Das Wirtshaus, ein Treffpunkt der Generationen, von Vereinen und Stammtischen, scheint nicht mehr zeitgemäß zu sein. Ein langsamer und vor allem stiller Prozess macht sich allmählich bemerkbar.
PEGNITZ. Die Situation in der Gastronomie wird immer schwieriger. Das zeigt auch die aktuelle Diskussion zum Thema Hotelfachschule. Besonders alteingesessene Gasthäuser finden immer seltener Mitarbeiter oder gar Nachfolger, die die Wirtschaften im traditionellen Sinn weiterführen. Wie sehr solche Wirtshäuser das Leben in der Stadt prägen können, zeigt jeden Sommer der Pegnitzer Schlappenabend. An keinem anderen Tag im Jahr zeigt es sich so deutlich, wie schön fränkische Bräuche sein können. Doch die Wirtshauskultur ist auf dem Rückzug, dieses gemütliche Brauchtum steht vor dem Aus. Auch in Pegnitz ist der Wandel zu spüren.
Das Wirtshaus, ein Treffpunkt der Generationen, von Vereinen und Stammtischen, scheint nicht mehr zeitgemäß zu sein. Ein langsamer und vor allem stiller Prozess macht sich allmählich bemerkbar.
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Früher gab es in Pegnitz fast an jeder Ecke ein Gasthaus – mittlerweile sind es gerade mal noch eine Handvoll. Eines der wenigen echten Wirtshäuser, das es noch gibt, ist die Ponfick-Gaststätte am Schweinemarkt. Seit 16 Jahren bewirtet die Pächterin Waltraud Meyer ihre Gäste, seit elf Jahren in Eigenregie.
„Mein Mann ist vor elf Jahren gestorben“, erzählt sie, „solange ich gesund bin, mache ich weiter.“ Jeden Tag arbeitet sie von neun Uhr früh bis elf Uhr nachts – oft auch später. Seit dem hatte sie keinen Urlaub und arbeitet durchgehend im Gasthaus – nur an Weihnachten und den Feiertagen kann sie mal entspannen.
„Es macht Spaß, so ist es nicht. Ich bin selber im Wirtshaus groß geworden“, sagt Meyer. Trotzdem könne sie es eben nicht „ewig“ allein weitermachen. Wenn sie die Wirtschaft übergeben würde, dann an eine Familie – das wäre der Idealfall. „Ich habe auch schon, als ich zehn Jahre alt war, beim Bedienen geholfen. Da muss die Familie einfach zusammenhalten“, sagt sie.
„Wenn der Mann arbeitet und die Frau den Rest bis zu den Abendstunden übernimmt, dann geht das schon.“ Einen Mitarbeiter einzustellen würde sich wirtschaftlich nicht lohnen – Studenten oder Schüler zeigen keine Ambitionen auszuhelfen.
Die Wirtschaft sei zu klein, da rentiere sich eine weitere Kraft nicht. „Früher haben die Hotelfachschüler noch ausgeholfen“, erzählt Eugen Pflaum, ein Stammgast bei Waltraud, „aber die wollen nicht mehr. Die Leute wollen lieber ihre Freizeit. Geldprobleme haben die keine.“
Pflaum hatte früher selber ein Lokal in Pegnitz – das Weiße Lamm. Von 1964 bis 1969 übernahm er im Familienverbund das Wirtshaus. So erklärt er, dass früher Vereine einkehrten und Angelegenheiten besprachen, Frühschoppen und Stammtische zur Normalität gehörten oder Freunde einfach nur zum „Karten“ kamen.
„Jetzt hat jeder Verein ein Vereinsheim“, sagt Pflaum, „das entzerrt ja alles und bedeutet für die Wirtschaften weniger Gäste.“ Doch nicht nur den Vereinen gibt er eine Mitschuld. Auch die Bewohner von Pegnitz hätten dazu beigetragen. Man würde lieber auswärts essen.
„Das Weiße Lamm war stets gut besucht“, erzählt er, „ungefähr 20 Prozent kamen aus Pegnitz und 80 Prozent von auswärts.“ Doch Pegnitz sei nicht mehr lukrativ für den Fremdenverkehr. Da habe man es in Pottenstein einfacher. In der Saison werde die Stadt zu zwei Drittel von Auswärtigen besucht. Pottenstein hat über 250.000 Übernachtungen pro Jahr, so der Leiter des Tourist-Büros, Thomas Bernard.
„Pegnitz hat ja kaum noch Übernachtungsmöglichkeiten“, sagt Pflaum, „mehr als 50 Leute bringt man hier nicht unter.“ Das war auch mal anders. Das alte Posthotel sei eine hochkarätige Bleibe. Inzwischen übernachten die ehemaligen Gäste woanders.
Auf die Frage, wie die treuen Stammgäste darüber denken, wenn Waltraud Meyer zumacht, antwortete die Runde, dass es ein herber Verlust für die Stadt wäre. Es wäre schade, wenn solche Traditionsgaststätten nicht weiterleben würden.