Wunsiedler Betrieb regelt Nachfolge Neuer Gesellschafter unterstützt die Farbenwerke

Firmenchef Dr. Wolfram Ley verlässt mit 83 Jahren die Geschäftsführung­ des Familienunternehmens. Seiner Tochter Angelika­ Nürnberger hilft nun ein Minderheitsgesell­schafter als juristischer Berater.

Wunsiedel - Es ist ein großer Schritt für Dr. Wolfram Ley, der 1964 mit seiner Frau Gisela aus Basel nach Wunsiedel zurückkehrte, um in den Betrieb seines Vaters einzusteigen: Am Freitag kündigte der 83 Jahre alte Vorsitzende Geschäftsführer an, in der Unternehmensgruppe Farbenwerke Wunsiedel und dem Schwesterunternehmen Master Tec, die er selbst so erfolgreich gemacht hat, nur noch als Mitinhaber fungieren zu wollen.

Auftrag: Neues finden

„Finde etwas Neues“, hatte sein Vater ihm damals aufgetragen. Wie gut das gelungen ist, bewies die Jubiläumsfeier „50 Jahre­ PVC-Pigmentmischungen“ am Freitag in Wunsiedel. Das Familienunternehmen zählt längst weltweit zu den führenden Experten, wenn es um hochwertige Einfärbelösungen für Kunststoffanwendungen oder bauchemische Produkte­ geht.

117 Mitarbeiter

117 Beschäftigte arbeiten heute in den verschiedensten Bereichen der Wunsiedler Firmengruppe, für die die Entstehung der Produktsparte „Pigmente für die PVC-Einfärbung“ bahn­brechend war. Bis heute ist das Unternehmen in diesem Bereich stark und besonders spezialisiert.

Die Zukunftsfrage

Den Auftrag seines eigenen Vaters hat Dr. Wolfram Ley bravourös erfüllt. Doch musste er selbst ebenfalls etwas Neues finden. Denn er möchte zwar aufgrund seines Alters aus der Geschäftsleitung des Familienbetriebs aussteigen, aber der Firma samt allen Beschäftigten eine gute Zukunft ermöglichen.

Berater genießt Vertrauen

Deswegen haben sich die drei bisherigen Gesellschafter – Ley selbst, seine 80 Jahre alte Frau Gisela und ihre 53 Jahre alte Tochter Angelika Nürnberger – entschieden, einen weiteren Gesellschafter aufzunehmen. Oliver Heinekamp, seit Jahren als Steueranwalt und juristischer Berater für die Firma tätig, soll künftig Angelika Nürnberger unterstützen. „Er kennt uns seit langem und genießt unser aller Vertrauen“, betonte Ley am Freitag.

Die Geschäftsführer bleiben

In der Unternehmensgruppe nähmen Nürnberger und Heinekamp allerdings lediglich die Inhaber-Kontrollfunktion wahr. Denn beide wollten wie bisher ihre eigenen Firmen weiterführen: Heinekamp seine Kanzlei in Bayreuth, Nürnberger ihre Firma Newwork­ables.

Um die Geschäftsführung bei den Farbenwerken und bei Master TEC kümmern sich wie bisher der für die Technik zuständige Dr. Josef Kuchler, Vertriebs- und Marketing-Leiter Manfred Rocktäschel sowie Finanzex­perte Stefan Schmeisl.

Familie gibt nur ein Prozent ab

Keinesfalls dürfe der Eindruck entstehen, ein Fremder bekomme jetzt große Anteile des Familienunternehmens: Heinekamp bleibe Minderheitsgesellschafter mit einem Anteil von lediglich einem Prozent, betonte Ley. „Er soll der Sparringspartner für meine Tochter sein.“ Denn der Austausch über Entscheidungen sei sehr wichtig: Er selbst bespreche sich stets mit seiner Frau, erklärte Ley.

Früher Auseinandersetzungen

Der Farbenwerke-Chef verhehlte nicht, dass es vor vier Jahren zwischen ihm und seiner Tochter heftige Auseinandersetzungen um die Unternehmensführung gegeben hatte. Nürnberger wollte die Farbenwerke mit einem hierarchielosen Führungsstil neu aufstellen. „Die Wirtschaft zu verändern ist mein Ziel“, lautet das Credo der Betriebswirtin. Da ihr Vater diesen Weg nicht mitging, verließ die Tochter nach 21 Jahren – 17 davon als Geschäftsführerin – den elterlichen Betrieb.

Tochter geht andere Wege

Um digitale Werkzeuge für Organisationen bereitzustellen, die eigenverantwortliches Arbeiten unterstützen, gründete die Wunsiedlerin 2017 ihr Start up Newwork­ables. Der Name ist Programm, ebenso wie ihre eigene Berufsbezeichnung: Offiziell ist sie zwar CEO, also Hauptgeschäftsführerin, doch sie selbst nennt ihre Aufgabe „Possibility Adventurer“.

Vertrauensbasis ist wieder da

„Ich bin froh, dass wir inzwischen unsere alte Vertrauensbasis wiedergefunden und gemeinsam einen Weg erarbeitet haben, der dazu dient, dem Betrieb samt allen Mitarbeitern eine gute Zukunft zu ermöglichen“, sagte Ley am Freitag. Seine Tochter pflichtete ihm bei: „Das ist nicht selbstverständlich.“ Zwei Jahre lang dachten sie gemeinsam über viele Lösungen nach und wogen sie ab. Neben einer Stiftung und einem Beirat sei auch das Management-Buy-out-Modell im Gespräch gewesen. (Der Kauf eines Unternehmens durch das eigene Management.) „Auf keinen Fall wollten wir die Farbenwerke nach außen verkaufen. Wichtig war uns, dass der Familienbetrieb erhalten bleibt“, erklärte Nürnberger. Nun freue sie sich, gemeinsam eine Lösung gefunden zu haben, „die gut und natürlich ist“.

Rückkehr in die Firma

Zwar sei sie bereits Gesellschafterin, doch da sich ihre Eltern zurückziehen wollten, werde sie in der Firma künftig präsenter sein und die eine oder andere Aufgabe wieder selbst übernehmen. „Einmal pro Woche arbeite ich in meinem alten Büro, mache einen Rundgang und bin ansprechbar für alle Mitarbeiter.“ Zudem beabsichtigt Nürnberger, sich mit Heinekamp viermal im Jahr mit den Gesellschaftern zu treffen, um sich die Ziele und den Fortgang des Unternehmens anzusehen.

Vater bleibt präsent

Obwohl er seinen Rückzug angekündigt hatte, ließ Wolfram Ley bei der Feier am Freitag keinen Zweifel daran, dass sein Interesse am Firmengeschehen­ ungebrochen ist. „Ich werde weiter präsent bleiben, soweit ich das für meine Hirnzellen als erhellend erachte.“

Sonnenblumen als Symbol

In den vergangenen Jahren habe sie sehr viel gelernt, sagte seine Tochter am Ende der Feier: „Besonders das: Es ist nötig, selbst etwas für eine gute Entwicklung zu tun.“ Zum Abschluss verteilte Nürnberger dann Sonnenblumen­ an alle Gäste und Mitarbeiter. „Als Symbol dafür, dass man sich für das helle, das schöne Leben entscheiden kann, das Spaß macht.“

Als Berater unterstützen
Bei maßgeblichen Entscheidungen zu unterstützen, ohne aktiv einzugreifen­: So beschreibt der neue Gesellschafter­ Oliver Heinekamp seine Funktion bei den Farbenwerken, für die er seit vielen Jahren als Steueranwalt und juristischer Berater tätig­ ist. Heinekamp übernahm diese Aufgabe von Viktor Freiherr von Malchus, seinem­ Vorgänger in einer Bayreuther Kanzlei. „Seit vielen Jahren habe ich ein enges Vertrauensverhältnis sowohl zu Gisela und Dr. Wolfram Ley als auch zu ihrer Tochter Angelika Nürnberger“, erklärt der 50 Jahre alte Heinekamp. Das Thema­ sinnvolle Firmen-Nachfolge beschäftige­ die Unternehmerfamilie Ley seit langem. In die Beratungen­ sei er involviert gewesen und freue sich, nun selbst ins Boot geholt zu werden. Der Niedersachse Heinkamp aus Uelzen­ kam zum Studium nach Bayreuth­ und blieb: Bis heute ist der Rechtsanwalt und Fachanwalt für Steuerrecht in einer Kanzlei in der Wagner-Stadt tätig. Die Funktion des Gesellschafters übernimmt­ er bei mehreren Firmen.
 

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