Wo die Feuerwehr in Bayreuth zusammenwächst - und wo lieber nicht Gemeinsam oder allein: Was die Wehr will

Von Katharina Wojczenko

Marode Gerätehäuser sind für die Bayreuther Feuerwehr ein Problem. Gleichzeitig tun sich manche Abteilungen schwer, tagsüber genug Retter zu stellen. Unter ein Dach zu ziehen, könnte die Lösung sein. Drei Beispiele, wie die Wehren damit umgehen - und was dagegen spricht. Mit Karte.

Ins Wolfsbacher Gerätehaus passt nur ein Auto rein. Ortssprecher und Feuerwehrmann Matthias Unger hat nicht nur deshalb für den Neubau gestimmt. Foto: Ronald Wittek Foto: red

1. Die Pioniere: St. Johannis

Unter dem Dach des Feuerwehrhauses Ost in der Ochsenhut 39 haben sich in St. Johannis vor über zehn Jahren zum ersten Mal in Bayreuth mehrere Wehren zusammengeschlossen: Eremitenhof, Colmdorf und St. Johannis. Das alte Feuerwehrhaus in Eremitenhof dient nun als Lager, das in Colmdorf nutzt ein Privatmann als Garage, im alten Gerätehaus in St. Johannis stehen die Gerätschaften des Feuerwehrmuseumsvereins.

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Warum Neubau? In keinem der drei Feuerwehrhäuser gab es Sozialräume, Waschmöglichkeiten und Heizung.

Fuhrpark: zwei Mehrzweckfahrzeuge, ein Hilfleistungslöschfahrzeug und ein Tanklöschfahrzeug.

Vorteile: Wieder genug Feuerwehrler tagsüber. Im aktiven Dienst bilden die beiden Abteilungen eine Einheit und machen Übungsdienste und Schulungen gemeinsam. Aber erst seit zwei Jahren.

Erfahrung und Prognose: "Durch den Bau sind die damaligen Abteilungen richtig zusammen gewachsen, machen seitdem gemeinsame Ausflüge", sagt Stadtbrandrat Ralph Herrmann, der damals Abteilungsleiter von St. Johannis war. Heute habe der Löschzug Ost eine aufstrebende Abteilung, die wieder mehr Nachwuchs habe. Seit 2015 rückt der Löschzug Ost gemeinsam mit Aichig aus. Aber mit Aichig unter ein Dach zu rücken, steht nicht zur Debatte.

Bedenken:  "Gab es keine, weil schon die Vorgängergeneration der drei Wehren darauf hingearbeitet hatte", sagt Herrmann.

2. Die Nächsten: Feuerwehrhaus Bayreuth-Süd

Die beiden Bayreuther Abteilungen Thiergarten und Oberkonnersreuth und die eigenständige Feuerwehr Wolfsbach bekommen ein gemeinsames Feuerwehrhaus. Der Neubau entsteht an der Thiergärtner Straße, gegenüber der Einmündung der Fürsetzer Straße. Die Stadt treibt das Bebauungsplanverfahren schon voran, sagt Stadtbaureferent Hans-Dieter Striedl. Mitte 2017 ist es frühestens abgeschlossen und die Bauarbeiten könnten losgehen. Wenn das Geld da ist. "Wir werden vorschlagen, es in den Haushalt einzustellen", sagt Striedl. Konkrete Kostenschätzungen liegen noch nicht vor.

Warum Neubau? Alle drei Häuser haben Schwächen, in keinem ist genug Platz für neues Gerät. In Thiergarten ist das Feuerwehrhaus zugleich Bürgerhaus. Die Feuerwehr teilt es sich mit anderen Vereinen und hat keinen Schulungsraum. Das Gebäude in Oberkonnersreuth besitzt keine Heizung, weshalb die Feuerwehrler ihre Schutzkleidung daheim trocken lagern müssen. In Wolfsbach gab es seit dem Bau Ende der 60er Jahre keine Renovierung.

Fuhrpark: Derzeit hat die Feuerwehr Wolfsbach ein Fahrzeug, das gerade so ins Feuerwehrhaus passt, Thiergarten zwei, Oberkonnersreuth zwei. Im neuen Haus sollen nur vier stehen, das Tragkraftspritzenfahrzeug aus Oberkonnersreuth wird ausgemustert. Dafür bekommt die Feuerwehr zwei zusätzliche Stellplätze und einen Wechsellader.

Vorteile: Die drei Wehren sind schon im Löschzug Süd organisiert, die Retter kennen sich von gemeinsamen Übungen. Zusammen sind sie 70 Aktive, die auch tagsüber die nötige Einsatzstärke haben. "Thiergarten und Oberkonnersreuth sind begeistert über die neuen Räume", sagt Stadtbrandrat Ralph Herrmann.

Prognose: Jede Feuerwehr behält separate Dienstpläne, ihren Abteilungsführer oder Kommandanten. Bei den Dienstplänen werden die Wehren aber nach und nach zusammenwachsen, sagt Herrmann. "Aus feuerwehrtechnischer Sicht ist das gemeinsame Haus die Zukunft", sagt Kommandant Stefan Bauernfeind.

Bedenken: Die Feuerwehr ist der letzte Verein, den es in Wolfsbach gibt. "Die Feuerwehr hält das Dorfleben aufrecht, denken viele", sagt Ortssprecher und Feuerwehrmann Matthias Unger. Auch wenn das Haus nur für die Feuerwehr und als Wahllokal genutzt werde: "Das macht es für viele schwer, loszulassen und auch ich habe Bauchschmerzen", sagt Unger. Als er noch im Vorstand war, hat er sich trotzdem für den Neubau ausgesprochen.

"Ich bin aus Überzeugung bei der Feuerwehr, weil ich Menschen retten will", sagt Wolfsbachs Kommandant Stefan Bauerndfeind. "Aber zur Feuerwehr gehört auch die Feierwehr, das Vereinsleben." Die Kameradschaft, auch mal spontanes Grillen am Feuerwehrhaus. "Ich weiß nicht, ob wir das Haus dafür weiter nutzen dürfen."

Und er sorgt sich, dass Freiwillige abspringen, weil sie die weitere Anfahrt zum neuen Haus scheuen. "Ich reagiere deshalb allergisch, wenn wir mit Bayreuth-Ost verglichen werden." Die Fläche, auf die sich die drei Partner verteilen, ist im Süden viel größer.

Mehr zur Neubau-Vorgeschichte hier.

3. Lieber allein, aber neues Haus: St. Georgen

Die Idee, dass sich St. Georgen mit Laineck zusammenschließen will, ist längst vom Tisch, sagen Striedl wie Herrmann. Laineck bekommt dieses Jahr einen Erweiterungsbau für das neue Dekontaminierungsfahrzeug für den Katastrophenschutz. St. Georgen ist das einzige Feuerwehrhaus in Bayreuth, für das laut Striedl aktuell ein Neubau im Gespräch ist.

Warum Neubau? Das alte Brauereigebäude wird seit Jahren notdürftig gestützt, weil es marode ist. Nicht nur wegen seiner Holzverkleidung entspricht es nicht den Brandschutzbestimmungen. Das Hochbauamt hat sich das Gebäude angeschaut, sagt Stadtbaureferent Striedl. "Eine Sanierung macht keinen Sinn, und es muss dringend etwas passieren." Derzeit gibt es Gespräche über ein mögliches Baugrundstück im Umkreis des Feuerwehrhauses, bestätigt Striedl.

Fuhrpark: Ein Mehrzweckfahrzeug, ein Löschgruppenfahrzeug.

Vorteile: "Das ist eine wichtige, motivierte Abteilung, die wir so erhalten wollen", sagt Herrmann. Durchschnittsalter 36 Jahre, was jung ist, 25 Einsätze im Jahr, was viel ist. Ausrückstärke optimal, weil die Feuerwehrler alle in der Nähe arbeiten.

Prognose: Im Brandschutzbedarfsplan wird das Feuerwehrhaus St. Georgen dieses Jahr auf einem vorderen Platz stehen, sagt Stadtbrandrat Ralph Herrmann.

Bedenken: "Wir haben zwei starke, funktionierende Einheiten in St. Georgen", sagt Abteilungsführer Michael Philbert. Das Einsatzgebiet sei relativ groß. Wenn sich dann die Anfahrtswege noch verlängern, könnten Freiwillige abspringen. "Und in Laineck ist kein Platz für uns."

Hintergrund: Bayreuther Feuerwehr

Die Freiwillige Feuerwehr Stadt Bayreuth setzt sich aus zwölf Abteilungen und zwei eigenständigen Feuerwehren zusammen. Besonderheit ist, dass es in Bayreuth eine ständig besetzte Feuerwache mit hauptamtlichen Kräften nahe der Spinnerei gibt, die neben ihren täglichen Aufgaben in den Werkstätten der Feuerwache schnell auf Ersteinsätze reagieren können. Die restlichen elf Abteilungen und die beiden Wehren stellen ehrenamtliche Kameraden.

Zusätzlich zu der zentral gelegenen Feuerwache sind im Stadtgebiet elf Gerätehausstandorte verteilt. Setzen die Wehren die Zusammenlegungen wie geplant um, sind es zukünftig noch neun Gerätehäuser.