Pegnitz - An erster Stelle ist Hans Gentner, geboren 1877, genannt, ab 1924 erstmals SPD-Bürgermeister der Stadt. Nach der Machtübernahme haben ihn die Nazis abgesetzt und er war mehrfach Häftling im KZ Dachau unter anderem. Als nächstes ist von Bernhard Schmidt die Rede, geboren 1890, Lagerkommandant der Konzentrationslager Lichtenburg und Sachsenburg, außerdem Schutzhaftlagerführer im KZ Sachsenhausen und KZ Dachau.

Weiter unten auf der Liste steht an neunter Stelle Michael Starke, geboren 1969, Komponist, Pianist und Chorleiter. Drei Stellen weiter ist Tim Pargent, geboren 1993, zu finden, momentan Grünen-Landtagsabgeordneter. „Erstmal habe ich da Bauchweh“, sagt Pargent auf Kurier-Nachfrage, der bislang nichts von diesen Einträgen wusste. „Das sieht unschön aus.“ Es sei zwar historisch so gewesen, aber er stehe mit so jemanden wie Schmidt nicht so gerne in einer Reihe. Wichtig sei aber, dass die textlichen Inhalte stimmen, die nun mal ein Teil der Geschichte seien. Deshalb halte er es nicht für zwingend notwendig, dass der Eintrag von Bernhard Schmidt gestrichen wird. „Es wurden eben alle in Pegnitz geboren und das verbindet sie nur“, so Pargent. Man könne nicht alles aus der geschichtlichen Gedenkkultur entfernen, wichtig sei nur, dass bestimmte Persönlichkeiten nicht besonders hervorgehoben werden.

Michael Starke sagt zu dem Eintrag auf der genannten Liste bei Wikipedia: „Klar, bei dem Hintergrund von Bernhard Schmidt ist es schon seltsam und erschreckend, mit ihm auf einer Liste zu stehen, vor allem, wenn man eine völlig andere politische Einstellung hat, aber andererseits ist es historisch nun mal so.“ Es sei unglücklich, aber das politische Gebaren und menschenverachtende Handeln mancher Leute könne eben nicht einfach geleugnet werden. „Das Ganze ist zweischneidig“, so Starke weiter. Es sei Realität, dass Schmidt in Pegnitz geboren ist. Die Stadt sei von solchen Fällen, wo Personen dem Regime aktiv in dieser Weise gedient haben, auch nicht verschont geblieben. „Es ist eine unglückliche Zusammenstellung der Liste.“ Aber deshalb sei es umso wichtiger, dass die vielen anderen Pegnitzer als Gegenpol dazu in dieser Liste erscheinen und damit auch ein Zeichen für die Buntheit dieser Stadt setzen.

Auch Bürgermeister Wolfgang Nierhoff gefällt die Liste so nicht. „Ich bin schon seit anderthalb Jahren dran, dass der Eintrag von Bernhard Schmidt entfernt wird“, sagt er. Erstmalig 2016 habe sich sein Amtsvorgänger Uwe Raab dafür eingesetzt, dass der Eintrag auf Wikipedia entfernt wird. „Das wurde damals auch gemacht, aber es hat ihn dann wieder jemand eingestellt.“ Genauso sei es vor zwei Jahren noch mal passiert. „Ich bin da nicht glücklich drüber“, sagt Nierhoff, „das ist keine tolle Sache.“ Er werde jetzt noch mal mit Wikipendia Kontakt aufnehmen und sich um eine Entfernung des Eintrags bemühen. „Es ist eben ein Problem, dass jeder bei Wikipedia etwas eintragen kann.“ Es dann aber wieder herauszubekommen, sei schwierig.

Und was sagt Wikipedia zu dem Fall? „Mir ist nicht klar, warum Bernhard Schmidt aus der Liste der in Pegnitz Geborenen entfernt werden und was Hans Gentner damit zu tun haben soll“, sagt Julian Neumann vom Wikimedia-Support-Team auf Kurier-Nachfrage. Falls es darum gehe, dass Schmidt Nazi war und deshalb von der Stadt Pegnitz nicht gerne in der Liste gesehen wird, verweise er auf die Standardantwort, die man bei Anfragen dieser Art gebe: „Die Nennung in diesem Abschnitt, den Sie in den meisten Ortsartikeln finden werden, ist keineswegs als „Auszeichnung“ der dort aufgeführten Personen zu verstehen. Das Kriterium ist vielmehr, ob sie hinreichend relevant für einen Wikipedia-Artikel sind - es sollen sämtliche in diesem Sinne relevante Personen, die dort geboren wurden, aufgeführt werden. Wie in Enzyklopädien üblich, werden jedoch auch in Wikipedia beispielsweise Kriminelle und/oder solche Personen aufgenommen, deren Ideologie wir für inakzeptabel halten. Aus diesem Grund tauchen diese dann auch in der Liste der im Ort Geborenen auf.“