Als der Juniorchef der Bayreuther Metzgerei Parzen vor rund vier Jahren dabei war, seine Trockenfleisch-Marke Brewers Jerky aufzubauen, suchte er auch Kontakte zu Leuten, die ihm mit Rat und Tat zur Seite stehen können.

Gefunden hat er sie unter anderem bei den Wirtschaftsjunioren – und ist dem Netzwerk für junge Unternehmer und Führungskräfte beigetreten. Jetzt hat der 26-Jährige als Nachfolger von Andreas Herlitz für ein Jahr das Amt des Sprechers für Bayreuth Stadt und Landkreis übernommen.

Von Erfahrungen anderer lernen. Nicht jeden Fehler selber machen zu müssen, weil andere diese Erfahrungen schon gemacht haben. Selber anderen helfen. Das sind für Parzen die klassischen Netzwerk-Tugenden, die sich auch bei den Wirtschaftsjunioren wiederfinden. Rund 80 Mitglieder, nach Branchen breit gestreut, hat der Kreisverband.

Doch Parzen spricht von einem „Netzwerk ohne Grenzen“. Denn bundesweit gibt es etwa 10.000 Mitglieder: „Da gibt es wirklich für jeden und für jedes Problem einen Ansprechpartner. Es gibt immer jemanden, der jemanden kennt, der sich auskennt. Vom privaten Handyvertrag bis zum wichtigen Geschäftskontakt.“

Regelmäßiger Blick

Die Wirtschaftsjunioren Bayreuth sind ein Laden, der gut läuft, sagt Parzen. Trotzdem will er als Präsident eigene Akzente setzen. „Ich bin nun mal Genusshandwerker und werde versuchen, das Teambuilding noch mal zu verbessern, zum Beispiel mit einem Grillfest.“

Vor allem aber will er den Mitgliedern die Möglichkeit geben, sich weiterzuentwickeln. Etwa durch Debatten-, Vortrags- oder auch Selbstmanagementschulungen, die der Kreisverband anbietet. Auch der regelmäßige Blick hinter die Kulissen „toller Unternehmen, von denen wir hier jede Menge haben“, sei sehr anregend.

Beibehalten, möglichst noch intensiviert werden soll die Arbeit mit jungen Menschen. Etwa mit dem Schülerquiz „Wirtschaftswissen im Wettbewerb“, das bei Jugendlichen das Interesse an Wirtschaftsthemen wecken soll. Mit Jannik Heidler vom Wirtschaftswissenschaftlichen Gymnasium, der sich gegen rund 22.000 andere Neuntklässler durchsetzte, kam der Bundessieger im vergangenen Jahr schon zum dritten Mal nach 1994 und 2007 aus Bayreuth.

Oder mit der jährlichen Aktion „Ein Tag als Azubi“, bei der Jugendliche mit schlechteren Startchancen, darunter auch Flüchtlinge, einen Einblick in Unternehmen und im Idealfall einen Ausbildungsplatz bekommen sollen. Und schließlich gebe es noch Bewerbungstrainings für Schüler.

Salsa im Blut

Den zeitlichen Aufwand für das Präsidentenamt nennt Parzen „deutlich spürbar“, doch relativiert er sogleich: „So ist das halt bei einem Ehrenamt. Aber das ist bei der Feuerwehr auch so.“ Seine Hobbys will der 26-Jährige, der schon mit 19 Metzgermeister war und dann noch Weiterbildungen zum Betriebswirt des Handwerks und zum Fleisch-Sommelier nachschob, trotzdem so gut es geht weiter pflegen. Die Jagd und das Tanzen. Früher war er Hip-Hopper, heute besucht er Salsa-Kurse.

Wenn Parzen von einer Weltkonferenz der Wirtschaftsjunioren mit rund 5000 Teilnehmern in Amsterdam erzählt, auf der er auch den mittlerweile verstorbenen früheren UNO-Generalsekretär Kofi Annan hat sprechen hören, oder von Kontakten in die Landes- und Bundespolitik, dann könnte man weitergehende Ambitionen vermuten. Doch Parzen winkt ab: „Wir sind sehr stolz, dass unserer früherer Kreissprecher Sebastian Döberl in diesem Jahr Bundesvorsitzender der Wirtschaftsjunioren ist. Aber ich konzentriere mich lieber auf die Region.“

Bundesdelegierte im April in Bayreuth

Wobei das so ganz dann doch nicht stimmt. Denn immerhin findet die diesjährige Frühjahresdelegiertenkonferenz der deutschen Wirtschaftsjunioren Anfang April in Bayreuth statt. Und da müssen Parzen und seine Mitstreiter für die rund 200 Gäste aus der gesamten Republik einiges organisieren.


Die Wirtschaftsjunioren

Aktives Mitglied der Wirtschaftsjunioren kann man nur bis zum Alter von 40 Jahren sein. Anschließend wird man passives Fördermitglied des IHK-nahen Netzwerks für junge Unternehmer und Führungskräfte. Der Kreisverband Bayreuth hat rund 80 Mitglieder, bundesweit sind es etwa 10.000. Diese repräsentieren nach Verbandsangaben Unternehmen mit 300.000 Arbeitsplätzen, 35.000 Ausbildungsplätzen und mehr als 120 Milliarden Euro Umsatz.