Erst mit fast 50 Jahren hatte sich Vilsmaier als Regisseur erprobt: 1988 inszenierte er "Herbstmilch", einen eindrucksvollen Kinofilm über das harte Leben der niederbayerischen Bäuerin Anna Wimschneider. Mit der Literaturverfilmung "Schlafes Bruder" sorgte er international für Aufsehen und ging 1995 sogar ins Rennen um den Oscar. Nicht minder erfolgreich und mit vielen Preisen überhäuft war auch der Streifen "Comedian Harmonists" über das weltberühmte Vokalensemble aus Berlin.

2015 drehte der Filmemacher in Selb im Werk Rosenthal Szenen für seinen Film "Bayern - sagenhaft". Zwei Jahre später präsentierte er die Dokumentation über Brauchtümer und mit Kabarettistin Monika Gruber als Protagonistin dann in Hof im Central-Kino.

Auch bei den Internationalen Hofer Filmtagen war Vilsmaier ein gern gesehener Gast; gehörte sogar zu den Mitwirkenden der ersten Stunde des Hofer Filmfestivals: Bei der zweiten Auflage 1968 war er der Kameramann des Kurzfilms "Träume von Attenham". Regie führte kein geringerer als Heinz Badewitz, der ebenfalls bereits verstorbenen Gründer der Hofer Filmtage. Badewitz sagte einmal über Vilsmaier: "Er war so einer meiner ersten Kontakte, die mir aber sehr viel geholfen haben."

Seine letzte Regiearbeit konnte Vilsmaier noch verwirklichen. Es war der Kinofilm "Der Boandlkramer und die ewige Liebe" mit Michael Bully Herbig und Hape Kerkeling. Vilsmaier hatte seine eigene Filmproduktion in Grünwald - die Perathon Medien GmbH.

Der Regisseur hinterlässt die drei erwachsenen Töchter Theresa, Janina und Josefina - wie ihre Eltern auch im Filmgeschäft aktiv. Seine Ehefrau Dana Vávrová war bereits 2009 gestorben.

Zum Beruf des Regisseurs war Vilsmaier über Umwege gekommen. Nach seiner Kindheit und Jugend in Niederbayern und München studierte er neun Jahre lang Musik, Schwerpunkt Klavier. Er arbeitete als Techniker und musizierte in einer Jazzband. Mit Anfang 20 kam er 1961 zum Film, erst als Materialassistent, später als Kameramann.

In der Branche nannten alle den humorvollen und manchmal auch grantelnden "Bayern mit Leib und Seele" liebevoll Sepp.

Auch der BR-Intendant Ulrich Wilhelm zeigt sich tief betroffen:

"Der Bayerische Rundfunk trauert um Joseph Vilsmaier, einen herausragenden Künstler, der es wie kein anderer verstand, den bayerischen Film in die Welt hinauszutragen.

Seit fast 50 Jahren hat er mit seinen Werken die Filmlandschaft maßgeblich geprägt: als Kameramann, Regisseur und Produzent. Zu seinen großen Erfolgen gehören Filme wie 'Herbstmilch', 'Rama dama', 'Schlafes Bruder' und 'Comedian Harmonists', aber auch Dokumentarfilme wie 'Bavaria – Traumreise durch Bayern' und 'Bayern – Sagenhaft'. Die deutsche Filmwelt verliert mit Joseph Vilsmaier eine bedeutende Persönlichkeit. Unser ganzes Mitgefühl gilt seiner Familie und seinen Angehörigen."