Werksiedlung kämpft weiter Verein hält an Standort für Glas-Knopf-Museum fest

Das Glas-Knopf-Museum ist eine Rarität. Es erzählt Geschichte, wo sie stattfand. Und soll das auch weiter tun. Der Verein Werksiedlung Weidenberg gibt den Kampf nicht auf. Das Bernt-Haus soll gekauft werden. Vorne dran steht bei dem Vorhaben der neue Vereinsvorsitzende Martin Lochmüller, der selbst Geschichte schreibt.

Weidenberg -

„Der erste Alt-Weidenberger. Damit ist unsere Integration abgeschlossen“, sagt Vereinsmitglied Werner Schamel. Zuvor wählt die Mitgliederversammlung Martin Lochmüller (61), Weidenberger Gemeinderat und Dozent der Hochschule Hof, zum neuen Vorsitzenden – der erste in der Vereinsgeschichte ohne sudetendeutschen Hintergrund.

Den Verein gibt es seit 1953. Er vertritt die Interessen der vielen Menschen, die am Ende des Zweiten Weltkriegs aus ihrer Heimat rund um Gablonz im Sudetenland vertrieben und in Weidenberg angesiedelt wurden. Gefördert durch den Marshall-Plan der USA entstand rund um die Gablonzer Straße die Werksiedlung. Deren Bewohner ließen dort ihre im Sudetenland betriebene Glas- und Schmuckwarenherstellung wieder aufleben. Noch heute ist die Siedlungsstruktur erkennbar, obwohl die Industrie Vergangenheit ist.

Seit 1997 gibt es das Museum

An sie erinnert seit 1997 das Glas-Knopf-Museum in der Kristallstraße – unter Trägerschaft des Werksiedlungsvereins. Im Bernt-Haus, der früheren Glasperlenmanufaktur von Max Bernt. Im Untergeschoss Drucköfen, oben Wohnräume.

„Das Museum ist der Gegenentwurf zum neuen Sudetendeutschen Museum in München, wo Tafeln und Filmen informieren“, sagt die bisherige Vereinsvorsitzende Brigitt Hadlich am Donnerstagabend im Feuerwehrhaus. „Das Glas-Knopf-Museum im Bernt-Haus ist nicht schön, es ist nicht sauber, aber es ist echt.“ Deshalb soll daraus eine Geschichtswerkstatt werden.

Ende 2020 lief der Mietvertrag aus

Soweit der Plan. Die Realität sieht anders aus. Die Eigentümerin des Bernt-Hauses hat den Mietvertrag nicht verlängert. Er lief Ende 2020 aus. Gegenstände, die nicht zur ursprünglichen Einrichtung gehörten, mussten raus. Sie lagern in Containern und im Bahnhof. Vorbei ist der Kampf um den Originalschauplatz als Museumsort aber noch nicht. Im Gegenteil. Die neue Vorstandschaft des Werksiedlungsvereins will eine neue Offensive starten.

„Was wir in Weidenberg haben, ist so wichtig, dass wir den Kampf nicht aufgeben dürfen“, sagt Martin Lochmüller nach der Wahl. Selbst in Neugablonz bei Kaufbeuren, wo noch mehr Ex-Gablonzer eine neue Heimat fanden, gebe es keinen solchen Erinnerungsort. „Ich werde alles in meiner Macht stehende tun, um das zu erhalten.“

Bernt-Haus steht unter Denkmalschutz

Der Trumpf des Vereins: Das Bernt-Haus ist baufällig und steht zudem unter Denkmalschutz – inklusive der alten Maschinen. Die Eigentümerin müsste sich beim Umbau an strenge Vorgaben halten.

„An ihrer Stelle würde ich das Haus verkaufen, es muss viel investiert werden, und es riecht nach Schweröl, vielleicht ist der Boden kontaminiert“, sagt Weidenbergs Bürgermeister Hans Wittauer (FWG). Er spricht als Vorsitzender der Carl-Pohl-Stiftung. Einst gegründet, um Geld fürs Museum bereitzustellen. Die Stiftung ist offizieller Verhandlungspartner der Eigentümerin. „Ihr erstes Angebot war viel zu hoch“, sagt Wittauer. Das habe jetzt ihr Rechtsanwalt eingesehen. „Die Karten werden neu gemischt.“ Man stehe in Verhandlungen; die Stiftung werde ein konkretes Kaufangebot machen. Dann sei die Trägerschaft zu klären.

Aufbruchstimmung durch Versammlung

Bei den Mitgliedern sorgen Wittauers Rede und Lochmüllers Wahl für Aufbruchstimmung. „Vor uns stehen schwierige, aber auch reizvolle Aufgaben. Die Zukunft gehört uns“, sagt der wiedergewählte zweite Vorsitzende Dieter Piwernetz in einer leidenschaftlichen Rede.

Dafür will auch der Rest der Vorstandschaft kämpfen. Sie wurde von 21 Mitgliedern ohne Gegenstimme gewählt. Neuer Dritter Vorsitzender ist Hartmut Koschyk, Kassier bleibt Jochen Schlachta, Schriftführerin ist neu Heidrun Piwernetz. Beisitzer sind neu Brigitt und Herbert Hadlich sowie Reinhard Trepl. Kassenprüfer bleiben Gert Piwernetz und Werner Füßmann.

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