„Wir müssen jedes Mal das Geld suchen“ „Wir müssen jedes Mal das Geld suchen“

Jana Vogel
Er ist der Alleskönner im Fuhrpark des BRK: Der Gerätewagen transportiert vom Defibrillator über Intubationstuben und Vakuumschienen bis hin zu aufblasbaren Zelten und Scheinwerfern alles, was benötigt wird, um bei einem Massenanfall von Verletzten zur Einrichtung eines Behandlungsplatzes beizutragen.Der Anhänger war das erste Fahrzeug für die SEG-Behandlung, noch vor dem Lkw. Foto: Ralf Münch

Fahrzeuge komplett selbst finanziert

Pegnitz - Von so einem Kilometerstand können die meisten Autobesitzer nur träumen: Gut 22 000 Kilometer verzeichnet die Anzeige des Gerätewagens des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) in Pegnitz – nach 20 Jahren im Dienst.

Für ein Fahrzeug im Zivil- und Katastrophenschutz ist das allerdings nicht ungewöhnlich, schließlich sind diese zumeist nur im engen Umkreis von Pegnitz im Einsatz. Dementsprechend gut in Schuss sind auch die Wagen des BRK. „Aktuell können wir uns glücklich schätzen, dass unser ältestes Mitglied, Karl Neukam, Kraftfahrzeugmechaniker ist und vieles selbst macht“, erklärt der Pegnitzer Bereitschaftsleiter Tobias Seeser bei der Vorführung des BRK-Fuhrparks. Für Kundendienst, Versicherungen und Sprit der Fahrzeuge gehe „nicht gerade wenig“ Geld drauf, man habe laufende Kosten zwischen 3000 und 5000 Euro.

Diese müssen von den Ehrenamtlichen beim BRK selbst finanziert werden – und nicht nur sie. Auch die Fahrzeuge muss die Bereitschaft in Pegnitz selbst bezahlen. Ganz im Gegensatz zum hauptamtlichen Rettungsdienst, der direkt nebenan stationiert ist und seine Fahrzeuge vom Rettungszweckverband erhält. Das Fahrzeug für den „Helfer vor Ort“ kaufte das BRK daher gebraucht für um die 18 000 Euro. Mit dem Audi wird abends und an den Wochenenden fachmännische Erste Hilfe geleistet und so die Rettungsfrist eingehalten, wenn der Pegnitzer Rettungswagen (RTW) gerade im Einsatz ist.

Deutlich teurer war mit 230 000 Euro der Gerätewagen bei seiner Anschaffung 2001. „Wir waren damals die Ersten in Bayern mit einem Lastwagen“, erzählt Hermann Neubig, der seit den 1980ern beim BRK engagiert ist. Viele Politiker und BRK-Führungskräfte seien nach Pegnitz gekommen, um das Modell anzusehen. Bis dahin rückte die Schnelleinsatzgruppe (SEG) zur Behandlung in einem alten Polizeibus aus; das Material von Zelten und Zeltheizung bis hin zu Tragen war im Anhänger verstaut. Der Lastwagen sei nun „das Schlachtschiff“ des BRK in Pegnitz, sagt Seeser. Im Ahrtal war er ebenso im Einsatz wie beim Hochwasser in Deggendorf oder bei der Fußball-WM 2006. Bis zu 50 Patienten mit unterschiedlich schweren Verletzungen können mit dem darin transportierten Material behandelt werden.

„Die Besonderheit ist, dass er nicht nur zur Sanitätsbehandlung dient, sondern auch als Betreuungswagen“, erklärt Tobias Seeser. Der Gerätewagen hat eine eigene Notstromversorgung, eine Versorgungseinheit für Tee, Kaffee und 50 Liter Trinkwasser, und extra Stauraum für nützliche Ressourcen von Windeln bis hin zu Wolldecken.

Um den 7,5-Tonner fahren zu dürfen, reicht der normale Führerschein der Klasse B nicht mehr aus. Nur etwa zehn der knapp 35 aktiven Ehrenamtlichen dürfen daher ans Steuer. Beim Rettungswagen ist die Zahl deutlich höher. Fast alle haben den Helfer-Führerschein gemacht, um auch Fahrzeuge mit mehr als 3,5 Tonnen fahren zu dürfen.

„Man sieht dem Rettungswagen den Wert eigentlich nicht an“, meint Bereitschaftsleiter Seeser. „Er sieht aus wie ein Sprinter mit Blaulicht.“ Was ihn so teuer mache, seien die Technik und die Notwendigkeit, ihn gut reinigen und desinfizieren zu können. Etwa 85 000 Euro kostete der RTW bei seiner Anschaffung 2011.

„Wir müssen jedes Mal das Geld suchen, über Spenden, über unsere Arbeit als Sanitätsdienst oder über die Altkleider- und Altpapiersammlung“, sagt Seeser. Meistens würden auch Landkreis oder Stadt Zuschüsse zu neuen Fahrzeugen geben. Dennoch ist es für das BRK eine Herausforderung, wenn es zusätzlich zur eigentlichen Bereitschaftsarbeit auch noch um die Finanzierung des Ehrenamts ringen muss.

Nur ganz bestimmte Einsatzkosten können bei der Versicherung eingereicht werden. Auch da habe man aber schon schlechte Erfahrungen gemacht, erzählt Seeser. Nach einem Gefahrstoff-Unfall auf der Rastanlage habe eine Versicherung auf die Kostenforderung geantwortet: „Wir zahlen keine Rastplatz-Partys.“

 

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