abgepellt, bis auf die zwei letzten Schuppen, die bleiben dran. Nun schneidet man am Rücken entlang vorsichtig leicht ein und entfernt den Darm. Danach nochmals waschen, auch das Kopfteil auswaschen.

Die Karotte schälen und die Zucchini säubern. Mit einem Spiralschneider die Karotte und die Zucchini in Spiralen schneiden. Die Karotten kurz blanchieren, sonst werden sie später beim Anschwenken nicht weich.

Die Garnelen auf einem Teller mit Salz, Pfeffer, Knoblauchöl und Zitronensaft würzen. Die Petersilie waschen, trocken tupfen und grob schneiden. Jetzt brauchen Sie zwei Pfannen. In beide etwas Olivenöl geben und erhitzen.

Die Zuccini- und die Kartottenstreifen sowie die Zwiebel in eine Pfanne geben. Etwas anbraten lassen, in die zweite Pfanne wandern jetzt die Garnelen; diese circa ein bis zwei Minuten von jeder Seite gut anbraten. Jetzt die Nudeln zu dem Gemüse geben, die Brühe zuschütten sowie Salz, Pfeffer und Chili zum Würzen.

Zum Schluss die gehackte Petersilie unter die Nudeln mischen. Alles schön anrichten.

TIPP: Jede Art von Fischfilet passt genauso gut zu dem Essen wie die Garnelen. Ein Franken Silvaner passt mit seiner Säure perfekt zu dem Fisch und rundet das Ganze ab.

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