Blutbad in Idylle Fränkische Schweiz: Wolf reißt sieben Tiere

Christian Leißner beklagt drei vom Wolf gerissene Rotwildtiere und vier Mufflons. Foto: Klaus Trenz

Drei Rotwildtiere und vier Mufflons sterben im Wildgehege von Landwirt Christian Leißner bei Betzenstein.

Betzenstein - Ein Wolf hat auf einem landwirtschaftlichen Wildgehege bei Betzenstein in der Nacht von Freitag auf Samstag ein Blutbad angerichtet und drei Rotwildtiere und vier Mufflons gerissen. Die Familie Leißner, die dort auf dem rund 3,5 Hektar großen, eingezäunten Gelände insgesamt 26 Tiere hielt, ist entsetzt und ratlos.

Landwirt Christian Leißner tut sich schwer, seine Emotionen im Zaum zu halten, bleibt aber ruhig im Ton: „Das Gehege war immer ein Ort der Entspannung, man konnte einige Tiere sogar streicheln. Jetzt ist es ein Ort, der Angst macht.“ Noch am Freitag Nachmittag hatte er seine Tiere gefüttert, am nächsten Morgen gegen 10 Uhr bemerkte er, dass etwas nicht stimmt und entdeckte die ersten toten Tiere: „Ich habe meinen Augen nicht getraut.“

Auf dem Gelände zeigt sich ein grausiges Bild: Die teilweise ausgeweideten Tierkadaver sind auf dem ganzen Gelände verstreut, es liegen Fellfetzen und Gedärme und nahe einem Mufflon ein herausgerissenes Herz. Mehrere Blutlachen zeugen von der Jagd des Wolfs auf die Tiere, die keine Chance hatten und ihm nicht entrinnen konnten.

DNA-Spuren und Gentests ermittelt

Ob es sich um einen einzelnen Wolf oder um mehrere Tiere gehandelt hat, kann Leißner zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht sagen. Das wird das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) aufgrund von DNA-Spuren und Gentests tun müssen, dem von zwei Ehrenamtlichen des Netzwerks Große Beutegreifer die Spuren zugeschickt werden. Sie nahmen am Samstag Spuren an den getöteten Tieren auf.

Der Wolf hat sich unter dem zwei Meter hohen, geflochtenen Gehegezaun Zugang auf das Gelände verschafft. Drei Stellen hat Leißner gefunden, wo der Wolf versucht hat, sich unten durchzugraben. An einer Stelle, wo das Erdreich etwas lockerer ist, hatte er Erfolg. An einer Stelle ist der Zaun beschädigt. Fellfetzen am Zaun weisen darauf hin, dass es hier ein Rotwildhirsch geschafft hat, zu fliehen, indem er den massiven Zaun durchbrach. „Da kann man sich die Todesangst vorstellen, in der sich die Tiere befunden haben“, so Leißner. Wo der Hirsch ist, weiß der 37-Jährige nicht. Er geht davon, aus, dass sich das Tier schwere Verletzungen zugezogen hat und verenden wird.

Die restlichen Tiere haben sich auf einer Anhöhe im Gelände zurückgezogen. Leißner hat die Herde in Augenschein genommen, traut sich aber noch nicht, sich ihr zu nähern. „Die sind „total verstört und verängstigt.“ Es könnte sein, dass sich darunter noch weitere verletzte Tiere befinden und der Schaden damit noch größer wird.

Es ist nicht allein der finanzielle Verlust, der die Familie Leißner bedrückt, sondern die Trauer, „dass in dieser Nacht etwas zerstört worden ist, an dem das Herz hängt“, sagt Christian Leißner: „Die Tiere haben uns aus der Hand gefressen.“ Und es ist das Gefühl einer gewissen Ohnmacht. „Auf die Schnelle“ wird er jetzt versuchen, den Zaun irgendwie unter Strom zu setzen, weiß aber nicht, ob das funktioniert und es in der kurzen Zeit bis zur Nacht machbar ist. „Einen komplett wolfssicheren Zaun kann ich mir nicht leisten“, sagt er. Vielleicht tun es Wildkameras, die umgehend Signale auf ein Smartphone schicken. Davon wird Leißner aber viele brauchen, immerhin ist der Zaun mehrere Hundert Meter lang.

Jetzt geht bei der Familie die Angst um, dass der Wolf wieder kommt. Die Nacht, so sagt er, werde er jedenfalls mit einer Wärmequelle auf dem Gelände verbringen. Im „Familienrat“ will man dann besprechen, ob ein Wildtiergehege auf langfristige Sicht „überhaupt noch Sinn macht“.

 

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