Werk Bamberg Bosch setzt auch auf die Brennstoffzelle

Bosch steigt in den Markt für mobile Brennstoffzellen ein und bereitet den Durchbruch der Technik für Lkw und Pkw vor. Foto: Bosch

BAMBERG. Der Wandel in der Autobranche schreitet voran. Der Zulieferer Bosch hat die Brennstoffzellen-Technik im Visier. Wir fragten nach beim Bamberger Werkleiter Martin Schultz.

Herr Schultz, Bosch setzt auf die Brennstoffzelle. Kann Bamberg davon profitieren?

Martin Schultz: 2018 hat das Bamberger Werk die Vorindustrialisierung der stationären Brennstoffzelle erhalten. Die langjährige Erfahrung im Sensorelement, das Prozesswissen bei der Bearbeitung keramischer Elemente, dem Siebdruck, der Pastenherstellung und dem Sintern hat die Vorindustrialisierung des Erzeugnisses im Bamberger Werk ermöglicht. Von Mitte 2019 an werden mit rund 60 Mitarbeitern im Werkteil 4 auf einer Fläche von rund 700 Quadratmetern Stacks in Kleinserie gebaut.

Sind auch mobile Zellen für Autos aus Bamberg denkbar?

Schultz: Derzeit arbeitet das Bamberger Bosch-Werk an der Vorindustrialisierung des Kernstücks der stationären Brennstoffzelle, dem sogenannten Stack. Eine Standortentscheidung für den Stack der mobilen Brennstoffzelle ist noch nicht getroffen worden, da dies unter anderem abhängig ist von der Nachfrage und der Entwicklung der Märkte.

Die Autobauer setzen auf Batterieantrieb. Ist da noch Platz für die Brennstoffzelle?

Schultz: Bis 2030 werden nach Bosch-Schätzung bis zu 20 Prozent aller Elektrofahrzeuge weltweit mit Brennstoffzellen angetrieben. Die besten Chancen für einen breiten Einsatz der Brennstoffzellen-Technik sieht Bosch im Nutzfahrzeug-Markt.

Und im Pkw?

Schultz: Ausgehend von den Nutzfahrzeugen werden Brennstoffzellen-Antriebe von Bosch in der Zukunft dann auch im Pkw vermehrt zum Einsatz kommen. Dafür müssen jedoch sukzessive die Kosten für Brennstoffzellen-Systeme sinken. Größter Posten ist der Stack. Dieser macht bis zu zwei Drittel der Gesamtkosten eines Brennstoffzellen-Systems aus.

Die Kosten werden sinken?

Schultz: Durch die Industrialisierung und über die Verbreitung der Technik am Markt wird Bosch Skaleneffekte erzielen und an der Kostenschraube drehen. Sinken müssen die Kosten auch noch bei Wasserstoff. Aktuell wird der Energieträger hauptsächlich für industrielle Anwendungen hergestellt mit einem Kilogrammpreis von oft mehr als fünf Euro. Mit steigender Produktion wird der Preis tendenziell noch fallen. Ein Kilogramm Wasserstoff enthält so viel Energie wie 3,3 Liter Diesel. Für 100 Kilometer benötigt ein 40-Tonner etwa neun bis zehn Kilogramm Wasserstoff.

Wie umweltfreundlich kann Wasserstoff produziert werden?

Schultz: Wasserstoff kann klimaneutral mit erneuerbarem Strom hergestellt werden. An der Optimierung dieses Prozesses arbeiten verschiedene Industrieunternehmen.

Wie wird getankt?

Schultz: Getankt wird Wasserstoff innerhalb weniger Minuten als hochkomprimiertes Gas. In der Brennstoffzelle reagiert der Wasserstoff mit Sauerstoff. Dabei entsteht – neben Wasser als Überbleibsel – elektrische Energie. Diese kann entweder zum Laden der Batterie im Fahrzeug genutzt werden, oder sie treibt direkt den elektrischen Motor an.

Wie wird Wasserstoff produziert?

Schultz: Der bislang weitgehend in der industriellen Produktion zum Einsatz kommende Wasserstoff wird überwiegend in großtechnischen Anlagen in einem Dampf-Reformationsprozess aus dem natürlichen Gas Methan hergestellt. Für die CO2-neutrale Herstellung von Wasserstoff lässt sich überschüssiger Strom aus Wind- oder Solaranlagen nutzen, der bislang oftmals nicht verwertet/gespeichert werden kann. Hierfür können Elektrolyse-Verfahren in kleinen dezentralen Anlagen zum Einsatz kommen, bei denen Wasserstoff (H2) aus Wasser hergestellt wird.

Das Bamberger Werk in zehn Jahren: Brennstoffzellen und noch ein kleiner Verbrenner-Anteil?

Schultz: Aufgrund der aktuellen unklaren Marktentwicklung können wir keine Langfristprognose abgeben, da heute noch offen ist, welcher Antrieb oder welche Kombinationen von Antriebsarten wann vorherrschen werden. Wir gehen aber davon aus, dass es weit bis ins nächste Jahrzehnt hinein kein Entweder-oder, vielmehr ein Sowohl-als-auch von Verbrennungsmotor und Elektroantrieb geben wird. Daher bleibt die Verbrennungstechnik mit Systemen für die Benzindirekteinspritzung und Dieselhochdruckeinspritzung auch weiterhin eine wichtige Technologie, die es weiterzuentwickeln gilt.

Was heißt das für Bamberg?

Schultz: Die Werkleitung von Bosch Bamberg befürwortet im Hinblick auf die Transformation des Antriebsstrangs das Prinzip der Technologieoffenheit. Das heißt, wir sollten mehrgleisig fahren und Kompetenzen und Know-how bei Verbrennern weiter ausbauen und gleichzeitig bei der Elektromobilität aufbauen. Hierfür investieren wir bei Bosch in Bamberg in neue Produktgenerationen und Geschäftsfelder wie zum Beispiel die stationäre Brennstoffzelle.

 

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