Wolf im Fichtelgebirge Junger Wolf spaziert durch Braunersgrün

„Das sieht schon sehr nach Wolf aus.“ Ranger Ronald Ledermüller geht davon aus, dass es sich um das scheue Wildtier handelt. Foto: Sven Reichel

Patschnass und grau: Es ist vermutlich ein Jährling, der am Sonntagmorgen über ein Feld streift. Ein junger Landwirt entdeckt das scheue Tier.

Höchstädt - Erneut hat es im Fichtelgebirge eine Wolfssichtung gegeben. Das Tier spazierte am Sonntag über ein Feld im Höchstädter Ortsteil Braunersgrün (Landkreis Wunsiedel). Die Fotos, die Landwirt Sven Reichel machte, liegen mittlerweile dem Landesamt für Umwelt (LfU) zur Beurteilung vor.

Am Zaun bis zur Brücke

Ronald Ledermüller, Ranger beim Naturpark Fichtelgebirge, kennt die Fotos: „Sie zeigen ein klatschnasses und eher graues Tier. Aber das sieht schon sehr nach Wolf aus.“ Ledermüller war am Sonntag bereits in Braunersgrün, um nach weiteren Spuren des Wolfs zu suchen. Er geht davon aus, dass es sich bei dem Tier um einen Jährling handelt – einen jugendlichen Wolf, der das elterliche Territorium verlassen hat. „Das würde auch in die Jahreszeit passen“, sagt er. Ronald Ledermüller vermutet, dass der Wolf, aus östlicher Richtung kommend, auf ein großes Hindernis stieß: die A 93. Die kann er nicht einfach queren. „Also ist er am Zaun entlang, bis er zur Brücke bei Braunersgrün gekommen ist. Er ist durchs Dorf und weitergezogen. Wie es sich für einen Wolf gehört.“

Für Sven Reichel war es wohl eine der denkwürdigsten Begegnungen. Am Sonntag, kurz vor 7 Uhr, stand der junge Landwirt dem Wildtier gegenüber. Schätzungsweise keine 20 Meter trennten Mensch von Wolf. „Zuerst dachte ich, es handelt sich um einen Hund. Als ich merkte, es könnte auch ein Wolf sein, habe ich schnell das Handy gezückt“, sagt Sven Reichel.

Kontakt vermeiden

Dass nicht jeder mit Bedacht reagiert, weiß Ranger Ledermüller. Doch Panik sei unangebracht, die wecke nur die Neugierde des Wolfs. „Am besten sucht man nicht den Kontakt zum Tier, und man sollte es auch nicht verfolgen“, rät Ronald Ledermüller. Sollte der Wolf dennoch zu nahe kommen, helfe es, ihn anzusprechen. Sinnvoll sei es, sich langsam zurückzuziehen. „Der Wolf wird das Gleiche tun“, sagt Ledermüller. Hundebesitzern rät er, die Vierbeiner an die Leine zu nehmen, sie könnten vom Wildtier als Konkurrenz angesehen werden.

Nicht überall sind Wölfe wohlgelitten. Insbesondere Tierhalter betrachten die vermehrten Sichtungen des Beutegreifers mit Sorge. Landwirt Sven Reichel dagegen sieht es gelassen und freut sich über die unerwartete Begegnung am Sonntag: „Solange er nicht an meine Nutztiere geht, kann der Wolf rumlaufen, wo er will.“ Gerd Pöhlmann

 

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