Zehn Millionen für Sanierung Markgrafenhallen: Doktoren statt Dornröschen

BAYREUTH. Baumaschinen bestimmen das Bild. Handwerker, die ein- und ausgehen. Dazwischen schon die ersten Nutzer: Menschen mit Sporttaschen, die ins Fitnessstudio gehen. Oder die gerade ihr Training hinter sich haben. Mütter mit ihren Kindern. Bald wird noch viel mehr Publikumsverkehr sein. Wenn die Markgrafenhallen fertig saniert sind - und eine Nutzung haben, die sich von der alten unterscheidet.

Seit den 90er Jahren sind die Markgrafenhallen im Besitz der Nürnberger Alpha-Gruppe. Jetzt gibt es erstmals eine grundlegende Sanierung, denn "das Gebäude war noch weitgehend in seinem Urzustand", wie der Projektverantwortliche der Alpha-Gruppe, Max Müller, am Montag im Gespräch mit dem Kurier sagt. "Unser Fokus liegt stark auf Nürnberg, deshalb hat das Projekt hier etwas geschlafen", sagt Müller. Die Markgrafenhallen hätten sich "im Stadium der Zwischennutzung" befunden, einer Art Dornröschenschlaf vermieteter Substanz: Kleinräumige und bunt gemischte Nutzung, günstige Mieten, "die irgendwann nicht mehr gereicht haben, die laufende Instandhaltung zu sichern".

Neue Nutzung mit größeren Einheiten

Deshalb, sagt Müller, habe man sich "überlegt, eine neue Nutzung rein zu bringen". Verbunden mit einer Sanierung der ursprünglichen Spinnerei-Hallen, die aus dem 19. Jahrhundert stammen. Das betrifft vorwiegend den Kopfbau des insgesamt rund 8000 Quadratmeter großen Komplexes in direkter Nachbarschaft zum Bayreuther Bahnhof. Dieser rund 1000 Quadratmeter große Vorderbau ist, wie Müller es formuliert, der "öffentliche Bereich der Markgrafenhallen". Der hintere und deutlich größere Bereich wird weiter vom Hauptmieter, von Campus direkt, dominiert, die "zusammen mit der Tanzschule Jahn und der Sprachschule Bilge ziemlich die einzigen Mieter sind, die über die Sanierung hinweg hier geblieben sind".

Mund-zu-Mund-Propaganda: Drei große Arztpraxen

Überraschend für Müller und seine Kollegen der Nürnberger Immobilien-Gruppe: "Normalerweise macht man ein Konzept für ein Gebäude und geht danach in die Vermarktung. Hemdsärmlig, wie wir sind, wollten wir sehen, was Bayreuth so hergibt. Aber wir sind gar nicht zur Vermarktung gekommen", sagt der Projektleiter. Neben einem neuen Fitness-Studio, einer Ergo- und Logopädie-Praxis werden drei große Arztpraxen in den Kopfbau ziehen: "Über Mund-zu-Mund-Propaganda haben die Ärzte bei uns angerufen. Wir haben die Flächen inhaltlich mehrfach gedreht, jetzt ist alles vermietet", sagt Müller. Man hätte aufgrund der Vielzahl an Anfragen "sogar ein komplettes Ärztehaus machen können".

Viel Licht durch die Sheddach-Konstruktion

Die Allgemeinarztpraxis an der Frontseite ist so gut wie fertig, dort soll es im Herbst bereits losgehen. Bei der großen Augenarztpraxis startet in Kürze der Ausbau, die Hals-Nasen-Ohrenarzt-Praxis ist im Rohbau. Was allen Nutzern gemein ist: Sie können mit dem Licht, das die charakteristische Sheddach-Konstruktion der Hallen mit den schräggestellten Fensterbändern bietet, spielen. "Früher waren dort Klarglas, jetzt sind Polycarbonatscheiben eingebaut. Gibt ein schönes Licht und ein angenehmes Klima", sagt Müller.

Charakter des Hauses soll erhalten bleiben

Ziel der rund zehn Millionen Euro teuren Sanierung sei zum einen, "den Charakter des Hauses zu erhalten", sagt Müller. Nicht nur die Dachkonstruktion, sondern auch die gusseiserne Stützenkonstruktion. Zum anderen wolle man den Wandel spiegeln: "Früher die Produktion, jetzt die Dienstleistung, die dominiert." Auch wenn es nicht einfach gewesen sei, in der derzeitigen Hochkonjunktur die Handwerker zu bekommen, die ein solch umfangreiches Projekt umsetzen könnten, sei man zuversichtlich, "bis April 2019 fertig zu werden", sagt Müller. Neben dem Innenausbau, der langsam Richtung Zielgerade einbiegt, werden in den kommenden Monaten noch die Außenanlagen fertiggestellt. 170 Parkplätze wird es auf dem Grundstück geben. Müller ist überzeugt: Die Sanierung lohnt sich. "Es ist auch für die Stadt gut, dass sich in der zentralen Lage etwas getan hat."

Keine kleinen Büros mehr

In den Markgrafenhallen gibt es "keine kleinen Einheiten mehr", sagt der Projektleiter Max Müller im Gespräch mit unserer Zeitung. Bis zum Beginn der Sanierung im September 2017 habe es die Möglichkeit gegeben, auch nur rund 50 Quadratmeter große Büroflächen zu mieten. Was viele für vergleichsweise kleines Geld, Müller spricht von 2,20 Euro pro Quadratmeter, genutzt hätten. Jetzt werden Flächen von 200 Quadratmeter aufwärts angeboten. Einige Mieter wie der Verein Altstadt-Kult oder der Verein Agus hatten sich, nachdem die Sanierungspläne bekannt geworden waren, auch an den Kurier gewandt, weil sie ihr Domizil verlieren sollten. Beschwerden hätten die Alpha-Gruppe jedoch nicht erreicht, sagt Müller auf Nachfrage. Auch wenn klar gewesen sei, "dass die Mieter sich nicht freuen. Es hätten jedoch alle die Möglichkeit gehabt, den Weg mit uns weiter zu gehen, auch wenn sich die Struktur verändert hat und es die kleinen Räume nicht mehr gibt".

 

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