Wirtschaftsclub Auf der Suche nach dem Auto von morgen

Ein Auto an der Ladestation: Der Strom für das Elektroauto kommt derzeit oft aus Kohlekraftwerken, sagt Bosch-Geschäftsführer Stefan 
Hartung. Foto: pureshot/Adobe Stock

BAMBERG. Wohin steuert die deutsche Autoindustrie? Wird sie auch mit neuen Antrieben an der Weltspitze fahren? Der Wirtschaftsclub Bamberg holte für diese Fragen prominente Köpfe auf die Bühne der Konzerthalle.

Die Deutschen und das Auto – das ist eine ganz besondere Verbindung. Kein Wunder. Hier wurde das Auto erfunden. „Unser Leben ist geprägt vom Auto“, sagt der Bamberger Psychologie-Professor Claus-Christian Carbon. Otto, Diesel, Wankel – alle aus Deutschland.

Doch nach dem VW-Betrug habe das Land seinen Mut verloren. „Wir reden alles schlecht.“ Gerade jetzt müsse man klaren Kopf behalten, dürfe sich nicht vorschnell auf eine einzige Technologie festlegen, müsse ergebnisoffen bleiben.

Für Brose ist die Antriebsfrage eigentlich nicht relevant, sagt Michael Stoschek, Vorsitzender der Gesellschafterversammlung. Doch durch den teuren Transformationsprozess, den die Autobauer stemmen müssen, würden diese den Kostendruck auf die Zulieferer noch mehr erhöhen. Dazu komme, dass die Autonachfrage rückläufig sei, auch in China. Brose müsse Produktion ins Ausland verlagern, weil man zu Inlandskosten keine Aufträge mehr bekomme.

Bosch-Geschäftsführer Stefan Hartung erinnerte daran, dass im Mittelpunkt der ganzen Diskussion über das Auto doch die CO2-neutrale Mobilität stehen müsse. Für die deutsche Industrie sei die Technologieoffenheit existenziell. Bosch gehe davon aus, dass im Jahr 2030 noch 75 Prozent der Fahrzeuge einen Verbrenner unter der Haube haben.

Der Diesel bleibe für die C02-Reduzierung enorm wichtig. Batteriebetriebene Autos hält Hartung für die Kurzstrecke, im Stadtverkehr, für eine hervorragende Lösung. Aber nur noch mit Batterie zu fahren, das sei nicht zu Ende gedacht – bei einem aktuellen Anteil von 60 Prozent konventionellem Strom, der meiste davon aus Kohlekraftwerken. Man müsse das Ringen der Ingenieure um die besten Lösungen fördern, nicht unterdrücken. „Denn ab und zu kommen Ingenieure auch auf gute Ideen.“ Die Bezahlbarkeit der neuen E-Autos werde zur sozialen Frage werden. E-Autos sind in der Regel deutlich teurer als Verbrenner.

Für CSU-Generalsekretär Markus Blume ist klar: Wenn im eigenen Land der Rückhalt für die Autoindustrie fehlt, dann haben wir ein Riesenproblem. „Der Feldzug gegen das Auto muss aufhören.“ Auch Blume forderte die Offenheit für alle  Antriebstechnologien.

„Wir dürfen nicht den Ast absägen, auf dem wir sitzen.“ Mit synthetischen Kraftstoffen, mit „grünem Sprit“, könne der Verbrenner eine ganz neue Zukunft haben. Batterie, Wasserstoff und Verbrenner mit Öko-Sprit – das könnte der Mix der Zukunft sein.

Für Lisa Badum, Grünen-Bundestagsabgeordnete aus Forchheim, waren die deutschen Hersteller viel zu lange viel zu einseitig mit Verbrennerautos unterwegs. Und die Politik habe die schützende Hand über sie gehalten. Jetzt gelte es, sich moderne Formen der Mobilität zu erschließen, fordert sei.

Es sei doch völliger Unsinn, zu glauben, man könne das Mobilitätsproblem schnell mit einer Antriebsart lösen, sagt Martin Schulz, früherer SPD-Chef und Kanzlerkandidat, heute Abgeordneter in Berlin. Jeden Tag werde das Leben schneller, aber in einer Demokratie bestimmen alle mit. Wenn alle mitbestimmen, dann brauche das Zeit.

„20 bis 25 Jahre sollten wir uns Zeit für das Umsteuern geben.“ Die viel beschworene Technologieoffenheit sieht Stoschek in Deutschland nicht. Es gebe eine sehr einseitige Förderung der Elektromobilität. „Das ist bedauerlich.“

Stoschek sieht in der Favorisierung des Batterieautos eine Entscheidung gegen die Bürger. Autos mit Batterien seien zu groß, zu schwer, zu teuer, nicht massentauglich, für die Feuerwehr nicht löschbar. „Was im Moment verbaut wird, ist nicht zumutbar.“ Alleine bei der Herstellung der Batterie entstehe so viel CO2 wie bei 100.000 Kilometern mit einem Verbrenner. „Ich sehe keine offene Technologieentwicklung in Deutschland. Das halte ich für ein Riesenproblem.“

 

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