„Mit dem Taschengeld sollen Kinder und Jugendliche den Umgang mit Geld lernen“, sagt Mehlika Degerli, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychatrie und Psychotherapie aus Bayreuth. Wichtig ist dabei die Regelmäßigkeit der Geldvergabe. Montag oder Freitag seien gute Tage dafür. Dann können Eltern auch ohne Bedenken ab der ersten Klasse einen geringen Betrag an Taschengeld an ihr Kind geben. „Es darf dann aber nicht unregelmäßig werden. Es ist nicht gut, wenn es mal ein und das andere Mal zehn Euro sind“, sagt Degerli. Dadurch gehe der Bezug zum Geld verloren und die Kinder und Jugendlichen lernen nicht, wie man sich das Geld richtig einteilt und damit plant. Außerdem werde der Gedanke ans Sparen vernachlässigt.
Wichtig sei auch zu regeln, wenn noch von anderen Leuten Geld gegeben wird. „Falls Verwandte auch ein kleines Taschengeld zuzahlen, sollte das mit den Eltern besprochen werden“, sagt die Expertin. Auch hier spielt die Regelmäßigkeit wieder eine große Rolle. „Das Kind soll auch nicht den Eindruck bekommen, dass es, wenn es öfter die Oma besucht, mehr Geld bekommt.“ Das Geld soll dann lieber auf ein Konto überwiesen werden.
„Ab der fünften oder sechsten Klasse sollten Eltern ihre Kinder auch in die Kontoverwaltung mit integrieren“, sagt Degerli. Das sei wichtig, um einen Einblick für die Zukunft zu bekommen. Wichtig sei hier, dass die Eltern die Freiheit lassen, was mit dem Geld passieren soll. „Eltern sollten das leicht kontrollieren, aber nicht bestimmen. Nur in eine Richtung leiten.“ Sonst sind Kinder und Jugendliche schnell enttäuscht, wenn sie wissen, dass das Geld ihnen gehört, aber sie nicht darüber bestimmen dürfen.
Bei der nur leichten Kontrolle der Eltern kann es auch zu negativen Erfahrungen kommen. „Es kann natürlich passieren, dass das Kind gleich alles am ersten Tag ausgibt. Aber das ist in Ordnung. Auch solche Erfahrungen müssen gemacht werden“, sagt Degerli. Dadurch fällt es den Kindern und Jugendlichen danach leichter, sich das Geld einzuteilen. „Da können dann die Eltern auch leicht eingreifen und darauf hinweisen, dass man mehr vom Taschengeld hat, wenn man es sich einteilt.“
Zu viel Taschengeld ist nicht gut. „20 Euro pro Woche sind für einen Neun- oder Zehnjährigen deutlich zu viel“, sagt Degerli. Dadurch ginge die Wertschätzung für das Geld verloren. Die Höhe des Taschengelds hängt von dem Verdienst der Eltern ab. Es sei auch wichtig, das an die familiären Umstände anzupassen. „Das Verwöhnen mit Geld wird das Kind nicht glücklich machen“, sagt Degerli. Wenig Taschengeld sei dagegen nicht schlimm. „Klar, es darf nicht viel zu wenig sein. Aber wenn noch Luft nach Oben ist, können das die Eltern gut in den Alltag einbinden“, sagt die Fachärztin. Zum Beispiel könne man Hilfe im Haushalt mit mehr Taschengeld belohnen. „Dadurch wird die Verantwortung für die Familie gestärkt“, erklärt Degerli.
Ausnahmen bei der regelmäßigen Geldausgabe seien aber in besonderen Fällen zu vertreten. „Wenn es darum geht, sich eine neue Winterjacke oder Schuhe zu kaufen, kann man Jugendlichen auch das Geld geben und sie dürfen selbst damit einkaufen gehen“, sagt Degerli. Ansonsten solle das Taschengeld nicht für Klamotten oder andere notwendige Ausgaben verwendet werden. „Taschengeld ist dafür da, um sich etwas Gutes zu tun. Zum Beispiel mit Freunden ins Kino gehen oder etwas zu Essen kaufen.“