Winterdienst für Radler Pilotprojekt: Salz statt Splitt

Auf dieser Strecke von der Altstadt bis zum Schulzentrum-Ost gibt es eine Winterdienst-Teststrecke für den Radverkehr. Foto: Eric Waha

Die Rad- und Fußwegroute vom Thurnauer Weg über die Altstadt, den Kreuzstein zum Schulzentrum Ost wird zur Teststrecke für Salzstreuung auf einer der Hauptrouten der Radler. Ab sofort nutzt der Stadtbauhof die Trasse im Rahmen eines Probebetriebs für einen alternativen Winterdienst.

Bayreuth - Rad fahren im Winter ist eine Herausforderung. Genauso, wie die Wege für die Radler und die Fußgänger in einem guten Zustand zu halten. Um Erfahrungen zu sammeln und sich für die Zukunft besser aufstellen zu können, hat der Bauhof jetzt ein Pilotprojekt gestartet – als Ergebnis eines Gesprächs zwischen dem zweiten Bürgermeister Andreas Zippel (SPD), dem Stadtplanungsamt und den Verantwortlichen für den Radverkehr in Bayreuth. Auf der Hauptroute von der Altstadt über die Uni bis zum Kreuzstein und weiter bis zum Schulzentrum-Ost wird jetzt getestet, wie sich Salz statt Splitt auswirkt.

Eisplatten ein Problem

„Das Problem sind die Eisplatten, die sich immer wieder bilden“, sagt Bernd Sellheim, der Leiter des Stadtbauhofs, am Dienstag im Gespräch mit dem Kurier. „Die kriegen wir nicht weg. Und Splitt bringt da auch nicht viel.“ Deshalb habe man in Absprache mit den Radverkehrs-Verantwortlichen beschlossen, „dass wir eine Hauptroute jetzt mal mit Salz betreuen“, sagt Sellheim. Was sich auch gerade deshalb anbiete, „weil wir ein neues Kleinfahrzeug bekommen haben und das alte noch als Ersatz nutzen können“.

Salz sorgt für keinen Platten

Wie Sellheim weiter sagt, gebe es „neue Studien, die besagen, dass Salz auch nicht viel umweltschädlicher als Splitt ist“. Gleichwohl bedeute der Einsatz von Salz, dass der Winterdienst öfter raus müsse, um die Bedingungen auf dauerhaft gutem Niveau zu halten. Und: „Auch die Räder werden angegriffen durch das Salz. Die dürften mehr Pflege brauche. Dafür gehen die Schläuche nicht mehr kaputt – ein Problem bei Splitt.“ Die Steinchen hätten allerdings den Vorteil, dass sie dafür sorgen, dass der Weg etwa bei festgefahrenem Schnee griffig bleibt – oder wenn es überfrierende Nässe gibt.

Mehr Aufwand bei Betreuung

Auch wenn die Radfahrer „nicht erwarten können, dass sie im Winter die gleichen Bedingungen haben wie im Sommer, haben wir gedacht, wir probieren das jetzt einfach mal“, sagt Sellheim. „Die Radfahrer werden immer mehr, die Lobby wird größer. Wenn es positiv ausfällt, ist aber die Politik gefragt. Denn das Salzstreuen bedeutet mehr Aufwand.“

Räder brauchen mehr Pflege

Rolf Wahner vom Verkehrsclub Deutschland (VCD), der für den VCD Bindeglied zu den Behörden und zum Stadtrat ist, sagt auf Anfrage, ihm sei „in den vergangenen Tagen schon positiv aufgefallen, dass der Uni-Radweg besser befahrbar ist als vorher“. Wahner, der den Streu-Versuch des Bauhofs begrüßt, sagt, dass Splitt aus seiner Sicht „keinen richtigen Vorteil“ gegenüber Salz habe: Splitt sorge nur für kurze Zeit und unter guten Bedingungen dafür, dass die Wege griffig seien. Sind der Schnee und das Eis weg, dann „liegt einfach viel rum“ – und sorge für die bekannten Probleme für die Radfahrer, wenn sich die Steinchen in die Reifen bohren. Allerdings sagt auch Wahner, dass ein Rad bei Salz auf den Salz-Strecken „einfach mehr Pflege braucht. Kette, Brems- und Schaltzüge brauche öfter frisches Öl oder müssen vor dem Winter gut gefettet werden“.

Rollende Bürsten als Ergänzung

Sinn macht aus Wahners Sicht nicht nur der Einsatz von Salz, sondern von Fahrzeugen mit rollenden Bürsten, die nach dem Räumen den restlichen Schnee „von den Wegen fegen. Das sieht man öfter bei Privat-Unternehmen, die beim Räumen eingesetzt werden“. Rollende Bürsten und Salz-Einsatz würden die Sicherheit noch einmal erhöhen.

Prüfen, ob die Qualität passt

Man habe die Kritik der Radler und Fußgänger am Splitt auf den Wegen aufgreifen wollen und „überlegt, was man kurzfristig tun kann“, sagt der zweite Bürgermeister Andreas Zippel. „Bernd Sellheim hat die Idee eingebracht, dass man doch noch versuchen kann, in diesem Winter Erfahrungen zu sammeln.“ Man werde jetzt schauen, „ob die andere Art der Streuung die gewünschte Qualität bringt“, sagt Zippel. Im Frühjahr sollen die Erkenntnisse aus dem Probebetrieb analysiert werden, um daraus mögliche Anpassungen für den Winterdienst auf allen weiteren wichtigen Geh- und Radwegrouten für die Zukunft ableiten zu können.

 

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