Die Nachricht machte am Sonntag auf Facebook die Runde, eine Onlinepetition wurde ins Netz gestellt und im Lauf des Nachmittags von nahezu 700 Menschen unterschrieben. Christoph Rabenstein sagte am Telefon: „Ich werde die Behörden auffordern, von der Abschiebung abzusehen, solange der Fall nicht im Landtag behandelt wurde. Das ist frühestens am 25. Februar möglich.“ Eine Auskunft des Ausländeramtes im Rathaus war am Sonntag nicht zu bekommen.

Die Unterstützer des Mädchens rufen am Montag um 16 Uhr zu einer Kundgebung vor dem Bayreuther Rathaus auf. Hintergrund: Um 17 Uhr zeichnet Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe den Verein „Bunt statt braun“ mit dem Sozialpreis der Stadt aus. Dieser Verein engagiert sich seit vielen Jahren für die in Bayreuth untergebrachten Flüchtlinge und setzt sich für deren Integration ein. Im Text der Petition heißt es: „Albina wohnt mit ihrem Vater, der schon seit 2004 hier ist, und ihren vier jüngeren Geschwistern in Bayreuth. Alle Kinder gehen zur Schule. Albina hat sich in den vier Jahren, in denen sie mit ihren Geschwistern hier ist, ein soziales Umfeld aufgebaut, sie fühlt sich hier wohl und nach all dem, was sie in der Vergangenheit erlebt hat, vor allem auch sicher. Der Vater tut alles in seiner Macht stehende für seine Kinder. Er arbeitet in Festanstellung so, dass sie ohne finanzielle Hilfe leben können. Die Kinder gehen in verschiedene Vereine, machen Sport und sind alle gut integriert.“

Am meisten Kritik entzündet sich am Zeitpunkt der Abschiebung: Die 19-Jährige bereitet sich auf ihren Schulabschluss, den sogenannten Quali, vor. Die Abschiebung so kurz vor dem Abschluss würde das Mädchen vor zusätzliche Schwierigkeiten stellen. Die Familie aus Serbien gehört der ethnischen Minderheit der Albaner an, die Kinder sprechen kein Serbisch. Nach dem Scheitern der Ehe holte der Vater seine fünf Kinder nach Bayreuth. Offenbar bezweifelt das Ausländeramt, dass der Vater tatsächlich sorgeberechtigt ist. Albina sollte kurz nach ihrem 18. Geburtstag vor einem Jahr schon einmal abgeschoben werden – um dem zu entgehen, stellte sie einen Asylantrag. Ein Jahr später steht die Abschiebung wieder unmittelbar bevor. Serbien gilt offiziell als sicheres Land, die Ausländerbehörde lehnte daher den Asylantrag als unbegründet ab. Die Unterstützer der Familie argumentieren aber, dass das Mädchen in Belgrad keinerlei Verwandte habe und deshalb wohl von Obdachlosigkeit bedroht sei. Schließlich habe die Mutter Albinas das Mädchen schon einmal sich selbst überlassen.

Tina Krause, die zu den Unterstützern der Familie gehört, verweist auf einen Stadtratsbeschluss von 2013: „Damals wurde beschlossen, dass das Ausländeramt in Fällen, in denen es einen Ermessensspielraum gibt, diesen zugunsten der Flüchtlinge nutzen soll.“ Auch Christoph Rabenstein verweist auf diesen Beschluss und stellt vor allem Abschiebezeitpunkt in Frage: „So kurz, bevor das Mädchen den Schulabschluss machen will, versteht das kein Mensch. Man sollte ihr diese Chance geben.“ Er verweist auf das Modell „3 plus 2“ der IHK; das besagt, dass Flüchtlinge in einem deutschen Betrieb drei Jahre lang ausgebildet und dann noch mindestens zwei Jahre lang beschäftigt werden. Rabenstein: „Für Menschen, die sich integrieren, die eine Anstellung haben und sich selbst finanzieren, müsste doch eine Regelung gefunden werden können.“

Info: Die Onlinepetition zugunsten Albinas ist unter http://tinyurl.com/q7cwlkx abrufbar.

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