Zoff-Campus Oberfranken Bayreuth bald wieder ohne Studenten?

Seit am Klinikum Bayreuth eine Außenstelle der Uni Erlangen ist, kracht es zwischen den Institutionen. Foto: Ute Eschenbacher

Zoff- statt Medizin-Campus Oberfranken: Der Streit zwischen der Uni Erlangen und dem Klinikum Bayreuth hört nicht auf. Jetzt droht die Uni, die Studenten von Bayreuth abzuziehen. Und dem ungeliebten Bayreuther Klinik-Chef droht sie gleich mit. Denn es fehlen Verträge und es soll ein hintenrum-Telefonat gegeben haben.

Es kracht im Streit zwischen Bayreuths Klinik-Chef Prof. Hans-Rudolf Raab und der Uni Erlangen. Die Erlanger machen schwere Vorwürfe: Raab habe es immer noch nicht geschafft, die Verträge mit seinen Chefärzten zu unterschreiben, er rede hintenrum mit noch nicht berufenen Professoren. In einem Brief an den Aufsichtsrat des Klinikums und an den OB wiederholt Uni-Präsident Joachim Hornegger diese Drohung, die Bayreuther Studenten nach Erlangen zu holen. Dann blieben die teuer bezahlten Lehrsäle am Klinikum leer.

Seit Mai läuft die Lehre am Medizincampus Oberfranken (MCO). Am Klinikum Bayreuth werden Medizinstudenten ausgebildet, dafür fließen jährlich etwa 15 Millionen Euro nach Bayreuth. Verantwortlich fürs Studium ist die Uni Erlangen, für die Krankenversorgung das Klinikum. Zwischen beiden kracht es, seit Raab im Amt ist. Verschärft hat sich der Streit, seit drei Chefärzte sich gegen die Kürzung ihres Gehalts wehren, als sie zu Professoren berufen wurden.

Vorwurf 1

Sowohl die drei Chefärzte als auch die Uni Erlangen verweisen auf eine Zusage von Thomas Ebersberger (CSU). Der OB und Aufsichtsrats-Chef der Klinikum GmbH hatte den drei vor Zeugen zugesichert, die Freiheit von Forschung und Lehre zu beachten. Darin enthalten ist die Verfügung über ein Drittmittelkonto, auf das jenes Geld fließen soll, das den Chefärzten abgezogen wird, wenn sie ihr zusätzliches Professorengehalt bekommen. Es geht auch um die Länge von Dienstreisen und damit verbundener Abwesenheit als Chefarzt.

> Check: Professoren im Geldstreit und ohne Vertrag – peinlich für beide Seiten. Nach Informationen des Kuriers waren bei der Zusage des OB an die Chefärzte sowohl Landrat und Zweckverbandsvorsitzender Florian Wiedemann (FW) als auch der kaufmännische Geschäftsführer des Klinikums, Alexander Mohr. Einen Tag vor dem offiziellen Start des MCO hatte sich auf Betreiben der Uni Erlangen auch der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) eingeschaltet. Seit Monaten ist die Vertragsfrage ungelöst. Das Klinikum sprach am Donnerstag „von einem baldigen Vertragsabschluss“.

Vorwurf 2

Berufungen von Professoren an Universitäten sind strengstens geregelt. Die Entscheidungshoheit, wer als Professor in Bayreuth infrage kommt, hat die Uni Erlangen. Raab soll während eines Berufungsverfahrens mit einem Bewerber telefoniert haben. Darin sieht die Uni Erlangen einen Vertrauensbruch. Sie hat Raab am Mittwoch für ein Berufungsverfahren ausgeladen (er kam auch nicht) und droht, ihn für immer auszuschließen. Raab dürfte dann bei keinem Professor für Bayreuth mitreden. Klinikumssprecher Frank Schmälzle bestätigt zwar nicht ein Telefonat, sagt aber, es habe „keine Einmischung etwa im Sinne einer Zusage“ gegeben. Ein „Missverständnis“ sei „nicht auszuschließen“.

> Check: Stimmen die Vorwürfe, wäre das ein herber Vertrauensbruch und das Aus für Raabs Zusammenarbeit mit der Uni. Denn eine seiner Hauptaufgaben am Klinikum ist der MCO. Für die Auswahl neuer Professoren gibt es an der Uni einen Berufungsausschuss. Der erstellt eine Liste der besten Kandidaten. Die stellen sich der Fakultät vor. Studentenvertretung, Frauenbeauftragte, aber auch das Klinikum Bayreuth geben ihre Stellungnahmen ab. Das Klinikum hat aber kein Stimmrecht. Es entscheidet erst der Senat, dann die Uni-Leitung Erlangen. Erst dann dürfen sich Bayreuth und Kandidat einigen. Erst danach beruft die Uni den neuen Professor.

Vorwurf 3

Die Vertreter der Uni Erlangen lobten Anfang Juni beim offiziellen Beginn des Lehrbetriebes vom MCO, dass alles rund um den Bau sehr gut und sehr schnell geklappt habe. Aber sie tadelten, dass dies eben nicht überall der Fall war. Damals klang durch, dass der MCO als Vorzeigeprojekt zwar nicht scheitern dürfe, notfalls aber würden die Studenten auch in Erlangen unterrichtet. Diese unverhohlene Drohung wiederholten die Erlanger jetzt in einem Brief an Aufsichtsrat und dessen Chef Ebersberger, der dem Kurier vorliegt. Dort heißt es: „[…] zur klinischen Ausbildung der Medizinstudierenden des MCO am Standort Erlangen sollte es nicht kommen.“

> Check: Es wäre eine Gefahr für den MCO, dessen ausdrückliches Ziel es ist, Studenten eben nicht nur in größeren Städten auszubilden. Schon vor Beginn des Semesters machten sich beide Seiten Vorwürfe hinsichtlich des Umgangstones. In Erlangen kursiert schon lange eine Notlösung: Die Bayreuther sollen mit Bussen zum Studieren nach Erlangen gebracht werden. Das ist ernstzunehmen, weil der politische Druck gegen den unliebsamen und umstrittenen Klinik-Chef Raab wachsen soll. Und es wäre leicht umzusetzen.

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