Zu wenige Ärzte für zu viele Patienten

Von Andreas Gewinner und Moritz Kircher

Manfred Hentsch hat seine Hausarztpraxen in Weidenberg und Mehlmeisel zum 31. Dezember geschlossen. Einen Nachfolger wird es in beiden Orten nicht geben. Obwohl der Bedarf da ist. Die drei noch vorhandenen Ärzte in Weidenberg arbeiten nach eigener Aussage am Anschlag. In Mehlmeisel gibt es nun keinen Hausarzt mehr. Der Arztsitz wandert nach Fichtelberg, wohin künftig wohl auch die Patienten fahren müssen.

Der Weidenberger Arzt Stefan Hülper im Patientengespräch. Er ist einer von drei Hausärzten, die noch in Weidenberg praktizieren. Vor wenigen Jahren gab es noch fünf Kollegen. Nachdem nun eine weitere Praxis geschlossen hat, sagen die Ärzte: Wir können keine weiteren Patienten mehr aufnehmen. Foto: Andreas Harbach Foto: red

Ärztversorgung in Weidenberg

"Die Situation ist extrem angespannt", sagt Stefan Hülper, der mit seinem Kollegen Michael Müller eine Gemeinschaftspraxis in Weidenberg betreibt. Neue Patienten aufnehmen, die nach dem Rückzug von Hentsch eine wohnortnahe Praxis suchen? Keine Chance. "Wir sind völlig ausgelastet." Das gleiche sagt Cathrin Roider, die dritte noch verbliebene Hausärztin in Weidenberg. Sie weiß nicht, wie sie mit dem Patientenandrang auf Dauer zurecht kommen soll. "Mir tut es in der Seele weh", sagt sie. Aber weitere Patienten aufnehmen? "Das schaffe ich nicht."

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Manfred Hentsch setzt sich nicht ganz zur Ruhe. "Eigentlich bin ich in Rente", sagt er. Er macht aber noch eine Weile als Arzt in der Praxis von Stefan Pecher in Fichtelberg weiter, der auch den kassenärztlichen Sitz übernommen hat. Hentsch sagt, er habe einen Nachfolger für seine Praxen in Weidenberg und Mehlmeisel gesucht. Aber eine eigene Praxis auf dem Land? "Das tut sich kein junger Arzt an."

Mit seinen Kollegen in Weidenberg hat es allerdings keine Gespräche gegeben. Und zumindest Cathrin Roider hätte Interesse an dem Sitz gehabt. Sie habe ihre Praxis erst im November renoviert und ausreichend Platz, einen weiteren Kollegen aufzunehmen. Sie sagt: "Natürlich wäre ich daran interessiert gewesen."

Die Neuvergabe eines Arztsitzes läuft über die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB). Man habe lange mit Hentsch in Verbindung gestanden, teilt sie auf Kurier-Anfrage mit. "Leider ist es trotz intensiver Bemühungen bis dato nicht geglückt, einen Niederlassungsinteressenten für diesen Standort zu finden", so die KVB schriftlich. Die niedergelassenen Ärzte in Weidenberg sagen, bei ihnen habe niemand angefragt.

KVB-Sprecherin Birgit Grain spricht von einem standardisierten Verfahren. Der abgebende Arzt meldet den frei werdenden Sitz, der dann auf der Internetseite der Vereinigung angezeigt wird. Ärzte können sich auf den Sitz bewerben. Der abgebende Arzt kann allerdings auch auf eigene Initiative einen Nachfolger für den Arztsitz suchen. Im Einvernehmen mit der KVB habe er seinen Sitz an den Kollegen Pecher in Fichtelberg abgetreten, sagt Manfred Hentsch.

Ärztrversorgung in Mehlmeisel

Anders als in Weidenberg gibt es in Mehlmeisel nun gar keinen Arzt mehr. Hentschs Mehlmeisler Patienten können sich aber für mindestens drei Monate weiter von ihm behandeln lassen – in der Arztpraxis Pecher in Fichtelberg-Neubau. Stefan Pecher, der Hentschs kassenärztliche Zulassung übernommen hat, sagt: „Wir haben als Praxis mit sehr netten und zielführenden Verhandlungen mit Dr. Hentsch vereinbart, dass der kassenärztliche Sitz von ihm an Frau Dr. Angerer Daum weitergegeben wird.“

Angerer Daum arbeitet seit drei Jahren in der Praxis Pecher in Fichtelberg-Neubau. Hentsch arbeitet aber zusätzlich für mindestens drei Monate weiter in Pechers Praxis. „Wenn eine kassenärztliche Zulassung in einen anderen Ort abwandert, muss der Arzt eine Zeit lang am neuen Ort weiterarbeiten“, teilt Pecher mit. Hausbesuche werde Angerer Daum übernehmen, auch in Weidenberg, wo sie wohnt.

Auch wenn es in Mehlmeisel selbst nun keinen Arzt mehr gebe, sei die ärztliche Versorgung doch gesichert: „Es müssen genügend Ärzte da sein, aber nicht unbedingt einer an jedem Ort“, so Pecher. Und außerdem bleibe somit ein landärztlicher Sitz erhalten, „der sonst sicherlich an die Stadt verloren gegangen wäre“.

In der Mehlmeisler Nachbargemeinde Brand gibt es übrigens schon seit 2012 keinen Allgemeinarzt mehr. Die nächsten Ärzte in dieser geografischen Richtung sind erst wieder in Nagel und Ebnath.

So funktioniert die Verteilung der Arztsitze

Ein Arzt darf sich nicht einfach irgendwo niederlassen und Kassenpatienten versorgen. Er braucht dafür eine Kassenärztliche Zulassung beziehungsweise einen Vertragsarztsitz. Erst dann darf er seine Behandlungen mit der Krankenkasse abrechnen. Die Arztsitze sind ein begrenztes Gut. Und sie sind innerhalb des „Mittelbereichs Bayreuth“ nicht an eine Gemeinde gebunden gebunden. Hört beispielsweise ein Arzt in Fichtelberg auf, könnte sein Arztsitz theoretisch nach Bayreuth oder nach Hollfeld vergeben werden.

Hört ein Arzt auf, muss seine Zulassung zwar ausgeschreiben werden, er kann sie letztlich aber verkaufen, an wen er will. Findet er keinen Käufer, fällt sie zurück an die KVB, in diesem Fall im „Mittelbereich Bayreuth“, der Stadt und bis auf das Pegnitzer Umland den Landkreis Bayreuth umfasst.

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