Wie wirkt sich die Möglichkeit aus, dass Teile der Stromautobahn nun unterirdisch verlegt werden können? Ein Vergleich zur Freileitung Stromautobahn: Erdkabel haben Vor- und Nachteile

Auch für die umstrittene Gleichstrompassage Süd-Ost ist es jetzt abschnittsweise möglich, die Kabel unterirdisch zu verlegen. Das soll die Akzeptanz in der Bevölkerung steigern. Doch ein Erdkabel hat Vor- und Nachteile. Der Kurier hat sich genauer angeschaut, welche das sind.

Ab welcher Abschnittslänge lohnt sich ein Erdkabel?
Beim Wechselstrom werden Abschnitte ab einer Länge von einem Kilometer unter die Erde verlegt. Beim in Bayreuth ansässigen Übertragungsnetzbetreiber Tennet schätzt man, dass das bei Gleichstromkabeln ähnlich ist. „Das sind aber Feinheiten, die erst im Planfeststellungsverfahren geklärt werden können“, sagt Tennet-Sprecherin Ulrike Hörchens. Also erst, wenn der endgültige Trassenkorridor feststeht und es an die genaue Planung geht. Joelle Bouillon, Sprecherin des für die Gleichstrompassage zuständigen Netzbetreibers Amprion, sagt: „Der Abschnitt sollte eine gewisse Länge nicht unterschreiten.“

Wo bieten Freileitungen Vorteile gegenüber Erdkabeln?
In dünn besiedelten Gebieten und im Wald sind Freileitungen von Vorteil. Denn unter den Kabeln kann der Wald bis zu einer gewissen Höhe wieder aufgeforstet werden. Das ist bei einem Erdkabel nicht möglich. Über den Kabeln, die etwa zwei Meter tief in der Erde liegen, dürfen nur Pflanzen wachsen, die nicht tief wurzeln. Im Wald bliebe also eine Schneise. Außerdem darf ein Erdkabel nicht überbaut werden. Auch Landwirte plädierten auf ihren Feldern in der Regel für Freileitungen, weil das die Bewirtschaftung weniger einschränkt.

Gibt es Unterschiede in der Breite?
Die Traversen einer Gleichstrom-Freileitung, also die Arme der Strommasten, sind bis zu 40 Meter breit. Da die Kabel bei starkem Wind schwanken, muss die Trasse breiter werden als die Traversen selbst. Die Experten nennen einen Bereich von 50 bis 80 Metern. Eine Erdkabeltrasse wird dagegen etwa 25 bis 30 Meter breit. Damit soll sie beim Gleichstrom sogar schmaler werden als im Drehstrombereich, wo Erdkabeltrassen zwischen 35 und 40 Meter breit sind.

(In hoher Auflösung finden Sie die Grafik hier.)

Wo bieten Erdkabel Vorteile?
Im Zuge der Trassenplanung kann der Korridor in manchen Fällen nahe an Städte und Dörfer heranrücken. Wo die Menschen sich von den hohen Strommasten bedrängt fühlen, kann die Leitung unter die Erde verlegt werden. „Es muss wirtschaftlich und technisch möglich sein“, sagt Joelle Bouillion. Die Sprecher von Tennet und Amprion betonen, kein Interesse am Bau von Freileitungen zu haben. Denn die Kosten für den Leitungsbau würden auf die Stromkunden umgelegt. Auch für Erdkabel, die vier bis achtmal teurer sind.

Ist eine Erdkabeltrasse in der Landschaft völlig unsichtbar?
Nein, auch wenn sie deutlich weniger in das Landschaftsbild eingreift, als eine Freileitung. Dort, wo die Freileitung in den Boden abtaucht, müssen Übergangsstationen gebaut werden. Außerdem kann ein Erdkabel nicht endlos verlegt werden. Je nach Aufbau des Kabels wiegt ein Meter Erdkabel rund 40 Kilogramm. Transportbedingt können daher maximal Stücke von 500 bis 1000 Meter Länge verlegt werden. Die Kabelstücke werden in sogenannten Muffenhäuschen verbunden. Die Muffen sind unterirdisch oder ragen minimal aus der Erde heraus.

Wo darf eine Gleichstromleitung überhaupt unter die Erde verlegt werden?
„Dazu gibt es keine eindeutige Gesetzgebung“, sagt Alexander Greß von Tennet. Es komme eben auf die äußeren Umstände an. Und auf die Argumente, die die betroffenen Bürger vorbringen. Amprion-Sprecherin Bouillon konkretisiert, dass ein Erdkabel gesetzlich überhaupt erst infrage kommt, wenn eine Freileitung näher als 400 Meter an eine geschlossene Ortschaft heranrückt. Das Gesetz begründe aber nicht die Pflicht, ein Kabel unter die Erde zu verlegen.

 

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