Wohnmobile Frankia wächst stark und erschließt neues Segment

Frankia-Vertriebschef Konstantin Döhler präsentiert den neuen Yucon. Foto: Andreas Harbach

MARKTSCHORGAST. Der Wohnmobilmarkt boomt, seit Jahren gibt es zweistellige Zuwachsraten. Der kleine, aber feine Hersteller Frankia profitiert davon überproportional. Jetzt stoßen die Marktschorgaster mit einem komplett neu entwickelten Modell in ein für sie neues Segment vor und wollen so ihr Wachstum noch forcieren.

Die Zahlen, die Konstantin Döhler im Gespräch mit dem Kurier präsentiert, sind beeindruckend. 670 Wohnmobile hat Frankia im abgelaufenen Produktjahr ausgeliefert, das ist rund ein Drittel mehr als im Vorjahr, sagt der Marketing- und Vertriebschef. Der Umsatz legte sogar noch etwas rasanter auf deutlich über 80 Millionen Euro zu. Denn Frankia ist im Premiumsegment unterwegs, und die Kunden gönnen sich gerne etwas. Der Durchschnittspreis für ein Frankia-Mobil betrug im vergangenen Jahr rund 130.000 Euro. Einzelne ausgelieferte Exemplare der Top-Reihe Platin knackten aber auch die 200.000er-Marke.

40 Prozent Exportquote

Es läuft also richtig gut für den Hersteller, der seine Fahrzeuge über gut 60 Händler hauptsächlich in Europa, vereinzelt aber auch an ganz exotischen Orten verkauft. Sogar in Neuseeland hat ein Händler Frankia im Programm. 40 Prozent beträgt die Exportquote, wobei sich im vergangenen Jahr der deutsche Markt für die Frankenwälder besonders gut entwickelt hat. Hier betrug das Plus sogar 55 Prozent.

Kann man das noch toppen? Döhler glaubt ja. Zum Beispiel, indem man sich in ein neues Segment wagt. Bislang deckt Frankia schon ein breites Spektrum ab, vom fast neun Meter langen, voll integrierten Mega-Luxusliner auf Mercedes- oder Fiat-Basis über sogenannte teilintegrierte Wohnmobile bis hin zu Alkoven-Modellen, also mit Schlafplätzen über dem nicht verkleideten Führerhaus. Letzteres laut Döhler übrigens ein Alleinstellungsmerkmal unter den Premium-Marken.

Ein Erlkönig wie bei den großen Autoherstellern

Nun also ein völlig neues Modell, das Yucon heißen wird und das das Unternehmen in dieser Woche den Händlern und der nationalen wie internationalen Fachpresse präsentierte. Netter Gag: Das einzige bisher gebaute Exemplar ist wirr mit den Buchstaben aus seinem Namen beklebt und wirkt so wie ein streng geheimes Vorserienmodell eines der großen Autohersteller, das dort Erlkönig heißt.

Abseits des Campingplatzes

Die Basis für den Yucon liefert der Mercedes Sprinter mit dem sogenannten Super-Hochdach. Er soll eine komplett neue Zielgruppe ansprechen. Jüngere Kunden um die 40, die durchaus länger autark unterwegs sein wollen und sich über Nacht auch mal abseits eines Campingplatzes hinstellen – entweder in der Natur oder mitten in der Stadt. Für all das braucht es ein wendigeres Gefährt, das sich sogar mit Allrad ordern lässt. Und: Nicht jeder mag das typische Aussehen eines Wohnmobils.

Angebote im 3,5-Tonnen-Segment

Ein Einstiegsmodell aber soll laut Döhler weder der Yucon noch der ebenfalls neue M-Line Neo sein, die beide zunächst mit sieben Metern Länge zu haben sein werden. Bei Preisen ab 69.900 Euro für den Yucon für eine spätere Sechs-Meter-Version und 74.900 Euro für den Neo kann man von Einstieg auch kaum guten Gewissens reden. Vielmehr gehe es vor allem darum, Angebote im 3,5-Tonnen-Segment machen zu können. Denn die nachwachsende Kundschaft hat zunehmend nicht mehr den alten Dreier-Führerschein gemacht und darf deshalb die schwereren Modelle gar nicht fahren.

Geänderte Ansprüche

Egal, ob Riesenschiff oder kompakter Yucon, die Ansprüche der Kunden steigen ständig und verändern sich auch, sagt Döhler. Und so finden sich neben luxuriösen Betten, Wellnessbad, Echtstein-Furnier oder einer luftigen Stehhöhe von gut zwei Metern heute auch Angebote wie Vorrüstung für einen internetfähigen Fernseher, USB-Anschlüsse für mobile Endgeräte, WLAN-Hotspot oder die famose Mercedes-Spracherkennung MBUX. Auch wichtig: die Plus-Garage, in die zwei E-Bikes passen.

Für den Vortrieb sorgen ausschließlich Dieselmotoren. Ein Problem? „In unseren Wohnmobilen sind mittlerweile nur Motoren, die die strenge Abgasnorm 6d-Temp erfüllen“, sagt Döhler.

Anbau fürs Werk und neue Mitarbeiter

Für den Yucon wird im Werk in Marktschorgast eine neue Fertigung aufgebaut, die zunächst auf ein Exemplar pro Woche ausgelegt ist, sagte Werkleiter Patrick Schaefer dem Kurier. Dafür wird an der bisherige Produktionshalle ein Anbau entstehen. Und auch die Zahl der Mitarbeiter soll weiter steigen, nachdem sie schon im vergangenen Jahr von 200 auf mittlerweile rund 230 zugelegt hat.

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. Passwort vergessen?
  2. * = Pflichtfeld
Sie haben noch keinen Benutzer-Zugang? Jetzt registrieren!

Wenn Sie einen Kommentar verfassen, so wird dieser unter Ihrem Klarnamen, also dem von Ihnen angegebenen Vor- und Nachnamen veröffentlicht. Sollte Ihr Kommentar nicht sofort erscheinen, bitten wir Sie um etwas Geduld. Wir behalten uns vor, Kommentare vor der Veröffentlichung zu prüfen. Bitte beachten Sie hierzu auch unsere Netiquette.

loading