Zu wenig Nahrung für insektenjagende Vögel Langer Regen tötet Mauersegler

Selbst die Vögel hatten von der Kälte und dem Dauerregen der vergangenen Wochen die Schnauze  - respektive den Schnabel - voll. Sie wollten nur noch eins: Sonne und Wärme. Nun haben Vögel im Vergleich zum Menschen einen nicht zu unterschätzenden Vorteil. Sie können sich einfach auf und davon machen. Ihrem Nachwuchs wurde das allerdings vielfach zum Verhängnis. Von ihren Eltern im Stich gelassen fielen etliche von ihnen nun der Witterung zum Opfer.

Drei tote Schwalben im Glassarg und mahnende Klänge: Carili machte gestern in der Bayreuther Fußgängerzone auf die Not von Vögeln aufmerksam. Foto: Sommerer Foto: red

Unter dem Wetter der vergangenen Wochen litten vor allem Vögel, die im freien Luftraum nach Insekten jagen, erklärt Karsten Gees vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) in Bayreuth. Denn das nasskalte Wetter hinderte auch die Insekten am Flug, worunter wieder Mauersegler, Schwalben und auch viele Fledermäuse (Hunger) leiden mussten. Für Insektensammler wie Rotkehlchen oder Meisen war das Wetter dagegen kein Problem.

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Mauersegler und Schwalben jedoch litten. Ältere Mauersegler kehren dem schlechten Wetter in solchen Fällen einfach den Rücken, es zieht sie in den Süden, sagt Gees. Und Mauerseglerküken können zwar in eine Hungerstarre fallen und mehrere Tage ohne Futter überbrücken. So passen sie sich an eine Schlechtwetterperiode an. Doch in diesem Jahr dauerte das schlechte Wetter einfach zu lange. Gees geht davon aus, dass etliche Jungtiere verhungert sind. Den LBV erreichten viele Hinweise auf entkräftete Vögel und Anfragen, wie diese aufzupäppeln wären.

Auf die Not der Mauersegler machte am Mittwoch auch Carili - "das ist der Name, den ich jetzt benutze" - aufmerksam. In einen wallenden schwarzen Umhang gehüllt, das Gesicht mit einer venezianisch anmutenden Halbmaske verdeckt, Klangstäbe und Gong in der Hand, die sie ununterbrochen zum Tönen brachte, wollte sie Passanten in der Fußgängerzone auf das Problem aufmerksam machen. Auf handschriftlichen Plakaten zeigte sie auf, wie Vögeln geholfen werden kann (einen Öko-Garten anlegen, Kindern die Natur näherbringen...) und bat um einen "letzten Gruß an die Schwalben", die mit den Sylphen, mythologischen Luftgeistern, in Verbindung stehen würden. In einem gläsernen Sarg hatte sie drei tote Schwalben drapiert. Carili hatte sie vorgestern gefunden.

Gees ist derweil froh, dass der Wetterbericht nun Sonne und Wärme verspricht. Denn wenn es deutlich wärmer wird, säßen auch die Insekten in den Startlöchern - und insektenjagende Vögel haben wieder ein ausreichendes Nahrungsangebot.

us