Wieder Wolfsangriff? 18 Damwildtiere in Gehege gerissen

Landwirt Hans Ertel aus Illafeld fand in seinem Gehege 18 gerissene Damwildkadaver.Ein Wolf? Dieses Foto stammt aus einer der Wildkameras, die die Familie Ertel aufgestellt hatte. Foto: Klaus Trenz

Mutmaßlich der Wolf hat auf dem Gemeindegebiet der Stadt Betzenstein erneut zugeschlagen. Kaum einen Kilometer vom Wildgehege in Riegelstein entfernt, wo am vergangenen Samstag sieben Tiere gerissen worden waren, wurden jetzt 18 Damwildtiere auf einem Gehege der Familie Ertel in Illafeld getötet. Bei den Landwirten der Umgebung, die sich den Schaden heute früh ansahen, wachsen Unmut und Empörung. Der Ruf nach Regulierung der Wolfspopulation wird lauter.

Betzenstein - In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch hat vermutlich der Wolf erneut einen Gehegezaun untergraben und hat nach dem ersten Augenschein von Nebenerwerbslandwirt Hans Ertel vor allem junge Tiere und trächtige Muttertiere gerissen. Die Kadaver liegen auf dem Gelände, das durch mehrere Zäune unterteilt ist, verstreut. Bevor er frühmorgens in die Arbeit fahren wollte, hat Ertel die ersten toten Tiere entdeckt. Eine schwer verletzte Hirschkuh habe er mit einem Fangschuss töten müssen. Ertel hielt bis vor dem Vorfall knapp 70 Tiere in seinem rund vier Hektar großen Gehege.

Nach dem Vorfall in Riegelstein habe man versucht, das Gehege mit Untergrabschutz an verschiedenen Stellen zu sichern, aber zu wenig Zeit gehabt, das überall entlang des kilometerlangen Zauns zu tun. Beatrice Ertel erklärt, man habe geeignete Flatterbänder bestellt und auch schon einen Antrag auf einen Notfallsicherungszaun gestellt.

Beatrice Ertel hat Angst: Sie verbringe viel Zeit mit ihren zwei Enkelkindern im Garten direkt neben dem Gehege. „Mir kommt der Wolf jetzt zu nahe an die Ortschaften heran“, sagt sie. Sorge geht auch um, um die Kinder im Kindergarten Riegelstein, der nur einen Kilometer von Illafeld und nur rund 100 Meter vom Gehege in Riegelstein entfernt liegt.

Sohn Steffen Ertel hat die Wildkamera ausgewertet, die vom Gehege aus in östliche Richtung ausgerichtet ist. Darauf befanden sich mehrere Aufnahmen, offensichtlich von einem Wolf, die in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch datiert sind. Er geht davon aus, dass darauf nicht nur ein Tier sondern in verschiedenen Zeitabständen mehrere Tiere unterschiedlicher Größe zu sehen sind, die um entlang des Zauns schleichen.

Schnell hatten sich gestern eine Reihe von Landwirten und Gehegebetreibern aus der näheren Umgebung von Illafeld auf dem Gelände der Familie Ertel versammelt und berichteten von verschiedenen Beobachtungen und Vorfällen. Otto Weidinger hat an seinem Gehege im Betzensteiner Ortsteil Hüll, wo er sechs Stück Rotwild hält, Grabspuren am Zaun entdeckt. Er vermutet, dass der Angreifer das Graben wegen dicker Wurzeln im Erdreich aufgegeben hat. Auch Christian Leißner, der am Wochenende Opfer eines Wildrisses geworden ist, will erneut Am Dienstag mehrere Spuren am mittlerweile errichteten Notfall-Schutzzaun entdeckt haben.

Auch Landwirt Konrad Leibold aus der benachbarten Ortschaft Henneberg (Stadt Velden) hat neben seinem Auslaufstall für Kühe Spuren gefunden und ist sich sicher, dass es ein Wolf war. Er sei in der Nacht von lautem Tiergebrüll und Unruhe im Stall aufgewacht. Er geht davon aus, dass der Wolf in den Stall eindringen wollte. Bei ihm macht sich eine gewisse Ratlosigkeit breit. Er betreibt eine offene Weidehaltung auf rund 25 Hektar Weideland. Im April sollen die Tiere wieder auf die Weide gelassen werden. Er fragt sich, wie er jetzt mit einem machbaren Aufwand sein großes Weidegelände schützen soll, zumal die Schutzfunktion von elektrifizierten Weidezäunen regelmäßig kontrolliert werden müsse. Zudem habe man in der Ortschaft beschlossen, die Kinder nicht mehr in den Wald zu lassen. Zu groß sei die Sorge um sie. „Das, was der Wolf hier anrichtet, hat mit Hunger nichts mehr zu tun, das ist ein Blutrausch“, so Leibold.

Ehrenamtliche Mitarbeiter des Netzwerks „Große Beutegreifer“ waren fast umgehend vor Ort in Illafeld und haben von den toten Tieren DNA-Spuren gesichert. Auch der Wolftiermanager der Regierung von Oberfranken Karsten Gees, war schnell angereist, um sich den Schaden anzusehen.

 

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