Wunsiedel Gewerkschaft dringt auf sozialen Wohnungsbau

Redaktion
Damit trotz steigender Baupreise mehr bezahlbarer Wohnraum in der Region entsteht, fordert die IG BAU Oberfranken zusätzliche Anstrengungen von der Politik. Foto: Tobias Seifert

Die IG Bau sieht gerade in diesem Bereich ein großes Defizit. Im Landkreis Wunsiedel wurden imvergangenen Jahr 210 neue Wohnungen gebaut.

Vom Eigenheim bis zum Mehrfamilienhaus: Im Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge wurden im vergangenen Jahr 210 neue Wohnungen gebaut. Das teilt die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) unter Berufung auf aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes mit. Demnach flossen in den Neubau Investitionen in Höhe von rund 174 Millionen Euro. „Zusätzliche Wohnungen sind ein wichtiger Beitrag gegen steigende Mieten. Wichtig ist dabei das bezahlbare Segment. Und es kommt vor allem darauf an, dass im sozialen Wohnungsbau noch mehr getan wird“, fordert Uwe Behrendt, Bezirksvorsitzender der IG BAU Oberfranken, in einer Mitteilung.

Behrend sieht insbesondere die Politik in der Pflicht. Der Wohnungsbau in der Region könne nur dann Fahrt aufnehmen, wenn in Berlin und München die richtigen Weichen gestellt würden. „Die Bundesregierung hat 400 000 neue Wohnungen pro Jahr versprochen. Ein Viertel davon sollen Sozialwohnungen sein. Von diesem Ziel ist die Ampel-Koalition noch weit entfernt. Hier ist aber auch die Landespolitik gefordert“, schreibt Behrendt.

Im vergangenen Jahr sind laut Statistik bundesweit lediglich 293 400 neue Wohnungen entstanden – 4,2 Prozent weniger als im Vorjahr, rechnet die Gewerkschaft vor. Zudem erschwerten knappe Baumaterialien, steigende Energiepreise, Inflation und steigende Bauzinsen derzeit den Neubau. Hinzu kämen ein hoher Fachkräftebedarf und unzureichende staatliche Förderungen.

Um vor allem „den lahmenden Bau von Sozialwohnungen voranzubringen“, schlägt die IG BAU ein „Sonderpaket sozialer Wohnungsbau“ vor. Die Mehrwertsteuer auf Sozialwohnungen solle von 19 auf sieben Prozent abgesenkt werden. Der Bau einer staatlich geförderten Wohnung würde nach Angaben der Gewerkschaft so um zehn Prozent günstiger. „Außerdem müssen Bund und Länder dringend das Baurecht vereinfachen. Es wird höchste Zeit, dass Genehmigungsverfahren schlanker und schneller werden. Zwischen Bauantrag und Baubeginn geht oft wertvolle Zeit verloren“, betont Behrendt.

Der IG BAU-Bezirksvorsitzende verweist auf eine enorme Chance, um zusätzlichen Wohnraum zu gewinnen: den Umbau bereits bestehender Gebäude. „Im Landkreis Wunsiedel schlummert ein großes Potenzial in der Umnutzung von Altbauten.“ So ließen sich bei vielen Wohngebäuden, Büro-, Geschäfts- und Parkhäusern Dachetagen aufstocken. Gerade auch mit Blick auf den steigenden Wohnraumbedarf für die Menschen, die vor dem Krieg aus der Ukraine geflüchtet sind, müssten alle Möglichkeiten genutzt werden.

An die Adresse der heimischen Baubranche macht der Gewerkschafter deutlich: „Viele Firmen suchen dringend Fachkräfte, um die Aufträge bewältigen zu können. Aber qualifizierte Maurer und Zimmerleute gewinnt nur, wer anständige Löhne zahlt und gute Arbeitsbedingungen bietet.“ Die Beschäftigten auf dem Bau sollten sich nicht unter Wert verkaufen und auf einer tariflichen Bezahlung bestehen, schreibt Uwe Behrendt. Genug zu tun gebe es allemal. red

 

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