Zukunftstechnologie in Wunsiedel Zwei Tage rund um Wasserstoff

Matthias Bäumler
Auch den Elektrolyseur werden die Teilnehmer der Busexkursion in den Wunsiedler Energiepark zu sehen bekommen. Foto: /Matthias Bäumler

Der Landkreis veranstaltet erstmals eine Fachtagung zum Energieträger der Zukunft. Auch für Laien gibt es ein großes Programm.

Als Ministerpräsident Markus Söder vor Kurzem den Wunsiedler Energiepark besucht, outet er sich als Fan der Stadt. „Ganz Deutschland, ja die ganze Welt schaut auf Euch“, sagt er und belässt es nicht bei schönen Worten. Er verspricht der Stadt einen Technologie-Campus samt Future-Energy-Lab und will diesen sehr, sehr großzügig unterstützen.

Ein wesentlicher Grund für die Begeisterung des Landesvaters sind die pfiffigen Macher der Energiewende, allen voran Marco Krasser von der SWW, die demnächst mit der Produktion grünen Wasserstoffs einen weiteren Meilenstein setzen. Aber nicht nur in der Stadt Wunsiedel werkeln sie an einer nachhaltigen und klimaneutralen Zukunft der Energieversorgung, auch der Landkreis begibt sich auf diesen Weg. Schon seit geraumer Zeit darf er sich als „Hy-Expert“-Region bezeichnen.

Das „Hy“ steht für Wasserstoff. Wie berichtet, hat sich die Region erfolgreich an einem Bundeswettbewerb zur Wasserstoffstrategie beteiligt und die erste Stufe erklommen. Im Herbst schickt der Landkreis die Bewerbung für die zweite Stufe, in der der Titel „Hy-Performer“ zu vergeben ist. Dieser ist mit einer Fördersumme von 20 Millionen Euro hinterlegt, Geld, für das im Landkreis genug Ideen vorhanden wären. Zuvor veranstaltet der Landkreis seine ersten Wasserstofftage. Am Donnerstag, 30. Juni, und Freitag, 1. Juli, dreht sich alles um die Eier legende Wollmilchsau der Energiezukunft. „Wasserstoff wird immer populärer und vor allem immer wichtiger“, sagt Landkreis-Klimaschutzmanager Jürgen Kromer im Gespräch mit der Frankenpost. Und Jan Friedrich von der Gesellschaft Endura Kommunal, die den Landkreis berät, ergänzt, dass Wunsiedel schon heute als einer der Vorreiterlandkreise der neuen Technologie gilt. Er muss es wissen, ist sein Unternehmen doch in vielen Teilen Deutschlands vertreten.

Ein Vorreiterlandkreis

Fast jeder interessierte Bürger freut sich wahrscheinlich über den Fortschritt. Doch wer hat sich eigentlich schon mal richtig intensiv mit der Wasserstofftechnologie befasst? Dies sollen nun die Wasserstofftage auf eine interessante Weise ermöglichen. „Wir bieten ein riesiges Programm, das für Experten ebenso reichhaltig sein wird wie für Laien“, sagt Jan Friedrich. Unter anderem erwarte die Besucher eine ganze Reihe von Vorträgen. Dabei geht es unter anderem um die Wasseraufbereitung für die Wasserstoffproduktion. Wer weiß schon, dass die Firma Hydrotec aus Selb auf diesem Gebiet eine große Nummer ist? Für Autofahrer interessant dürfte der Vortrag von Max Becker von der OTH Amberg-Weiden zum Thema „Wasserstoff im Verbrennungsmotor“ sein.

Fahrt mit dem E-Bus

Den eher theoretischen Vorträgen schließt sich eine Ausstellung vor und in der Fichtelgebirgshalle an. Hier wird ein Bus mit Brennstoffzelle die Blicke auf sich lenken. Auch Siemens, die SWW Wunsiedel und Rießner-Gase aus Lichtenfels (sie betreiben in dem gemeinsamen Unternehmen WunH2 die Wasserstoffproduktion) bestücken die Ausstellungsfläche mit Anschauungsobjekten und Infotafeln. Zwar nicht mit einer Wasserstoff-Brennstoffzelle, aber immerhin mit einem Elektromotor ausgestattet ist der Bus, der während der beiden Fahrten Teilnehmer für Kurzexkursionen in den Wunsiedler Energiepark bringt.

„Uns geht es an den beiden Tagen auch um die Akzeptanz der Wasserstofftechnologie. Manch einer kennt Wasserstoff lediglich aus dem Chemieunterricht, wenn es kracht“, sagt Jan Friedrich. Dabei gebe es die industriellen Anwendungen schon seit vielen, vielen Jahren.

Dass Wasserstoff nicht nur für neuartige Antriebe dient oder zur Stromgewinnung und als Ersatz für Erdgas eingesetzt wird, sondern auch etwas mit dem Frühstückstisch zu tun hat, erläuterte kürzlich der Siemens-Manager Andreas Schmuderer in Wunsiedel. So seien unter anderem die Margarinehersteller auf Wasserstoff angewiesen. Nur dank des Gases gelingt die spezielle streichfeste Konsistenz des Pflanzenfetts.

Viele machen es vor

So manche Kommune setzt beim öffentlichen Nahverkehr schon heute auf den Wasserstoffantrieb. Die Millionenstadt Köln gilt hier deutschlandweit als Vorreiter. Derzeit sind um die 40 Busse im Einsatz, bis 2025 wird die Flotte auf 108 aufgestockt. In der Schweiz rollen ebenfalls vergleichsweise viele Lastwagen mit Wasserstoffantrieb auf den Straßen. Die sind zwar ziemlich teuer, allerdings sparen sie die ebenfalls teuren Mautgebühren, da die Wasserstoff-Lastwagen CO2-neutral fahren.

Gut möglich, dass auch der Landkreis Wunsiedel über kurz oder lang vom Wasserstoffproduzenten (ab Spätsommer) zum Wasserstoffanwender wird. Sollte die Region tatsächlich in die „Hy-Performer“-Liga aufsteigen, würde dies laut Kromer noch einmal gut 40 Millionen Euro Investitionen aus der Industrie auslösen. Ordner mit Projektideen aller Art gibt es schon in den Schubladen vieler Betriebe und Behörden.

Einen Überblick über das Thema Wasserstoff, das zahlreiche Experten als das nächste große Ding der Energietechnik sehen, gibt es mit Vorträgen, Diskussionen und Anschauungsobjekten bei den Wasserstofftagen in Wunsiedel am 30. Juni und 1. Juli.

 

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