Wohnungshilfe Reden statt Wohnung verlieren

Offene Tür für alle mit Sorge, die Wohnung zu verlieren: Bettina Wurzel (Stadt Bayreuth), Markus-Patrick Keil (GBW) und Martina Munder von der präventiven Wohnungslosenhilfe der Stadt Bayreuth vor dem Stadtteilbüro in der Fröbelstraße 22, das dienstags und donnerstags am Nachmittag Anlaufstelle sein soll. Foto: Eric Waha

BAYREUTH. Wohnen wird immer mehr zu einem Schlüssel für ein selbstbestimmtes Leben. Das zeigen eindrucksvolle Zahlen aus Bayreuth von Menschen, die ihre Wohnung verlieren, die aus dem Raster fallen, weil man zu spät erfährt, dass sie Hilfe bräuchten. Die Wohnungsbaugenossenschaft GBW und die Sozialbehörde der Stadt Bayreuth wollen mit einem Stadtteilbüro in der Fröbelstraße 22 gegensteuern.

Bettina Wurzel, die Behindertenbeauftragte der Stadt Bayreuth und Leiterin der Betreuungsstelle und des Sozialdiensts im Sozialamt, nennt am Dienstagmorgen drei knappe Schlagworte: "Vor Ort, bürgernah, niederschwellig." Das seien die wichtigen Punkte, die man ins Spiel bringe, um das Stadtteilbüro im Kreuz für die Menschen interessant zu machen, die Hilfe brauchen. "Menschen, die in der Regel keine gute Erfahrung mit Behörden und Ämtern gemacht haben." Menschen, die Post von Behörden ungeöffnet wegwerfen, die mit ihrer Lebenssituation nicht mehr allein klarkommen. Menschen, die keine sozialen Kontakte mehr haben.

Stadtteilbüro statt Familienzentrum

Im Kreuz gab es, sagt Markus-Patrick Keil, der Vorstand der Gemeinnützigen Bayreuther Wohnungsbaugenossenschaft (GBW), vor einigen Jahren die Idee, beim Neubau rund um Fröbel- und Von-Platen-Straße auch ein Familienzentrum zu bauen. "Es ging uns dabei in erster Linie ums Vernetzen", sagt Keil. Junge Leute und alte Leute vernetzen, Hausaufgabenbetreuung organisieren, ein Netz von Leih-Omas aufbauen. Und: "Es gibt so viel Gutes in Bayreuth, oft wissen es die Leute gar nicht, dass es für viele Fragen Fachleute gibt", sagt Keil. Genau das sei auch in dem Stadtteilbüro immer wieder offenkundig geworden, als es darum ging, Ansprechpartner für die Umsetzung der Mieter zu sein, als klar war, dass die alten Häuser abgerissen und neue gebaut werden sollen. "Es kamen nicht nur die Mieter. Es kamen die Menschen auch mit anderen Problemen abseits des Wohnungsmanagements", sagt Keil. "Es wäre schade, wenn man das wieder einschlafen lassen würde, das Büro hier hat sich etabliert."

Fördertöpfe und Prävention

Deshalb gibt es jetzt die Kooperation mit der Stadt: Martina Munder von der präventiven Wohnungslosenhilfe der Stadt Bayreuth wird hier am Dienstag- und am Donnerstagnachmittag zur Verfügung stehen. Auch Bettina Müller, deren Spezialgebiet die Wohnungsberatung und Wohnungsanpassung ist, bei dem es in erster Linie um barrierefreies Wohnen und die entsprechende Förderung dafür geht, wird nach Wurzels Aussagen in dem Stadtteilbüro an bestimmten Tagen Quartier beziehen. "Denn es ist ja ein wichtiges Ziel, dass die Menschen möglichst lange in ihrer eigenen Wohnung bleiben können. Es gibt Fördertöpfe, kaum einer kennt die", sagt Keil.

Probleme erkennen, Hilfe anbieten

Allerdings soll das Thema Wohnungslosenhilfe in den Vordergrund gerückt werden, sagt Bettina Wurzel. Der Grund ist einfach: "Je früher wir von Problemen erfahren, desto eher können wir Hilfen anbieten." Die Gesellschaft "vereinzelt, viele leiden unter psychischen Problemen", sagt Wurzel. Man müsse ansetzen, "bevor die Räumungsklage kommt. Wir wollen die Leute in den Quartieren gut versorgen. Mit sozialen Hilfen, die direkt vor Ort angedockt werden". Man arbeite seit einiger Zeit "gut mit den Sozialen Dienstleistungen Keil und mit Condrops zusammen. Durch solche Hilfen kommt es oft gar nicht dazu, dass Menschen ihre Wohnung verlieren".

69 Menschen mussten in dem Jahr bislang in Obdachlosenunterkunft

Allerdings sei das bislang nicht in allen Fällen gelungen: Bis 1. Oktober hätte man in Bayreuth "69 Menschen in die Obdachlosenunterkunft einweisen müssen", sagt Wurzel. Man habe 21 Räumungsklage, 19 Zwangsräumungen und 15 Wohnungskündigungen nicht mehr abwenden können. Im Rahmen der allgemeinen Beratung hätten sich bislang in diesem Jahr zwischen 150 und 200 Menschen aus Bayreuth an Martina Munder, die wegen des großen Arbeitsaufkommens vor rund drei Monaten von einer halben auf eine ganze Stelle aufgestockt worden sei, gemeldet. "Als ich 2009 im Sozialamt angefangen habe, waren das deutlich weniger Fälle", sagt Wurzel. Man hoffe, sagen Wurzel und Munder, dass man über "Mund-zu-Mund-Propaganda" erreichen könne, dass man so früh wie möglich präventiv tätig werden und Probleme lösen könne. Es sei schließlich schon allein "finanziell die beste Lösung, wenn die Menschen in den Wohnungen bleiben können", sagt Munder.

 

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