Würzburger zu Gast Derby mit unklaren Kräfteverhältnissen

"Es ist ein laufender Prozess": Medi-Trainer Raoul Korner zweifelt nicht daran, dass die vielen Neuzugänge um Evan Bruinsma (Mitte) ihre Qualitäten mit der Zeit immer besser einbringen werden. Foto: Peter Kolb

BASKETBALL. Eine klare Rollenverteilung zwischen Favorit und Außenseiter scheint in dieser Bundesliga-Saison ohnehin nicht die Regel zu sein – zumindest wenn nicht gerade Bayern München oder Alba Berlin beteiligt sind. Nur selten erscheinen die Kräfteverhältnisse aber auch so unklar wie am kommenden Sonntag, wenn Medi Bayreuth um 18 Uhr den fränkischen Rivalen S.Oliver Würzburg zu Gast hat.

 

Vor Saisonbeginn hat es gute Argumente dafür gegeben, die Unterfranken in der Liste der Mannschaften mit Playoff-Ambitionen ziemlich genau auf demselben Niveau einzuordnen wie das Medi-Team. Schließlich haben sie in den zurückliegenden beiden Spielzeiten den achten Endrundenplatz jeweils als Tabellenneunter nur denkbar knapp verpasst – in der Vorsaison mit drei Siegen mehr als die Bayreuther, 2018 mit zwei Siegen weniger.

Eine andere Botschaft scheint jedoch der aktuelle Trend zu vermitteln. Die Würzburger haben zwar schon zweimal verloren, aber in Oldenburg (82:90) und beim Pokalspiel in Berlin (81:92) trafen sie auf Spitzenteams und schnitten dabei sehr respektabel ab. Zuletzt wurden sie dann der Favoritenrolle gegen die BG Göttingen mit 90:75 überzeugend gerecht. Demgegenüber hatten die Bayreuther bislang in keinem ihrer drei Pflichtspiele eine große Siegchance, obwohl man das zumindest bei zwei der drei Gegner (MBC und Crailsheim) durchaus erwarten durfte.

DUNK.FM - Alle medi Bayreuth Basketball Spiele live im Audiostream

„Die Würzburger haben gegenüber vielen anderen Mannschaften das große Plus der Kontinuität, von dem sie in den ersten Wochen, wenn nicht gar Monaten, profitieren werden“, erklärt Medi-Trainer Raoul Korner die unterschiedlichen Eindrücke. „Und das ist gleichzeitig unser größtes Minus.“ Dass sein Kollege Denis Wucherer während der Vorbereitung gleich zwei Ausländerstellen aufgrund von Verletzungspech neu besetzen musste, sei kein Widerspruch: „In beiden Fällen haben sie sich sogar eher verbessert.“

2,11-m-Center gibt zusätzliche Dimension

Vor allem der amerikanische 2,11-m-Center Lucas „Luke“ Fischer gebe dem Würzburger Spiel noch eine zusätzliche Dimension: „Mit seiner Athletik kann er sehr wirkungsvoll in die Lücken stoßen, die dadurch entstehen, dass die vielen guten Schützen das Feld extrem breit machen. Das hat im letzten Jahr mitunter gefehlt.“ Die spielerische Identität der Mannschaft habe sich dafür gar nicht grundsätzlich verändern müssen: „Sie werfen vor allem sehr gut von außen, und auch die Personen sind dabei noch dieselben: Jordan Hulls ist natürlich überragend, aber auch Florian Koch hat zuletzt hervorragend getroffen, und ebenso kann Skyler Bowlin schnell mal fünf Dreier erzielen.“

Genau dieses Vertrauen in Bewährtes fehle seinem eigenen Team noch. „Wir brauchen mehr kollektive Sicherheit“, sagt Korner. „Wenn der Gegner einen Lauf hat, dürften wir nicht das Vertrauen in unser Spiel verlieren und damit aufhören.“ Das letzte Spiel in Crailsheim (76:83) sei bereits ein Schritt nach vorn gewesen auf dem Weg zur Verlängerung der guten Phasen im Spiel: „Aber ganz wichtig wäre jetzt mal ein Erfolgserlebnis, um an Selbstvertrauen zu gewinnen. Dann kann die Entwicklung eine ganz andere Dynamik entwickeln.“

Grundsätzliche Veränderungen an der Spielweise, um den individuellen Fähigkeiten seines neu formierten Teams vielleicht entgegenkommen zu können, hält der Medi-Coach dabei nicht für nötig. Das unter den Anhängern am meisten diskutierte Beispiel ist wohl Evan Bruinsma auf der Position des Power Forwards als Nachfolger für den völlig anderen Spielertypen De’Mon Brooks. „Wir haben ja gewusst, welchen Spielertyp wir mit ihm bekommen“, betont Korner. Man müsse nur einen Weg finden, damit der Neuzugang seine „künstlerische Ader“ unter BBL-Tempo zur Geltung bringen könne: „Das ist ein laufender Prozess.“

 

0 Kommentare

Kommentieren

Wenn Sie einen Kommentar verfassen, so wird dieser unter Ihrem Klarnamen, also dem von Ihnen angegebenen Vor- und Nachnamen veröffentlicht. Sollte Ihr Kommentar nicht sofort erscheinen, bitten wir Sie um etwas Geduld. Wir behalten uns vor, Kommentare vor der Veröffentlichung zu prüfen. Bitte beachten Sie hierzu auch unsere Netiquette.

loading